Gino Caviezel ist wie schon in Sölden bester Schweizer. (Bild: Keystone)
International

Gino Caviezel fährt auf Platz neun

Gino Caviezel wird beim Riesenslalom in Beaver Creek Neunter, Justin Murisier belegt den zehnten Rang. Tommy Ford holt sich einen sensationellen Sieg.

Gino Caviezel, der schon vor sechs Wochen beim Prolog in Sölden als bester Schweizer Neunter war, verpasste die Egalisierung seines Bestergebnisses in Weltcup-Riesenslaloms erneut um einen Rang. Eine noch bessere Klassierung vergab der Bündner mit nicht ganz gelungenen Fahrten im unteren Streckenteil. «Da verlor ich in beiden Läufen sehr viel Zeit, da fand ich den Rhythmus nicht wie gewünscht.»

Uneingeschränkte Freude herrschte dagegen bei Justin Murisier. Der Walliser fand sich in seinem erst zweiten Weltcup-Rennen nach seinem Kreuzbandriss und der entsprechend langen Zwangspause bereits wieder im erweiterten Kreis der Besten wieder. «Dieser zehnte Rang ist für mich wie ein Podestplatz. Das tut richtig gut, nach all dem, was ich in der Vergangenheit habe durchmachen müssen.»

Sinnbild Meillard

Nicht wie gewünscht lief es erneut Loïc Meillard. Der Romand musste sich mit Rang 16 bescheiden und ist damit so etwas wie das Sinnbild des Teams, das als Ganzes den eigenen hohen Erwartungen wie zuvor in Sölden nicht gerecht geworden ist. Die Equipe verfügt bekanntermassen über mehr Potenzial; auch das Klassement des zweiten Weltcup-Riesenslaloms des Winters gibt die wahre Stärke der Truppe von Trainer Helmut Krug nicht wieder. Wer in der Startliste mit zwei Fahrern in der Gruppe der besten sieben und mit vier weiteren in den ersten zwanzig vertreten ist, kann und darf mit dem Erreichten selbstredend nicht zufrieden sein.

Zur getrübten Bilanz trug das Scheitern von Marco Odermatt bei. Der Nidwaldner schied im ersten Lauf aus. Dass für ihn vor dem Wegrutschen auf dem Innenski die zweitbesten Zwischenzeiten gestoppt wurden, war für Odermatt kein Trost. «Wieder so ein blöder Fehler wie schon in Sölden», ärgerte er sich. «Ich habe mich nie am Limit gefühlt und bin locker gefahren.» Beim Prolog auf dem Rettenbach-Gletscher war er als Drittplatzierter nach dem ersten Durchgang durch den Patzer auf Platz 13 zurückgefallen.

Acht Zehntel Vorsprung

In Sölden hatte Tommy Ford seinen ersten Podestplatz als Vierter um lediglich sieben Hundertstel verpasst. Nun, vor eigenem Publikum, holte er zum ganz grossen Schlag aus. Er tat dies auf beeindruckende Art. Die Basis zum Überraschungsoup hatte sich der Spätzünder aus dem Staat Oregon mit Bestzeit im ersten Lauf geschaffen – und im Finale legte er noch einen drauf.

Trotz bereits stark gezeichneter Piste und der ungewohnten Situation als Letztstartender zeigte er keinerlei Anzeichen von Schwäche und fuhr völlig entfesselt seinem Premierensieg entgegen, dem ersten eines Amerikaners in einem Weltcup-Riesenslalom seit dem Erfolg von Ted Ligety vor gut vier Jahren in Sölden. In der Endabrechnung hatte Ford den zweitplatzierten Weltmeister Henrik Kristoffersen um acht Zehntel distanziert. Dessen drittplatzierter norwegischer Teamkollege Leif Kristian Nestvold-Haugen lag schon 1,23 Sekunden zurück.

Comeback nach Verletzung

Ford hatte früh auf sein Talent aufmerksam gemacht. Vor zehn Jahren gewann er an den Junioren-Weltmeisterschaften im Slalom die Silbermedaille. Seinen Ruf, dereinst auch bei den «Grossen» eine tragende Rolle spielen zu können, vermochte er aber nie zu bestätigen. Das lag unter anderem auch an einem Unfall vor knapp sieben Jahren beim freien Skifahren in La Clusaz in Frankreich, bei dem er sich einen Oberschenkelbruch zuzog.

Die schwere Verletzung bedeutete nicht nur das vorzeitige Ende jener Saison. Ford verpasste auch den folgenden Winter und damit nach der Weltmeisterschaft in Schladming auch die Olympischen Spiele in Sotschi. Danach tat er sich schwer, die Verletzung mental zu verarbeiten. Die Blockade löste sich erst im Verlauf des vorletzten Winters. Frei von Gedanken an mögliche weitere Stürze oder Verletzungen schaffte er die ersten Platzierungen unter den ersten zehn.

Was er damals selber nicht wusste: Es waren die ersten Schritte auf dem Weg ganz nach oben. Am Sonntag ist er dort zum ersten Mal angekommen.

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