Rund 750 Teilnehmende zählte die Klimademonstration am Freitagnachmittag in Basel. (Bild: Keystone)
International

Weltweite Klimastreiks am Black Friday

Wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Madrid sind rund um den Globus hunderttausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Strasse gegangen.
#BlockFriday: Demonstranten blockieren Amazon-Lager in Frankreich

In mehreren französischen Städten haben Aktivisten im Rahmen der weltweiten Klima-Proteste vor Verteilerzentren des US-Konzerns Amazon demonstriert. Die Demonstranten wollten damit nach eigenen Angaben am Freitag gegen übermässigen Konsum an Tagen wie dem Angebots-Tag Black Friday demonstrieren.

Der Online-Handelriese habe die Treibhausgasemissionen eines ganzen Staates, schrieb der französische Ableger der Umweltorganisation Greenpeace auf Twitter, wo der Protest unter dem Hashtag #BlockFriday begleitet wurde.

Amazon-Packstationen im Visier

Die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation Attac demonstrierte am Freitag vor dem Hauptsitz Amazons in Clichy, einem Vorort der Hauptstadt Paris. Auf einem Video, das Attac auf Twitter veröffentlichte, war zu sehen, wie Aktivisten versuchten, über einen Zaun auf das Firmengelände zu kommen. An der Blockade nahmen Attac zufolge mehr als 100 Menschen teil. Landesweit blockierten Demonstranten Amazon-Packstationen. Angaben zu landesweiten Teilnehmerzahlen, gab es zunächst nicht.

Auch in Lyon und Saint-Priest blockierten die Aktivisten zeitweise Lagereingänge. In Lyon wurde bis Freitagmittag die Amazon-Blockade durch rund 200 Aktivisten aufgelöst, wie die Bürgerorganisation «Lyon Climat» auf Twitter schrieb. In Grenoble und weiteren Städten gingen Hunderte Demonstranten auf die Strassen, wie der Nachrichtensender Franceinfo berichtete. In Rouen und Paris wurden Einkaufszentren blockiert.

Auch in anderen Ländern richteten sich die Klima-Demonstrationen gegen übermässigen Konsum. Vor der Weltklimakonferenz in Madrid gingen am Freitag erneut Abertausende Menschen in aller Welt für mehr Klimaschutz auf die Strasse.

Die-In in der Bahnhofstrasse

In der Zürcher Bahnhofstrasse machte eine Gruppe von jungen Klimaaktivisten am Abend mitten im Einkaufsrummel mit einer Aktion auf den Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und Klimakrise aufmerksam. Beim sogenannten Die-In legten sie sich plötzlich zu Boden und versperrten für einige Minuten den Eingang eines Warenhaus. Danach zogen sie friedlich, aber lautstark weiter.

(Video: sda/keystone)
«Untätigkeit aller Regierungen der Welt»

In Deutschland beteiligten sich laut der Schülerbewegung Fridays for Future 630’000 Menschen. In mehreren Städten protestierten Klimaaktivisten am sogenannten «Black Friday» auch gegen übertriebenen Konsum zu Lasten der Umwelt.

Zur grössten Einzeldemonstration in Deutschland kamen demnach in Berlin rund 60’000 Teilnehmer zusammen, die Polizei sprach von mehreren zehntausend Demonstranten. In Hamburg waren es laut Fridays for Future etwa 55’000, in München protestierten 33’000.

In verschiedenen Städten Italiens schlossen sich den Veranstaltern zufolge insgesamt rund 300’000 Menschen den weltweiten Klimaprotesten an. In Rom seien etwa 30’000 Demonstranten auf die Strasse gegangen, rund 25’000 in Mailand, jeweils etwa 10000 in Neapel und Turin, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Freitag unter Berufung auf die Veranstalter.

Schnäppchentag angeprangert

In einer Mitteilung prangerten die Veranstalter den Schnäppchentag Black Friday an. «Grosse Marken bieten Rabatte auf Konsumgüter an, um uns zu ermutigen, Dinge zu kaufen, die wir normalerweise nicht kaufen würden», hiess es darin. Man müsse dieses untragbare Modell ändern. Vor der Uno-Klimakonferenz, die vom 2. bis 13. Dezember in Madrid stattfinden soll, verurteilten die Aktivisten auch die «Untätigkeit aller Regierungen der Welt».

