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Schweiz

AKW Mühleberg wird abgeschaltet

Das Atomkraftwerk Mühleberg ist Geschichte. Am Freitagmittag um 12:30 Uhr wurde das AKW still gelegt.
Auch Basel schaut auf Mühlenberg

Die SP Landrätin Désirée Jaun feiert heute die Einstellung des AKWs Mühlenberg. Als Co-Präsidentin vom Verein «Nie wieder Atomkraftwerk Schweiz» engagiert sie sich dafür, dass nach und nach alle Kernkraftwerke abgestellt werden. Auch für die Region Basel sei dies ein wichtiges Thema: «Wir haben gerade an der Grenze in Frankreich das AKW Fessenheim. Und das spielt durchaus eine Rolle für uns. Wenn da etwas passiert sind wir auch davon betroffen». Doch auch die weiteren Reaktoren in der Schweiz hätten bei einem Unfall weitreichende Auswirkungen.

Das AKW Mühlenberg beschäftigte heute auch viele Personen in Basel, wie eine Umfrage in der Innenstadt zeigte.

Beitrag in den Telebasel News vom 20. Dezember 2019:

Stilllegung dauert 15 Jahre

In Mühleberg bleibt für die BKW noch viel zu tun. Stilllegung und Entsorgung der Anlage kosten sie voraussichtlich drei Milliarden Franken; davon sind bislang 80 Prozent gedeckt. Komplett finanziert sind die Arbeiten voraussichtlich im Jahr 2126.

Die Stilllegung wird mit dem bestehenden Personal und externen Arbeitskräften umgesetzt. Schon am 6. Januar 2020 beginnen die anspruchsvollen Arbeiten für den Rückbau. Sie dauern bis 2034. Das Risiko einer Kernschmelze bleibt in den ersten Jahren bestehen, doch wird das Gefahrenpotenzial rasch deutlich kleiner.

Gross bleibt dagegen die Herausforderung, den Atommüll sicher und langfristig zu entsorgen. Die Brennstäbe kommen zunächst ins Zwischenlager Würenlingen. Wo sie dereinst endgelagert werden, ist eine der grossen offenen Fragen der Schweizer Politik. (sda)

AKW Mühleberg ist abgeschaltet

Das AKW Mühleberg ist Geschichte: Die Betreiberin BKW hat das Atomkraftwerk westlich von Bern am Freitag mittag endgültig abgeschaltet. Ein Operateur im Kommandoraum löste die Abschaltung um 12.30 Uhr aus, wie Fernsehbilder zeigten.

AKW Mühleberg: Drei, zwei, eins …abgeschaltet!

(Video: Keystone-SDA/Detlev Munz)

Die BKW hatte sich 2013 entschlossen, das AKW stillzulegen. Die geforderten Nachrüstungen hätten sich nach ihrer Einschätzung nicht mehr rentiert. In den vergangenen Jahren wurde die Einstellung des Leistungsbetriebs eingehend geplant.

Im Sommer 2018 wurde der Kern für den letzten, 15-monatigen Betriebszyklus mit Brennelementen beladen. Dabei wurde die Brennstoffmenge so berechnet, dass sich die Leistung des AKW seit Mitte November langsam reduzierte.

Innert drei Sekunden war alles vorbei

Am Freitagmorgen begann die BKW ihr Atomkraftwerk Schritt für Schritt herunterzufahren, indem Steuerstäbe zwischen die Brennstoffelemente mit Uran eingeführt wurden. Als um 12.30 Uhr zwei rote Knöpfe gedruckt wurden, wurde der letzte Steuerstab zwischen die Brennelemente gefahren.

Damit wurde die Kettenreaktion unterbunden und der Reaktor abgeschaltet. Der Vorgang dauerte drei Sekunden.

Das AKW hatte seinen Betrieb am 6. November 1972 aufgenommen. Seither produzierte die Anlage unterhalb des Wohlensees rund 130 Milliarden Kilowattstunden Strom, wie die BKW am Freitag mitteilte. Gesamtschweizerisch trug Mühleberg mit fünf Prozent zur Stromproduktion bei.

Das sagen die Politiker

Zur Abschaltung des AKWs Mühleberg wurden auch zahlreiche bekannte Energiepolitiker eingeladen. Sie bewerten die Abschaltung unterschiedlich. Während Regula Rytz (Grüne) und Jürg Grossen (GLP) die Abschaltung als Wendepunkt der Schweizer Energiepolitik sehen, sieht Christian Wasserfallen (FDP) die Versorgungssicherheit gefährdet. Beatrice Simon (BDP) spricht von gemischten Gefühlen.

Abschaltung AKW Mühleberg: Das sagen die Politiker:

(Video: sda/Detlev Munz)
AKW-Leiter verspürt Wehmut und Freude

Der Tag der definitiven Abschaltung des Kernkraftwerks Mühleberg ist für den langjährigen Werkleiter Martin Saxer mit ganz unterschiedlichen Gefühlen verbunden. Dazu gehört auch ein wenig Wehmut.

