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Der Telebasel News Beitrag vom 14. Dezember 2019.

Basel

Globale Player drücken sich vor lokaler Verantwortung

Seit mehreren Jahren fehlt dem Trägerverein der Weihnachtsbeleuchtung in der Freien Strasse Geld. Jetzt wird die Politik auf den Plan gerufen.

Für Stephan Schiesser ist die Weihnachtsbeleuchtung in der Freien Strasse, die schönste der Schweiz. «Bis weit ins Ausland ist diese bekannt und ein beliebtes Fotosujet.» Für ihn ist es dann auch wenig verständlich, dass die Finanzierung alle Jahre wieder auf der Kippe steht. Deshalb hat er einen Vorstoss im Grossen Rat eingereicht. Mit der schriftlichen Anfrage will der Konditoreibetreiber erreichen, dass die Weihnachtsbeleuchtung langfristig gesichert wird. Konkret geht es dabei nicht um finanzielle Mittel vom Kanton, sondern dass sich die Regierung bemüht, dass mehr in der Freien Strasse ansässige Geschäfte einen Beitrag an die Beleuchtung zahlen.

Rund 80’000 Franken kostet die Beleuchtung pro Jahr. Darin enthalten sind die Montage, der Strom, Reparaturen und die Lagerung des Lichterschmucks. «Die Kosten für die Lagerung sind nicht zu unterschätzen», sagt Schiesser. Er würde es begrüssen, wenn die Regierung in diesem Bereicht tätig werden könnte und beispielsweise Lagerräume zur Verfügung stellen könnte.

Mitglieder-Beiträge reichen nicht

Seit der Weihnachtszeit 1963 zieren Lichtbögen die Freie Strasse. Organisiert und finanziert werden die bekannten Weihnachtslichter vom Verein «Weihnachtsbeleuchtung Freie Strasse». Dieser setzt sich aus den in der Freien Strasse ansässigen Läden zusammen. Über die Mitgliederbeiträge werden die Kosten der Beleuchtung gedeckt. Eine Rechnung, die bis vor ein paar Jahren noch aufging. Mittlerweile fehlen dem Verein aber regelmässig die Mittel, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Immer wieder springen Geldgeber ein, wie beispielsweise der Rotary Club Anfang Jahr, oder der Lotteriefonds, welcher die Umrüstung auf LED-Lampen finanzierte.

Die fehlenden Mittel hängen auch mit dem strukturellen Wandel der Freien Strasse zusammen. Mittlerweile wird die grosse Einkaufsstrasse hauptsächlich von grossen internationalen Ketten gesäumt. Die kleineren Läden mit lokalem Bezug wurden im Laufe der Zeit verdrängt und an ihre Stelle traten grosse Ketten. Die Mitgliederzahl des Vereines sank stetig und damit die finanziellen Mittel.

Zu den Firmen, welche sich nicht an der Finanzierung der Beleuchtung beteiligen, gehört zum Beispiel Apple. Auf Anfrage wollte jedoch niemand bei Apple Stellung zum Thema beziehen. Andere grosse Player wie beispielsweise H&M, Starbucks oder Coop bezahlen einen nicht genannten Beitrag an die Beleuchtung.

«Es hilft der Stimmung»

Wenig Verständnis für Firmen, welche sich nicht an den Kosten beteiligen, haben die Geschäftsführer, welche beim Verein mitmachen. «Die sind genauso Nutzniesser wie auch die kleinen Läden», sagt der Geschäftsführer vom Fotohaus Wolf Adrian Samuel. Die ansässigen Geschäfte zum Mitmachen zu zwingen, findet er aber auch nicht die richtige Lösung: «Ich denke, einfordern kann man es nicht, aber die Zusammenarbeit in irgendeiner Form sollte möglich sein, um die Beleuchtung längerfristig aufrecht zu erhalten.»

Ähnlich sieht das Thomas Hollenweg. Seit knapp einem Jahr ist er mit seinem Laden «Vom Fass» jetzt an der Freien Strasse. «Ich finde es gehört dazu, wenn man in der Freien Strasse ist, dann soll man auch dort seinen Beitrag leisten.» Die Bedeutung der Weihnachtsbeleuchtungen darf dann auch nicht unterschätzt werden, denn: «Schlussendlich ist die Weihnachtsbeleuchtung etwas sehr Wichtiges. Es hilft der Stimmung», so Hollenweg. Eine weihnachtliche Stimmung kurbelt dann wohl auch den vorweihnachtlichen Verkauf an. Ein Interesse, welches wohl alle Geschäfte in der Freien Strasse verfolgen.

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