Bereits 2016 kam es beim Gedenktag an einen von der Polizei erschossenen Jugendlichen zu Unruhen. (Bild: Keystone)

International

Gedenkmarsch in Athen eskaliert

Ein Gedenkmarsch für einen durch eine Polizeikugel getöteten Jugendlichen ist in Athen eskaliert. Demonstranten und Polizisten stiessen zusammen.

Rund 4500 überwiegend junge Demonstranten zogen am Freitag durch die griechische Hauptstadt. Anschliessend kam es im Stadtteil Exarchia, in dem der Jugendliche am 6. Dezember 2008 getötet worden war, zu Auseinandersetzungen, wie die griechische Polizei in der Nacht auf Samstag mitteilte.

Demonstranten warfen mit Steinen und Molotow-Cocktails nach den Sicherheitskräften, die daraufhin Tränengas einsetzen. Polizeiangaben zufolge wurde ein Polizist verletzt. 50 Menschen wurden vorübergehend festgenommen, zehn von ihnen in Gewahrsam genommen.

Gedenken an Knaben

Die Polizei hatte sich mit rund 3500 Einsatzkräften, mehreren Drohnen, einem Helikopter sowie einem Wasserwerfer auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet. Bereits am frühen Nachmittag waren rund tausend Studenten friedlich durch Athen gezogen. Sie folgten einem Banner mit der Aufschrift «Zerstört die Ketten der Unterdrückung mit dem Feuer der Revolte» und riefen «diese Tage gehören Alexis».

Auch in anderen griechischen Städten gab es Gedenkmärsche. In der zweitgrössten griechischen Stadt Thessaloniki gingen 2200 Menschen auf die Strasse. In Patras kam es bei einer Demonstration von rund 400 Menschen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Demonstranten warfen Molotow-Cocktails. Zwei Polizisten wurden verletzt, 19 Menschen festgenommen.

Immer wieder Gewalt

Der Tod des damals 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos bei einem Polizeieinsatz in Athen am 6. Dezember 2008 hatte eine Welle des Aufruhrs ausgelöst. In den Wochen nach dem Vorfall demonstrierten zehntausende Menschen gegen die Polizeigewalt, dabei kam es immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstössen.

Seither finden in Griechenland jährlich am 6. Dezember Gedenkmärsche für Grigoropoulos statt, an denen sich vor allem Schüler und Studenten beteiligen.

Der Polizist, der die tödlichen Schüsse damals abgefeuert hatte, wurde 2010 wegen vorsätzlicher Tötung zu lebenslanger Haft verurteilt, im Juli dieses Jahres jedoch aus der Haft entlassen. Der Oberste Gerichtshof legte gegen die vorzeitige Freilassung Berufung ein. Der Beamte hatte bei dem Einsatz im Dezember 2008 insgesamt drei Schüsse auf eine Gruppe Jugendliche abgegeben und dabei den 15-jährigen Grigoropoulos getötet.

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