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Der Telebasel News Beitrag vom 6. Dezember 2019.

Basel

«Komm, wir gehen Schwule schlagen»

Ein 23-jähriger Mann war im Juni 2015 mit dabei, als eine Gruppe junger Männer einen Homosexuellen verprügelte. Nun wurde er freigesprochen.

«Komm, wir gehen Schwule schlagen». Mit diesem Satz begann der Abend für eine Gruppe junger Männer am 28. Juni 2015. Mit dabei war ein bekannter Homophober. Gemeinsam fuhren sie im Tram zum Schützenmattpark. Auf dem Weg dorthin fiel eben dieser Satz, wie der heute Beschuldigte am Freitag vor Gericht erzählt hat. «Alle haben gelacht, niemand hat das ernst genommen», behauptet er. Er habe nicht gewusst, dass sein Kollege bereits im Vorfeld gezielt auf die Jagd nach Homosexuellen gegangen war, um diese zu verprügeln.

«Es sah aus, als sei ein Kampfhund auf einen Chihuahua los»

Die Gruppe war gezielt auf einen 55-jährigen Mann zugegangen, der im Park auf einer Bank sass, und begann ihn zu beschimpfen. Mit dabei war auch der heute Beschuldigte. Er sah auch, wie sein Kollege auf den Mann einschlug und eintrat, als dieser schon auf dem Boden lag. «Es sah aus, als sei ein Kampfhund auf einen Chihuahua los», gab einer aus der Gruppe zu Protokoll.

Das damals 50-jährige Opfer trug Verletzungen im Gesicht, am Kopf, Brustkorb, Rücken sowie an Armen und Beinen davon. Nach der Tat alarmierte der Mann die Polizei, die kurz danach die jungen Männer festnehmen konnte.

Drei Täter bestreiten ihre Schuld nicht

Der Schläger und zwei weitere anwesende Kollegen bestreiten ihre Schuld nicht. Sie wurden bereits schuldig gesprochen und akzeptierten das Urteil. Der 23-jährige Schweizer habe aber nur daneben gestanden und nichts getan. Er akzeptiert das Urteil zur Gehilfenschaft der einfachen Körperverletzung, Beschimpfung und versuchten Nötigung deshalb nicht und ging am Freitag vors Appellationsgericht. Viel mehr habe er versucht, die Situation zu deeskalieren: «Vielleicht hat er auch wegen mir aufgehört», meinte er vor Gericht.

Die heutigen Aussagen des 55-jährigen Opfers entlasten ebenfalls teilweise den 23-jährigen Mann. So erzählte der Geschlagene der Gerichtspräsidentin: «Er wollte seinen Kollegen zurückhalten und sagte, dass jetzt gut sei».

Beschuldigter wird freigesprochen

Dem Beschuldigten hätte klar sein müssen, dass es der Plan war, Homosexuelle zu verprügeln. Mit seiner Anwesenheit habe er die Gruppe gestärkt und das Verhalten gebilligt. Der Vorsatz sei da gewesen, argumentierte der Verteidiger des Opfers vor dem Appellationsgericht.

Selbst eingeschlagen hatte er zwar nicht, doch ob er sich mit seiner Anwesenheit schuldig machte und mit dem Vorsatz in den Park ging, Homosexuelle zu schlagen, darüber musste die Richterin am Freitag befinden.

«Was er genau wusste, wissen wir nicht. Wir wissen, dass er am Schluss mitbekommen hat, dass es einen Übergriff gab», erklärt die Gerichtspräsidentin Eva Christ. Zivilcourage wäre zwar angebracht gewesen, juristisch sei so etwas aber nicht als Gehilfenschaft erfassbar. Das Appellationsgericht gab dem 23-Jährigen darum Recht und sprach ihn frei.

 «Es ist fast unangenehm, Sie freizusprechen»

Bei der Urteilsverkündung merkte die Gerichtspräsidentin an, dass sein moralisches Verhalten falsch gewesen sei. «Es ist fast unangenehm, Sie freizusprechen», richtet sie ihre Worte an den Beschuldigten, doch: «Nur mitgegangen ist eben nicht auch mitgehangen». Unangenehm sei es ihr vor allem deswegen gewesen, weil es sich um solch eine widerwärtige Tat gehandelt habe und sie keinesfalls eine falsche Signalwirkung aussenden wolle: «Es ging heute überhaupt nicht darum, homophobe Angriffe zu verharmlosen, und das wollte ich aller Deutlichkeit klar machen».

Für den Kläger und seinen Anwalt ist dieses Urteil ein herber Rückschlag. «Das Appellationsgericht hätte heute die Chance gehabt, ein klares Zeichen gegen Gewalt und die Jagd auf Schwule zu setzen, und die Chance hat es heute nicht gepackt. Entsprechend enttäuscht ist mein Klient», äussert sich der Rechtsanwalt Dominic Nellen.

Er und sein Klient würden es sich überlegen, das Urteil bis vors Bundesgericht zu ziehen.

4 Kommentare

  1. Beim “Schwulenklopfen” geht es oft darum, stellvertretend den “Schwulen in sich selbst totzuschlagen”, darum auch gemeinschaftlich. Das “Phänomen” hat jedes Jahr “seine Saison”. Zudem beginnt die Verachtung des Weiblich-/Schwächlichen schon bei Angehörigen des eigenen Geschlechts.
    Aber das will auch keineR sehen.
    Die jungen Männer wissen meist gar nicht ob die Männer schwul sind, sie nehmen es einfach anhand des Ortes an. Es kann aber auch Familienväter und andere Heterosexuelle treffen. Wir hatten schon 1993 einen Höhepunkt davon und sind an die Presse gegangen.Report

  2. Bei solch einem Urteil kommt mir schlicht das Kotzen, sorry. Feiges Dreckspack, ihr nennt solche noch “Männer”. Als Vater hätte ich Euch zurechtgewiesen, schämt euch. Nennt solche Täter beim Namen. Ich hoffe die Arbeitgeber wissen Bescheid was für Typen sie beschäftigen. Dem Opfer wünsche ich das Beste, Kopf hoch !Report

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