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Der Telebasel News Beitrag vom 5. Dezember 2019.

Basel

Nietzsche-Symposium – Veranstalter macht Druck auf Telebasel

Skandal um Nietzsche-Symposium in Basel: Nun will der umstrittene Veranstalter Peter Buser, dass Telebasel das Podium für ihn überträgt.

«Ich glaube, dass Frauen (nicht die Frau an sich!) diesen Gehorsam zu ihrem Glück durchaus leben können.» Diese These eines Symposiums zu Friedrich Nietzsche in Basel sorgt für reichlich Aufregung.

Unter dem Titel «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne» findet am Samstag, 7. Dezember 2019, anlässlich des 175. Geburtstags des Philosophen ein prominent besetztes Symposium des Historischen Museums (HMB) in der alten Aula der Universität statt. Nach einem Bericht in der «bz Basel» gingen die Wogen schliesslich hoch.

Mäzen Peter Buser bedrängt Telebasel

Veranstalter des Nietzsche-Symposiums ist der umtriebige Geschäftsmann und Playboy Peter Buser. Auf seiner Website gibt sich der Solothurner als Lebemann, Börsenprofi und Philosoph.

Am selben Tag, an dem der Artikel in der «bz Basel» erschien, meldete sich Buser auch bei Telebasel. Er fragte, ob der TV-Sender die Veranstaltung filmen und daraus eine längere Sendung machen wolle. Doch die Absage seitens Telebasel wollte Peter Buser offenbar nicht akzeptieren. Die Folge waren mehrere wütende Telefonate und Mails.

«Es ist nun offenkundig, dass leider auch Sie nicht transparent sein wollen. Sie fürchten offensichtlich Reaktionen von Regierungsrätin Ackermann, die gegen das Symposium agiert», schreibt Peter Buser in einer Mail an Telebasel. In der gleichen Mail kündet Buser eine Strafklage wegen Rufschädigung gegen Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und eine Journalistin der «bz Basel» an.

Das Historische Museum mauert

Die Veranstaltung des Mäzens Peter Buser provozierte am Mittwoch auch eine scharfe Mitteilung der JUSO und der SP Frauen. Darin hiess es: «Eine frauenfeindliche Veranstaltung, die institutionell gefördert wird, hat im Kanton Basel-Stadt und auch sonst wo nichts verloren».

Mit der institutionellen Förderung ist gemeint, dass das Historische Museum Basel für die Veranstaltung auf ihrer Website und mit Flyern wirbt. Das kann kaum Zufall sein, denn Mäzen Peter Buser hat dem Museum seine Nietzsche-Ausstellung mit 400’000 Franken finanziert.

Und dafür macht das Museum nun Werbung für eine potentiell frauenfeindliche Veranstaltung? Diese Frage von Telebasel beantwortet der Sprecher des Historischen Museums nicht.

Stattdessen verweist er an den Veranstalter und schreibt: «Die Ausstellung ‹Übermensch – Friedrich Nietzsche und die Folgen› ist von Herrn Dr. Peter Buser finanziert. Das HMB war inhaltlich und gestalterisch völlig unabhängig und konnte dadurch eine erfolgreiche Ausstellung mit Begleitpublikation realisieren».

Auf die Frage, ob Peter Buser für die Aula für das Nietzsche-Symposium eine übliche Miete bezahlt hat, gibt es ebenfalls keine Antwort: «Über vertragliche Details geben wir keine Auskunft».

Regierungspräsidentin kann sich für Symposium «nicht erwärmen»

Auch beim Präsidialdepartement, dem die staatlichen Museen unterstehen, ist nicht viel an Antworten zu bekommen. Elisabeth Ackermann weilt gemäss der PD-Sprecherin bis nächste Woche im Ausland.

Sie lässt aber durch ihre Sprecherin ausrichten: «Die Veranstaltung mit dem Namen ‹Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne› ist aus Sicht von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann weder zeitgemäss noch kann sich die Regierungspräsidentin dafür erwärmen».

Ausserdem sei das Präsidialdepartement in keiner Weise zuständig für die Veranstaltung oder den Deal zwischen dem HMB und Mäzen Buser: «Das Museumsgesetz schreibt vor, dass die Museen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften inhaltlich und finanziell selbständig sind, das umfasst insbesondere auch die Drittmittelakquise, die vollumfänglich in der Verantwortung der Direktion liegt».

Also in der Verantwortung von Museumsdirektor Marc Fehlmann. Dieser war für Telebasel nicht zu erreichen – er ist derzeit krankgeschrieben.

Gast-Referenten wussten nichts von Skandal

Neben Peter Buser werden zehn weitere Personen am Symposium teilnehmen. Diese haben von dem ganzen Skandal nichts mitbekommen. Stören tut Sie das aber nicht. «Von den roten Köpfen wusste ich nichts, habe aber gerade nachgelesen. Zu Ihrer Frage: Ja, ich werde teilnehmen, denn ein antifeministisches Symposium ist ja absolut nicht zu erwarten bei der Besetzung», sagte beispielsweise Philosophin und Autorin Svenja Flaßpöhler.

Neben ihr wird auch Philosoph Volker Gerhardt an der Veranstaltung teilnehmen. Er ist überzeugt davon, dass Nietzsche begeistert gewesen wäre, dass man sich 119 Jahr nach seinem Tod immer noch so sehr über ihn debattiert. «Ich komme gern nach Basel und begrüße die Gelegenheit, an einer Diskussion teilnehmen zu können, in der man, so hoffe ich, klarstellen kann, dass (und warum) man einen Denker beachtlich finden kann, obgleich man weit davon entfernt ist, ihm  alles widerspruchslos abzunehmen.»

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