«Ihr verbrennt unsere Zukunft»

In der australischen Millionenmetropole Sydney, die wegen der nahegelegenen Waldbrände erneut unter einer dichten Rauchwolke hing, versammelten sich hunderte Schüler und Aktivisten vor der Parteizentrale der Regierungspartei. Die Demonstranten machten den Klimawandel für die schlimmen Waldbrände verantwortlich, die seit Wochen im Südosten Australiens wüten. «Ihr verbrennt unsere Zukunft», stand auf einem Plakat.

Auch in Asien und der Pazifikregion folgten Demonstranten dem Protestaufruf der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. In Japans Hauptstadt Tokio zogen hunderte Demonstranten durch den betriebsamen Stadtteil Shinjuku. In der von Smog geplagten indischen Hauptstadt Neu-Delhi marschierten dutzende Schüler und Studenten vor das Umweltministerium.

Mehr Anstrenungen gefordert

Auch in Warschau, Budapest, Athen und Kopenhagen forderten insbesondere junge Menschen verstärkte Anstrengungen zum Klimaschutz. In Frankreich richteten sich mehrere Proteste auch gegen übertriebenen Konsum – der Klimastreik fiel auf den «Black Friday», an dem Handelskonzerne mit Rabatten locken und durch den Paketversand zusätzliche Abgase erzeugt werden.

In Spaniens Hauptstadt Madrid enthüllte die Umweltschutzorganisation Greenpeace ein Plakat, auf dem Konsumrausch mit der Klimakrise gleichgesetzt wurde.

Eine Umfrage im Auftrag des EU-Parlaments ergab, dass aus Sicht der Bürger der Kampf gegen den Klimawandel für die Abgeordneten die höchste Priorität haben sollte. In elf Mitgliedstaaten wurde das Thema am häufigsten genannt. EU-weit forderten demnach 32 Prozent der Befragten, den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda zu setzen.

«Kaufen nur, weil es billiger ist, nicht weil wir es wirklich brauchen»

Rund 20 Klimaaktivisten marschierten durch die Bieler Einkaufsstrasse. Mit Flyern, Plakaten und über den Kopf gestülpten Einkaufstaschen versuchten sie am heutigen Black Friday die Passanten auf den überflüssigen Konsum auf Kosten der Umwelt aufmerksam zu machen.

«Es geht um eine Sensibilisierung der Bevölkerung», sagt Klimaaktivistin Nina Schlup am Rande der Demonstration. Sie kritisiert, dass viele Dinge nur gekauft würden, weil sie billiger sind, und nicht, weil man sie wirklich braucht.

(Video: sda/keystone)
«Topless» in der Romandie

Die grösste Demonstration fand in Zürich statt, aber auch in Basel, Bern und Lausanne gingen Hunderte auf die Strasse zum «Green Friday statt Black Friday».

«Ufe mit de Klimaziel, abe mit em CO2» war das Motto in Zürich, wo der Umzug mit mehreren tausend Teilnehmenden quer durch die Innenstadt führte, vorbei am Paradeplatz und an zahllosen «Black Friday»-Schnäppchen-Angeboten. Im Gegensatz zu früheren Demonstrationen – bei schönem Wetter – waren es an diesem nassen Freitag deutlich weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die für den Klimaschutz auf die Strasse gingen.

In Bern nahmen mehrere hundert zumeist Jugendliche am Mittag auf dem Helvetiaplatz an einer Klimakundgebung teil. Sie protestierten für griffige Klimamassnahmen und riefen zu mehr Konsumverzicht auf. Erfreut quittierten sie, dass das EU-Parlament am Donnerstag den Klimanotstand für Europa ausgerufen hatte. Mit einem solchen symbolischen Akt müsse auch die Schweiz Druck auf die Gesetzgebung machen, forderten sie.

Viele Demonstranten in Bern schminkten sich mit grüner Farbe und trugen grüne Kleider. (Video: sda)

Auch in der Romandie fanden verschiedene Kundgebungen und Aktionen von Klimaaktivistinnen und -aktivisten statt. Auch sie münzten den Klimastreik um in Proteste gegen den «Black Friday». Diese seit 2014 von den USA in die Schweiz importierte Tradition des grossen Ausverkaufs bedeute ein ökologisches und soziales Desaster, schrieben etwa die Linksaussenparteien «Ensemble à gauche» und «Solidarités» in der Waadt, welche die Aktionen unterstützten.

