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Der Telebasel News Beitrag vom 9. Dezember 2019.

Schweiz

Änderung des Geschlechts soll einfacher werden

Der Bundesrat hat den Entwurf eines neuen Zivilgesetzbuch-Artikels verabschiedet. Dadurch sollen Transmenschen ihr Geschlecht amtlich einfacher ändern können.

Durch die Verabschiedung eines neuen Artikels im Zivilgesetzbuch sollen Transmenschen oder einer Variante der Geschlechtsentwicklung künftig in einem einfacheren Verfahren ihren amtlichen Geschlechtseintrag ändern können.

Laut Transgender Network Switzerland (TGNS) würde sich dabei die Rechtslage für Trans- und Inter-Kinder verschlechtern. «Heute können minderjährige, urteilsfähige Personen, welche selber verstehen, was der amtliche Geschlechtseintrag bedeutet und für die es wichtig ist, diesen zu ändern, ein Gesuch beim Gericht stellen», so Alecs Recher vom TGNS zu Telebasel. Dafür brauchte es bisher keine Unterschrift der Eltern.

Hat eine minderjährige, urteilsfähige Person nun zukünftig das Pech, dass ihre Eltern zerstritten sind und deshalb ein Elternteil die Zustimmung verweigert, so müsste sie in Zukunft dagegen vor Gericht gehen. Oder ihre ganze Kindheit und Jugend, bis sie volljährig ist, mit einem Jungennamen und dem Eintrag «männlich» in allen Dokumenten leben.

Gesetzlich geregeltes Verwaltungsverfahren

Zukünftig sollen der Geschlechtseintrag und der Name in einem gesetzlich geregelten und kostengünstigen Verwaltungsverfahren geändert werden können. Dabei sollen keine Drittpersonen einbezogen werden und keine medizinischen Nachweise über die Geschlechtsidentität verlangt werden dürfen.

Die teils lange dauernden und teuren Gerichtsverfahren wären somit abgelöst. Diesen Schritt würde Recher zwar begrüssen, aber: «Es gibt einen grossen Schritt, der noch fehlt und das ist die Anerkennung, dass es auch noch Menschen gibt, welche sich nicht ausschliesslich als Mann oder als Frau identifizieren. Wir sprechen hier von non-binären Menschen. Hier soll es weiterhin keine rechtliche Anerkennung geben, dass diese Menschen überhaupt existieren.»

Alecs Recher im Interview mit Telebasel:

(Video: Telebasel)

Kein drittes Geschlecht

Die binäre Geschlechterordnung (männlich/weiblich) wollte der Bundesrat nicht in Frage stellen. Ex-GB-Grossrätin Nora Bertschi freut sich zwar über die Entscheidung des Bundesrats, diese geht ihr aber noch nicht weit genug. «Ich bedauere, dass der Bundesrat bei der binären Geschlechtseinteilung geblieben ist und die Schaffung eines dritten Geschlechts nicht näher geprüft hat.»

Bertschi hat sich bereits vor zwei Jahren im Telebasel-Talk für eine Anlaufstelle ausgesprochen, an die sich betroffene oder involvierte Personen wenden können.

Der Telebasel Talk vom 12. September 2017 mit Nora Bertschi:

(Video: Telebasel)

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