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Der Telebasel News Beitrag vom 12. Dezember 2019.
Basel

Prattler Musiker sitzt in der Türkei im Hochsicherheits-Gefängnis

Der Baselbieter Musiker Yilmaz Çelik wurde in der Türkei festgenommen. Ihm wird Propaganda einer linksorientierten Organisation vorgeworfen.

Der Sohn von Yilmaz Çelik aus Pratteln ist verzweifelt. Am Sonntag, 8. Dezember 2019, wurde sein Vater in Tunceli, Türkei,  von einer Anti-Terror Abteilung, wie es die türkische Zeitung Cumhuriyet schreibt, nach einem Konzert verhaftet.

Der Musiker wird beschuldigt, einer linksorientierten Organisation anzugehören und deren Propaganda zu machen. «Das stimmt natürlich nicht. Mein Vater ist weder politisch aktiv noch teilt er auf den sozialen Medien politische Beiträge», sagt sein 27-jähriger Sohn Asmen Çelik.«Der Regierung reicht es, dass er Kurde und Alevit ist, um ihn festzunehmen», nimmt Asmen Çelik an.

Der Musiker ist seit seiner Jugend in der Schweiz und ist in Pratteln zur Schule gegangen. Seinen türkischen Pass hat er abgeben, erzählt die Familie, er sei nur noch Schweizer.

Lieder über kurdische und alevitische Kultur

Die Familie kann über die Gründe der Festnahme nur mutmassen. Yalcin Çelik, der Bruder des inhaftierten 50-jährigen, vermutet, dass die Regierung sich an den Liedern seines Bruders stört. Yilmaz Çelik singe in einer kurdisch-alevitischer Sprache, Zaza. Diese Sprache sei nicht gern gesehen. «Es ist eine Sprache, die verloren geht. Und er strebt danach, damit die Sprache erhalten wird», erzählt er. In den Liedern ginge es oft auch um die Kultur seines Volkes.

«Es ist eines der schlimmsten Gefängnisse»

«Wir haben keine Möglichkeit, ihn zu sehen oder mit ihm zu telefonieren», erzählt Asmen Çelik, der Sohn des Musikers.

Am Dienstag sei sein Vater vom Untersuchungsgefängnis in ein Hochsicherheitsgefängnis in der osttürkischen Provinz Elazığ verlegt worden: «Es ist eines der schlimmsten Gefängnisse. Dort sind alle politischen Gefangenen zentralisiert».

Die Familie habe nun nur noch wenige Tage Zeit, Einspruch zu erheben. Am Mittwoch dürfen sie nun aber endlich den Familienvater in der Türkei besuchen gehen. Angst, in die Türkei einzureisen, habe Asmen Çelik nicht. Dennoch meidet er im Interview direkte Anschuldigungen gegenüber dem türkischen Staat. «Ich gehe als sein Sohn hin und nicht als politischer Aktivist», erzählt Asmen Çelik. Er habe darum nichts zu befürchten.

Viel Unterstützung von Behörden und Politik

«Wir erhalten Unterstützung vom EDA und der Schweizerischen Botschaft in Ankara», so der 27-jährige Sohn. Das EDA schreibt auf Anfrage von Telebasel: «Das EDA hat Kenntnis, dass einem Schweizer Staatsangehörigen in der Türkei die Freiheit entzogen wurde». Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes könne das EDA allerdings keine weiteren Angaben machen.

Auch aus der Politik habe die Familie Çelik von Nationalrat Mustafa Atici Unterstützung erhalten. Ob diese etwas nützt, weiss Asmen Çelik allerdings nicht: «Wir wissen nichts. Wir bekommen keine Informationen aus der Türkei».

Telebasel hat auch die türkische Botschaft in der Schweiz um eine Stellungnahme gebeten und hat keine Reaktion erhalten.

Der Familie gehe es schlecht, so Asmen Çelik: «Ich bin aber zuversichtlich, dass uns der Schweizer Staat hilft». Er und die ganze Familie versuchen von der Schweiz aus, alles Mögliche zu bewegen, um ihren Vater wieder in die Schweiz zu holen.

(Video: Youtube)

1 Kommentar

  1. Ich befürchte, dass man seine Reden gegen die Türkei wo er in der Schweiz durchgeführt hat, der Türkischen Behörden abgespielt hat. Leider kam es vermehrt zu Selbstmordattentate mit Zivilen unschuldigen Opfern von diesen Gruppen in der Türkei. Mag sein, dass man jetzt Verbindungen zu diesen Kräften in der Schweiz gefunden hat. Aber das er im Hochsicherheitstrakt ist, glaub ich jetzt weniger.Report

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