Die Bewegung der Klimastreikenden und des Frauenstreiks organisierten in Lausanne unter anderem ein «wachstumskritisches Festival» auf der Place Chauderon mit der Überschrift «Black Free Day». Am Nachmittag protestierten in der Altstadt bei den Schaufenstern von Warenhäusern mehrere Frauen mit quer über den nackten Bauch gemalten Aufschriften «topless» gegen den Konsumzwang.

In Genf wollten sich Aktivisten ab 19.00 Uhr zu einer Kundgebung beim Jardin Anglais versammeln. In Pruntrut im Jura organisierten Klimaaktivisten vor einem Warenhaus eine «gratiferia», in Anlehnung an eine spanische Wortschöpfung mit der ungefähren Bedeutung Gratisjahrmarkt . «Gratiferias» wurden auch im Kanton Neuenburg organisiert, etwa in La Chaux-de-Fonds.

In Freiburg trafen sich Aktivistinnen und Aktivisten am Nachmittag mitten in der fussgängerfreien Einkaufsstrasse, der Rue de Romont, die in ihren Augen symbolisch dafür steht, Konsumentinnen und Konsumenten an diesem Black Friday zum Einkaufen zu verleiten.

Im Wallis fanden ebenfalls Aktionen statt. Das Walliser Frauenstreikkollektiv etwa warf in den sozialen Medien die Frage auf: «Verrückte Preise und Abschläge, aber ist das wirklich der Fall respektive zu welchem ökologischen und sozialen Preis?»

Klimastreik in Portugal: «Geben nicht auf, bis wir gewonnen haben»

Am internationalen Klimastreik sind am Freitag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon sind Tausende zumeist junge Aktivisten auf die Strasse gegangen, um für mehr Klima- und Umweltschutz zu protestieren.

Bei ihrem Marsch zum Gebäude des Nationalparlaments trugen sie Schilder mit Aufschriften wie «Es gibt keinen Plan(eten) B», skandierten Slogans, sangen Lieder und schlugen auf Trommeln. Eine Schätzung der Teilnehmerzahl seitens der Polizei gab es zunächst nicht.

Warten auf Greta

«Wir werden nicht aufgeben bis wir gewonnen haben», sagte eine der Anführerin der Klimastreik-Bewegung in Portugal, die 17-jährige Alice Gato, der Zeitung «Diario de Noticias». Klima-Demonstrationen der Jugendbewegung Fridays for Future sollte es in Portugal am Freitag vor allem gab es in sieben weiteren Städten: In Porto, Coimbra, Faro, Penafiel, Évora, Santa Maria auf den Azoren sowie Caldas da Rainha.

Die Anhänger von Fridays for Future in Portugal warten unterdessen gespannt auf Klimaaktivistin Greta Thunberg. Die junge Schwedin ist seit über zwei Wochen auf dem Atlantik mit einem Boot Richtung Lissabon unterwegs.

Auf ihrem Weg zur Weltklimakonferenz in Madrid will Thunberg in Portugal einen Zwischenaufenthalt einlegen. Sie wurde von Abgeordneten des Parlaments in die «Assembleia da República» eingeladen. Auf Twitter teilte die 16-Jährige mit, sie hoffe, irgendwann Anfang Dezember in Lissabon anzukommen.

«Green Friday statt Black Friday»

Die zumeist jungen Demonstranten zogen friedlich und laute Parolen skandierend durch die Einkaufsstrassen der Innenstadt.

Die Klimastreik-Kundgebung stand, den Slogan des grossen Rabatt-Tages aufnehmend, unter dem Motto «Green Friday statt Black Friday». Auf mehreren mitgeführten Kartonschildern war entsprechend das Wortspiel «Black Friday – Black Future» zu lesen. Und die Menge skandierte wiederholt: «Konsum macht die Welt kaputt».

Dem Aufruf waren erneut vornehmlich Schülerinnen und Schüler gefolgt. Sie zogen nach einigen Auftaktreden auf dem Theaterplatz im Nieselregen durch die Vorzeige-Einkaufsstrasse Freie Strasse mit den vielen «Black Friday»-Rabatt-Schildern und den Marktplatz ins Kleinbasel bis zum Theodorskirchplatz. Dort endete die Kundgebung um ca. 15 Uhr.