Saxer war 27 Jahre lang im Kernkraftwerk tätig. «Heute verspüre ich natürlich eine gewisse Wehmut und Traurigkeit, dass eine Ära zu Ende geht», sagte Saxer am Rande der Medienkonferenz. Doch er empfinde auch Freude.

Freude nämlich über den 47 Jahre langen Betrieb ohne grössere Zwischenfälle und über die tolle Leistung, die die Mitarbeitenden über Jahrzehnte erbracht hätten. (sda)

Drei Sekunden für die Abschaltung des AKW Mühleberg

Wenn um 12:30 Uhr die beiden entscheidenden Knöpfe zur Abschaltung des AKW Mühleberg gedrückt werden, dauert es rund drei Sekunden, bis die nukleare Kettenreaktion unterbrochen ist.

Sobald die beiden roten Knöpfe gedrückt werden, schiessen sogenannte Steuerstäbe zwischen die Brennelemente, wie Stefan Klute, Gesamtprojektleiter der Stilllegung, am Freitag erklärte.

Mit der Abschaltung am Mittag wird das AKW von der Stromerzeugerin zur Strombezügerin. Denn während der rund 15-jährigen Stilllegungs- und Rückbauarbeiten benötigt man im Werk auch Strom.

Am Anfang kommt der «Saft» aus dem Netz, später soll das nahe Wasserkraftwerk den Strom fürs ex-AKW liefern.

Mühleberg ist das erste AKW der Schweiz, dem definitiv der Stecker gezogen wird. BKW-Chefin Suzanne Thoma sprach im Zusammenhang mit der Stilllegung von einer Pionierleistung. Zwar habe man im Ausland bereits Erfahrung mit Stilllegungen, doch «wir bauen erstmals im Schweizer Kontext ein Werk zurück».

Das Know-how, das die BKW in diesem Zusammenhang aufbaut, dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten durchaus versilbern lassen. (sda)

Grüne drängen auf Abschaltung des nächsten Atomkraftwerks

Nach dem Aus für das AKW Mühleberg drängen die Grünen auf die Abschaltung des nächsten Atomkraftwerks. Nun müsse Beznau vom Netz, forderten grüne Nationalratsmitglieder am Freitag im Bundeshaus.

«Nach Mühleberg: Ciao Beznau» stand auf Transparenten zu lesen, welche die Grünen in die Höhe hielten.

Ähnlich sieht es die Umweltorganisation Greenpeace. Sie gratulierte der Mühleberg-Betreiberin BKW zu ihrem «weittragenden Entscheid» und nahm zugleich die Politik und die anderen AKW-Betreiber in die Pflicht.

Nun brauche es verbindliche Abschaltdaten für die vier restlichen Reaktoren des Landes, forderte Greenpeace in einem Communiqué. «Wenn sich die Stromkonzerne nicht über eine entsprechende Roadmap einigen können, muss der Bund das Heft wieder in die Hand nehmen.» (sda)

AKW-Leiter: «Am 6. Januar schlagen wir neues Kapitel auf»

Nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg gehen die Stilllegungs- und Rückbauarbeiten direkt am 6. Januar los, wie Werkleiter Martin Saxer am Freitag vor den Medien sagte.

Mit der Abschaltung gehe eine Ära zu Ende, in der das Kernkraftwerk Energie- und Technikgeschichte geschrieben habe, sagte Saxer. «Es ist aber lediglich ein Kapitel abgeschlossen. Am 6. Januar schlagen wir ein neues auf.»

Saxer zeigte sich stolz auf die 330 Mitarbeitenden des Werks, die über 47 Jahre einen Betrieb ohne grössere Zwischenfälle garantiert hätten. Das Werk habe insgesamt 130’000’000’000 Kilowattstunden Strom produziert. Das würde ausreichen, um die Stadt Bern über hundert Jahre lang mit Strom zu versorgen. Gesamtschweizerisch trug Mühleberg mit 5 Prozent zur Stromproduktion bei.

Er wünsche sich, dass «die Erfolgsgeschichte ab dem 6. Januar weitergeschrieben» wird, sagte Stefan Klute, Gesamtprojektleiter der Stilllegung. Für die Stilllegung und den Rückbau wurden die Mitarbeitenden geschult.

Brennelemente werden in drei Monaten herausgeholt

In der ersten Januarwoche geht es vor allem darum, die Infrastruktur für den Ausbau der Turbinen und Generatoren aufzustellen. Der Ausbau sollte bis im kommenden Herbst über die Bühne gehen.

Dabei gilt es unter anderem, die sogenannten Splitterschutzsteine aus dem Maschinenraum zu hieven. Einer allein wiegt zwischen 4 und elf Tonnen, wie Klute ausführte. Das Ziel sei, pro Tag drei bis vier Steine herauszuholen.

