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Basel

Zolli hält erstmals seit 30 Jahren wieder Keas

Drei Keas und zwei junge Strahlenschildkrötchen: Die Neuzugänge im Zolli erfreuen die Besucher.

Nach 30 Jahren Pause beginnt der Zoo Basel wieder mit der Haltung der besonders verspielten Keas. Drei der intelligenten Vögel kamen am Mittwoch, 4. Dezember 2019, im Zoo Basel an. Die beiden Männchen aus dem Zoo Bristol wurden 2018 geboren, die Kea-Dame, die aus dem Vogelpark Ambigua in Zeihen stammt, 2019. Auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) sind sie als «gefährdet» gelistet.

Alle drei waren anfangs noch etwas zurückhaltend. Das junge Weibchen machte den ersten Schritt und suchte Anschluss bei den beiden Männchen, die sich bereits kannten.

Typischer Schrei «keeaah» gab ihnen den Namen

Unterkommen werden die Tiere in der ehemaligen Eulenburg, die extra zu diesem Zweck renoviert und umgestaltet wurde. Dabei wurde berücksichtigt, dass die kälteliebenden «Bergpapageien», wie sie auch genannt werden, zwar voll flugfähig sind, sich aber grösstenteils auf dem Boden fortbewegen.

Keas sind sehr intelligent und neugierig. Beim Suchen nach Futter benutzen sie Werkzeuge wie Äste oder Drähte, die sie zurechtbiegen. Gegenüber Menschen sind Keas sehr zutraulich. In ihrer Heimat Neuseeland nähern sie sich Wanderern und Bergsteigern bis auf wenige Meter, was in Touristengebieten unangenehm werden kann. Zelte, Gummidichtungen, Scheibenwischer geparkter Autos und Mülleimer sind nicht vor ihrem geschickten Schnabel sicher. Bekannt ist der Kea auch für seinen Ruf, der ihm auch seinen Namen gab. Es ist ein kreischendes «keeaah».

(Video: Youtube/Zoo Basel)

Papagei im Schnee

Keas sind in Neuseeland endemisch, das heisst, sie kommen nur dort vor. Sie leben in den Südalpen der Westküste vorwiegend in einer Höhe von 500 bis 2500 Metern. In dieser eher kargen, alpinen Region müssen sie Wind, Kälte und Schnee aushalten.

Die Papageien leben in Gruppen von bis zu 40 Vögeln. Sie fressen Samen, Sprossen, Blätter und Beeren oder graben mit ihrem langen Schnabel nach Insekten und Pflanzenknollen. Auch kleine Säugetiere wie Mäuse und Kaninchen stehen auf dem Speiseplan. Bei Gelegenheit ernähren sich Keas von Aas verendeter Rehe, Gämsen oder auch Schafen.

Feind ist der Mensch

Keas werden auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN 2017 als gefährdet aufgeführt. Der Bestand wird auf 4000 Tiere geschätzt. Ihr grösster Feind ist der Mensch. Da man ihnen nachsagt, dass sie lebenden Schafen Wunden zufügen, die durch nachfolgende Infektionen tödlich enden können, werden sie von Farmern vergiftet oder abgeschossen, obwohl offiziell das Töten der Keas verboten ist.

Ein weiteres Problem stellen für die Vögel eingeschleppte Fressfeinde dar, wie zum Beispiel Hermeline und Hauskatzen, die es auf die Jungvögel aber auch die Eier abgesehen haben. In den Wintermonaten konkurrieren die Keas mit anderen eingeführten Arten wie Tahr, Rothirsch oder Gämse um die Nahrung.

Debüt für Strahlenschildkröten

Im Zoo Basel sind jetzt junge Strahlenschildkröten zu sehen. Bisher waren die Schildkrötchen – von denen die kleinere nur acht Zentimeter Durchmesser hat – hinter den Kulissen untergebracht.

Die beiden jungen Strahlenschildkröten sind am 4. Dezember 2016 und 6. Juni 2017 hinter den Kulissen geschlüpft. Nun sind sie für die nächsten Monate im Vivarium zu sehen. Die Eltern der Jungen stammen noch aus Madagaskar und sind im Schaubecken 57 untergebracht. Sie leben zum Teil schon seit Eröffnung des Vivariums 1972 dort, mindestens aber seit 25 Jahren.

Beschlagnahmte Strahlenschildkröten

Die Jungtiere leben im Terrarium Nummer 49. Im gleichen Terrarium leben fünf halbwüchsige Strahlenschildkröten, die in Madagaskar geschlüpft sind. Sie wurden wie viele Hunderttausende andere Strahlenschildkröten aus dem Land geschmuggelt, um in Ostasien auf Lebensmittelmärkten verkauft zu werden.

Diese Tiere hatten aber Glück, denn sie wurden in Hong Kong beschlagnahmt und mit über hundert anderen Strahlenschildkröten verschiedenen europäischen Zoos in Obhut gegeben. Die fünf beschlagnahmten Tiere leben seit 2014 im Zoo Basel und wuchsen hinter den Kulissen heran.

(Video: Youtube/Zoo Basel)

Schutz wird zum Verhängnis

Schildkröten sind eine der ältesten noch lebenden Tiergruppen. Die ersten fossilen echten Schildkröten existierten vor etwa 200 Millionen Jahren. Heute sind rund 270 Arten bekannt. Ihr Schicksal ist jedoch ungewiss. Die meisten Schildkrötenarten sind heute von der Ausrottung bedroht. Hauptgrund ist in den meisten Fällen die Zerstörung der Lebensräume.

Der Strahlenschildkröte aus Madagaskar ist tragischerweise ihr bester Schutz zum Verhängnis geworden. Wegen ihres schwarzen Rückenpanzers mit der individuellen und für jedes Schild einzigartigen gelben Strahlenzeichnung ist sie ein beliebtes Heimtier. Ausserdem macht sie ihre Grösse von etwa 40 Zentimetern bei einem Gewicht von 15 Kilogramm attraktiv für den Lebensmittelhandel.

Bedroht durch illegalen Handel

Heute schätzt man, dass pro Jahr bis zu 241’000 Tiere abgesammelt werden – so wie auch die im Zoo Basel gezeigten fünf halbwüchsigen Tiere. Schwer bewaffnete Wilderer transportieren sie in Lastwagen ab und schmuggeln sie per Flugzeug bis nach Ostasien. Zuvor werden sie oft monatelang ohne Nahrung und Wasser in Lagern gehalten. In Madagaskar entdeckte man in den letzten Jahren mehrere Häuser, in deren Räumen bis zu 12’000 Tiere lebend gebunkert wurden. Diese Tiere mussten notfallmässig medizinisch versorgt und in gute Haltungen gebracht werden.

Die geretteten Schildkröten sollen irgendwann wieder in geschützten Gebieten angesiedelt werden. Das Problem ist, dass solche Gebiete erst ausgewiesen werden müssen, und es muss auch sichergestellt sein, dass die Tiere keine Krankheitserreger mit ins Freiland nehmen. Seit 2008 steht die Strahlenschildkröte auf der Roten Liste als von der Ausrottung bedroht. Man schätzt, dass der Bestand in etwa 45 Jahren erloschen sein wird.

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