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Der Telebasel Talk vom 12. Dezember 2019
Basel

«Armut ist real, sie darf nicht verborgen bleiben»

Markus Christen weiss, was Armut bedeutet. Heute ist er Basels bekanntester «Surprise»-Stadtführer. Auf die Beine half ihm auch «Surprise»-Frau Sybille Roter.

«Surprise» – das ist jenes Strassenmagazin, das alle kennen. Von Armut betroffene Menschen verkaufen es auf den Plätzen dieser Stadt. Sie, die uns zurufen «Surprise, Surprise», geben dem gesichtslosen Gespenst Armut ein Antlitz.

Seit 2013 führt das Magazin auch «Soziale Stadtrundgänge» durch (Bern und Zürich folgten erst 2018, resp. 2014). Auf diesen Rundgängen werden nicht das Münster und das Käppelijoch gezeigt, sondern Notschlafstellen, die Gassenküche, Räume für Obdachlose. Die Bezugsorte von Menschen mit wenig Geld – oder gar keinem.

Langzeit-Stellenloser und Sozialhilfe-Bezüger

Dazu gehört Markus Christen (Biographie ganz unten). Er ist Basels bekanntester «Surprise»-Stadtführer, einer, «der die Menschen wirklich erreichen kann». So formulierte es Sybille Roter in der «Bz Basel», in einem berührenden Porträt über Markus Christen.

Sybille Roter ist Angebotsverantwortliche für die soziale Stadtrundgänge und den Vertrieb bei «Surprise». Sie half Markus Christen massgeblich, wieder auf die Beine zu kommen. Markus Christen kennt also das Leben als als Langzeit-Stellenloser und Sozialhilfe-Bezüger.

In einem von mehreren Interviews mit der Wochenzeitung «WoZ» sagte Markus Christen:

Wie sieht Armut in der Schweiz aus?
«Es sind mehr Leute betroffen, als man meint. Viele versuchen, ihre Situation zu verheimlichen. Das wollen wir auf den Stadtrundgängen durchbrechen. Armut ist real. Sie darf nicht im stillen Kämmerlein verborgen bleiben.»

Markus Christen und Sybille Roter sprechen ab 18:40 Uhr im Talk vom 12. Dezember 2019 darüber, was es bedeutet, von Armut betroffen zu sein.

Markus Christen weiss, was Armut bedeutet

«Markus Christen (geb. 1954) muss schon als Einjähriger in seiner ersten Adoptivfamilie ums Überleben kämpfen und landet im Waisenhaus. Er absolviert eine Schriftsetzer-Lehre, arbeitet während der Hochkonjunktur in einem grafischen Grossunternehmen und verliert seine Arbeit. Durch die rasanten technischen Veränderungen fallen ganze Branchen dem Stellenabbau zum Opfer: Er findet in seinem erlernten Beruf als Typograf keine Stelle mehr und wird Chauffeur.

Während einer Fahrt erleidet er in einem Tunnel einen Sekundenschlaf. Bei dem Unfall wird niemand verletzt, jedoch bedeutet dies das Ende seiner Tätigkeit und den Beginn seiner Karriere als Langzeit-Stellenloser und Sozialhilfe-Bezüger. Als freier Journalist schreibt er in seinem Blog gegen gesellschaftliche Vorurteile und für soziale Veränderungen an. Sein Motto: «Armut ist real» – sie ist neben den vielen Einschränkungen auch der Antrieb, kreativ zu werden und sich neu zu organisieren.» (Biographie von Markus Christen, Redaktion «Surprise»)

1 Kommentar

  1. Ja, leider: wenn man Ausbildungslehre (Vergolderin Gruppe A 3 jahre )von 1985 gibt heute nicht mehr, weil ich keine Gruppe B ( Zusatz Verzierungen & Restaurierung)habe, müsse ich nochmals 4 jahre Ausbildungslehre machen müsse .(Komplett). Weil durch lange Pause als Mutter, kann ich nicht wiedereinsteigen in meinen angestammten Beruf machen. Darum habe ich Hilfsjob als Reinigungsdienst und in der Wäscherei arbeiten müsse. Heute bin ich jetzt IV Rentnerin durch Krankheit. Ja kann ich verstehen, weil alles moderne Zeit durch Technologie.Report

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