Nach drei Monaten sollen die Brennelemente herausgeholt und im Lagerbecken abgelegt werden. Das Becken erhält ein autarkes Notsystem, das nicht mehr mit dem Reaktor gekoppelt ist.

Jahrelange Arbeit

Im Herzstück des AKW, dem Reaktor, werden zuerst im oberen Teil Betonriegel abgebaut. «Dann arbeiten wir uns zum Druckbehälter vor», wie Klute sagte. Im Jahr 2024 sollte Mühleberg frei von Kernbrennstoff sein. Daraufhin erfolgt der nukleare Rückbau. Im Jahr 2031 sollte auf dem Areal keine Radioaktivität mehr vorhanden sein.

Was danach mit dem gut erschlossenen Gelände geschieht, ist laut BKW-CEO Suzanne Thoma noch offen. Ideen gebe es schon, aber noch keine konkreten Pläne. Ihr Wunsch wäre es, dass das Gelände weiterhin als Wirtschaftsstandort der Region dienen würde. (sda)

Mühleberg-Stilllegung ist Pionierleistung

Mit der Stilllegung des AKW Mühleberg leistet die Betreiberin BKW Pionierarbeit. Das betonte die BKW-Chefin Suzanne Thoma am Freitag vor den Medien in Mühleberg.

Wichtig sei, dass die BKW den Stilllegungsentscheid frühzeitig – im Jahr 2013 – gefällt habe, sagte Thoma. So habe das Unternehmen genügend Zeit gehabt, um die Stilllegung gründlich zu planen. «Und die Behörden hatten genügend Zeit, dieses hochkomplexe und anspruchsvolle Projekt zu prüfen.»

Technisch gesehen sei die Abschaltung von Mühleberg keine Pionierleistung, räumte Thoma ein. Es befänden sich ja schon viele Atomkraftwerke im Rückbau. «Aber wir bauen erstmals ein AKW im schweizerischen Kontext zurück.» Deshalb handle es sich um eine Pionierleistung für die BKW und auch für Verwaltung und Behörden.

Mit der Abschaltung des AKW Mühleberg reduziert sich die Stromproduktion der BKW um einen Viertel und halbiert sich im Kanton Bern. Die Stilllegung sei ein Element des Wandels der BKW von einem Energieunternehmen zu einem internationalen Energie- und Infrastrukturdienstleistungs-Unternehmen, sagte Thoma.

Ausgehend von ihren Kompetenzen im Energiebereich biete die BKW heute europaweit auch Netz-, Infrastruktur- und Gebäudetechnik-Dienstleistungen an.

So sei die BKW in den letzten Jahren auf rund 10’000 Mitarbeitende angewachsen, von denen die Mehrheit im Dienstleistungsgeschäft tätig sei, heisst es in einem Communiqué. (sda)

AKW Mühleberg wird abgeschaltet

Zwei Mitarbeiter im Kommandoraum werden den Reaktor im AKW Mühleberg per Knopfdruck abschalten. Das Schweizer Fernsehen wird den Akt live übertragen. Die Betreiberin BKW hat zudem ein Zelt im Freien aufgestellt, wo sie den historischen Moment mit zahlreichen geladenen Gästen begehen will.

Das Herunterfahren soll am Sonntag abgeschlossen sein. Unmittelbar nach den Feiertagen, am 6. Januar 2020, beginnen die Rückbauarbeiten. Weil Mühleberg als erstes Schweizer AKW seinen Betrieb einstellt, leistet die BKW Pionierarbeit.

Der Rückbau wird mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Erst 2024 werden die Brennstäbe abtransportiert. 2030 soll das Areal frei von radioaktivem Material sein. 2034 soll in Mühleberg wieder eine grüne Wiese stehen – eine Fläche von elf Fussballfeldern, bereit für eine neue Nutzung.

Wirtschaftlicher Entscheid

Das AKW Mühleberg nahm seinen Betrieb 1972 auf und stand ab den 1980er-Jahren immer wieder im Zentrum politischer Debatten. AKW-Gegner bezweifelten die Sicherheit der Anlage. Die Befürworter versuchten die Ängste zu zerstreuen; sie warben für Atomkraft als zuverlässige und klimafreundliche Energiequelle.

Der Entscheid zur Abschaltung des AKWs Mühleberg fiel 2013. Ausschlaggebend waren für die BKW wirtschaftliche Überlegungen: Das Management kam zum Schluss, dass sich die geforderten Nachrüstungen für den Langzeitbetrieb nicht mehr lohnen würden.

In der Schweiz gibt es noch vier weitere Kernkraftwerke in den Kantonen Solothurn und Aargau. Gösgen, Leibstadt sowie Beznau I und II sollen nach dem Willen ihrer Betreiber noch längere Zeit Strom produzieren.

Mehr dazu am 20. Dezember 2019 um 18:30 Uhr und stündlich ab 19:00 Uhr in den Telebasel News.

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