Wenn es draussen knallt, bekommen viele Haustiere Panik. (Bildmontage: Telebasel)
Basel

So helfe ich meinem Hund durch den lauten Jahreswechsel

An Silvester wird es laut. Zu laut für viele Hunde, die ein feineres Gehör als wir Menschen haben. Wie kann ich meinen Vierbeiner vor der Knallerei schützen?

Den Jahreswechsel feiern wir gerne laut. Feuerwerkskörper aller Art haben in dieser Zeit Hochkonjunktur, so war es zumindest in der Vergangenheit. Längst kritisieren Umweltschützer die hohe Feinstaub-Belastung an Silvester und fordern, die Pyro-Spektakel zu beenden. In Basel hatten sie damit zumindest teilweise Erfolg, denn das traditionelle Feuerwerk wurde für 2019 stark gekürzt. Das Basler Präsidialdepartement wolle damit ein «Zeichen bei der Umweltverträglichkeit» setzen.

Tiere haben dagegen noch keine grosse Lobby; sie leiden Jahr für Jahr still an den hohen Lärm-Emissionen. Das führe oft dazu, dass Hund, Katze und Co. vor Panik Reissaus nehmen. Immer wieder kommt es dann vor, dass die Polizei entlaufene Tiere ins Tierheim bringen muss.

Lang- und kurzfristige Massnahmen

Die Tierärztin und renommierte Verhaltenstherapeutin Stephanie Grath erklärt auf ihrer Webseite, dass es am sinnvollsten sei, mit dem Hunde-Training für Silvester frühzeitig, am besten schon im Sommer, zu beginnen. Dazu gehöre zum Beispiel Desensibilisierung, konditionierte Entspannung oder Nutzung des sicheren Rückzugortes. Wenn es kurzfristig sein muss, rät Grath zu folgenden Massnahmen:

  • Grosser Spaziergang am Vormittag und letzte Gassi-Runde nicht nach 21 Uhr
  • Fenster und Türen verschliessen, wenn möglich Storen herunterlassen und Vorhänge zuziehen
  • Vor dem Öffnen einer Wohnungstür, erst den Hund sichern
  • Ruhe ausstrahlen – die Stimmung kann sich auf das Tier übertragen
  • Vertraute Geräusche wie Fernsehgeräusche etwas lauter stellen als sonst
  • Beschäftigung mit Dingen, die entspannt und schläfrig machen (Kauartikel, Suchspiele, Denkaufgaben)
  • Lieblingsplätze (Flucht- und Rückzugsorte) müssen leicht zugänglich und jederzeit erreichbar sein
  • Thundershirt/ Karmavest anziehen (eine Art Stretchmantel, der um den Hundekörper angelegt und womit leichter Druck auf die Körperoberfläche ausgeübt wird, was entspannend wirken kann)
  • Souveräne Tiere als Begleitung wählen
  • Mit dem Hund im Auto auf die Autobahn fahren
  • Sich am Flughafen aufhalten

Wann greife ich zu Medikamenten?

Wenn gar nichts mehr geht und der Vierbeiner vor lauter Panik nicht mehr ansprechbar ist, könnte eine medikamentöse Behandlung indiziert sein. Stephanie Grath rät auch hier zur individuellen Behandlung: «Es gibt kein Allgemein-Rezept, denn jeder Hund hat andere Ängste und dafür benötigt man spezielle Managementpläne», weiss sie.

Je nach Ausprägung der Symptome und der Intensität der Knallerei am Aufenthaltsort können laut der Expertin naturheilkundliche Medikamente oder schulmedizinische Angstlöser eingesetzt werden. Nur vom Wirkstoff Acepromazin rät sie entschlossen ab: Der bewirke lediglich eine Lähmung und Geräuschempfindlichkeit.

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