Die Pflege von Angehörigen kann viele der Betreuenden überlasten. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Die Pflege von Angehörigen überlastet viele

Die Pflege von Familienmitgliedern überlastet viele. Forschende fordern anhand einer Studie mehr Unterstützungsangebote.

Die Pflege von Angehörigen kann die Betreuenden überlasten, vor allem wenn sich die neue Rolle schleichend einstellt. Forschende fordern auf Basis einer Studie, dass Unterstützungsangebote mehr an Betroffene herangetragen werden sollten.

Eine Bringschuld der Anbieter von Unterstützungsangeboten statt eine Holschuld der Betroffenen postuliert eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der FHS St. Gallen und der Careum Hochschule Gesundheit. Insbesondere wenn sich die Betreuungsaufgaben schleichend einstellen, droht Überlastung, weil sich die Betroffenen ihrer neuen Rolle lange nicht bewusst sind und Hilfsangebote nicht rechtzeitig in Anspruch nehmen.

In Interviews mit Angehörigen und Leistungsanbietern sowie einer grösseren Befragung mit je 300 Vertretern jeder Gruppe erfassten die Forschenden um André Fringer von der ZHAW, welchen Belastungen betreuende Angehörige ausgesetzt sind. Die Studie fand im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit statt.

In der Situation gefangen

Ein Viertel der Befragten gab demnach an, täglich mehr als 15 Stunden für die Versorgung ihnen nahestehender Personen aufzuwenden, wie die ZHAW am Donnerstag mitteilte. Ein Drittel fühlte sich in der Betreuungssituation gefangen. Rund 80 Prozent hatten eine Krise, beispielsweise einen Unfall, des betreuten Angehörigen erlebt, 60 Prozent eine eigene Krise durchgemacht.

Gerade in solchen Krisensituationen werteten die Betroffenen externe Hilfe als besonders hilfreich, beispielsweise Beratungsgespräche, Hausbesuche oder Springereinsätze.

Unterstützungsangebote sollen helfen

Die Studienautorinnen und -autoren fordern einerseits Organisationen und Gemeinden auf, mehr Unterstützungsangebote bereitzustellen. Zum anderen brauche es Richtlinien, wie betreuende Angehörige mit Informationen zu ebensolchen auch erreicht werden können. «Externe Angebote sollten im Sinne einer integrierten Versorgung nicht als Holschuld der Betroffenen, sondern als Bringschuld verstanden werden», betonte Fringer gemäss der Mitteilung.

Grosses Potenzial sehen die Pflegeforschenden hierbei bei Hausärzten und Spitex-Mitarbeitenden, die mit den betreuenden Angehörigen in Kontakt stehen und so frühzeitig auf Hilfsangebote hinweisen könnten.

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