Knatsch bei der BLT: die Mitarbeitenden fordern einen verbesserten GAV. Die Geschäftsführung gibt an, bereits bessere Bedingungen geschaffen zu haben. (Bild: Archiv Telebasel)
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BLT-Mitarbeiter montieren Forderungen an Haltestellen

Die BLT-Mitarbeiter fordern mit Plakaten an den Haltestellen Verbesserungen im GAV. Laut Direktor Andreas Büttiker habe man bereits Verbesserungen vorgenommen.

«Warum bekomme ich Minusstunden, weil ich krank im Bett lag?» Dies die Parole auf einem Plakat, das von BLT-Mitarbeitenden an Haltestellen des Unternehmens befestigt wurde.

Die Geschäftsleitung sei ohne Mandat zu Verhandlungsterminen erschienen und habe nun einseitig den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geändert, schreibt die Gewerkschaft SEV.

«Ich habe kein Verständnis für diese Aktion», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker gegenüber Telebasel. «Wir haben die Situation für das Personal per 1. Januar 2020 deutlich verbessert, doch die Gewerkschaft fühlt sich pikiert, weil dies nicht mit ihr abgesprochen wurde.»

«Wir halten uns ans Arbeitszeitgesetz», sagt er über die Minusstunden. Die BLT gewähre – wie viele Transportunternehmen in der Schweiz – für jeden Krankheitstag von Montag bis Samstag sieben Stunden. Dies könne einmal zu Gunsten oder zu Ungunsten des Mitarbeitenden ausfallen, in der Summe gleiche sich das aber aus. «Wir sind offen, auf eine minutengenaue Kompensation zu wechseln, wenn dies von der Mehrheit der Mitarbeitenden gewünscht wird.»

Forderungen zur Arbeitszeit

Als Beispiele für Verbesserungen nennt Andreas Büttiker die Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs auf zwei Wochen und des Mutterschaftsurlaubs auf 16 Wochen, zudem werden die Kinder- und Ausbildungszulagen pro Kind freiwillig um 900 Franken jährlich erhöht.

«Die BLT hat offenbar nicht begriffen, was Sozialpartnerschaft bedeutet», sagt SEV-Gewerkschaftssekretärin Susanne Oehler. Nach zehn Jahren sei der GAV der BLT veraltet und müsse dringend überarbeitet werden. Deshalb habe der SEV bereits im Frühjahr die BLT gebeten, den GAV neu zu verhandeln. Zudem habe das Personal wiederholt die Forderung geäussert, dass es verbindlichere Regelungen im Bereich der Arbeitszeit brauche.

«Psychologisch gesehen war es ungeschickt, dass wir die Verbesserungen nicht mit der Gewerkschaft abgesprochen haben», räumt der BLT-Direktor selbstkritisch ein.

BLT-Mitarbeitende fühlen sich nicht ernst genommen

«Die BLT hält sich gerne den ganzen Spielraum offen, den das Arbeitszeitgesetz bietet – und zwar nicht immer im Interesse der Mitarbeitenden», erklärt Susanne Oehler. Die Forderungen des Personals seien allesamt zeitgemäss und gut umsetzbar.

«Dennoch musste der SEV mit Bedauern feststellen, dass die Geschäftsleitung kein Verhandlungsmandat vom Verwaltungsrat erhalten hat», wie die Gewerkschaft schreibt. Deshalb seien bislang keine GAV-Verhandlungen zustande gekommen. «Der SEV bedauert, dass die BLT die Anliegen des Personals offenbar so wenig ernst nimmt», so die Mitteilung der Gewerkschaft.

Ob die Aktion mit den Plakaten an den Haltetellen Früchte trägt, ist noch unklar. Beim BLT-Direktor kamen die Plakate nicht gut an. «Ich bin enttäuscht über die Art und Weise der Kommunikation», sagt Andreas Büttiker. «Dabei sind bei mir die Türen jederzeit offen für ein Gespräch.»

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