«Mitlaufen» statt einkaufen

Wiederholt wurden die Passanten, viele von ihnen waren mit Einkaufstüten unterwegs, aufgerufen, «mitzulaufen» statt einzukaufen.

Zu Beginn der Kundgebung hatte ein Redner die rhetorische Frage gestellt, warum man noch weiter demonstriere, da das Parlament doch grüner geworden sei und die EU den Klimanotstand ausgerufen habe. Um dann gleich selber zu antworten, dass dies vorerst alles nur Papier sei.

Schülerinnen und Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz

Tausende Schüler sind am Freitag in Italien und Deutschland zu Klimastreiks zusammengekommen. In Rom versammelten sich 20’000 Schüler am Vormittag auf dem zentralen «Piazza del Popolo» und folgten damit einem Appell der Bewegung FridaysForFuture.

Dabei skandierten sie Sprüche wie «Wir haben nur einen Planeten» oder «Wir sind der Wandel». In rund 140 italienischen Städten waren die FridaysForFuture-Schülerdemos angekündigt, die der Initiative der Schwedin Greta Thunberg folgen: Von Bologna, Turin über Cagliari auf Sardinien bis nach Bari in Apulien. In Mailand riefen die Schüler: «Regierungen werdet aktiv, die Zeit läuft aus.»

Auch in Deutschland gingen die Jugendlichen in mehr als 500 Städten für mehr Klimaschutz auf die Strasse. In Berlin versammelten sich am Mittag Tausende Menschen zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Angemeldet waren laut Polizei 50’000 Teilnehmer. Rund zwei Dutzend Jugendliche sprangen aus Protest in der Nähe des Bundestages gar in die Spree – bei Temperaturen von fünf Grad.

Viele Demonstranten hatten Plakate dabei. «Ohne Bäume keine Träume», war darauf etwa zu lesen. Oder «Artensterben kann Spass verderben» sowie «Keine Kohle, kein Atom, sondern nur noch Ökostrom». Ein Schüler sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft.»

In der Hamburger Innenstadt startete zu einer symbolischen Uhrzeit – um fünf nach zwölf – eine grosse Klima-Demo, bei der die Veranstalter mit 30’000 Teilnehmern rechneten. «Jugend auf die Barrikaden, weil wir sonst keine Zukunft haben», rappte der Musiker Courtier dazu.

Auch in Nordrhein-Westfalen liefen die Demos am späten Vormittag an. Allein in Köln, wo zu einem Demo-Zug rund 20’000 Teilnehmer erwartet wurden, kamen bereits am Mittag mehrere Tausend Streikende zusammen. Dort wollten Kölsche Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen unterstützen.

Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich erste Hunderte überwiegend junge Leute. In Freiburg zogen da bereits rund 8500 Menschen durch die Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof in Stuttgart war in den Mittagsstunden eine zentrale Kundgebung geplant.

Greta Thunberg hatte im Sommer 2018 begonnen, vor dem Parlamentsgebäude in Stockholm für besseren Klimaschutz zu protestieren. Mit Reden bei internationalen politischen Konferenzen erlangte sie weltweite Bekanntheit. (SDA)

Auch Forscher in Arktis und Antarktis streiken für den Klimaschutz

Selbst in den abgeschiedenen Weltregionen der Arktis und Antarktis haben sich Forscher den internationalen Klimaprotesten angeschlossen.

Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff «Polarstern» als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler am Freitag für mehr Klimaschutz. Das zeigten Bilder, die eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, auf Twitter teilte.

«Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!», schrieb Bergmann dazu. Die Fotos zeigten, wie jeweils ein knappes Dutzend Wissenschaftler vor dem Schiff und der Station Schilder und Plakate hochhielten. Auf dem Plakat der Forscher vor der «Polarstern» stand: «Wir liefern die Fakten. Es ist Zeit zum Handeln!»

Die «Polarstern» treibt im Rahmen der «Mosaic»-Forschungsexpedition festgefroren an einer Eisscholle durch die Arktis. Auf dem Eis der Scholle haben die Wissenschaftler ein Forschungscamp errichtet, mit verschiedenen Messungen soll von dort aus das Klimasystem in der Zentralarktis erforscht werden. Ein Jahr lang soll das Schiff mit dem Meereis durch das Nordpolarmeer driften.

Vor der Weltklimakonferenz in Madrid wollten am Freitag erneut Tausende Menschen in aller Welt für mehr Klimaschutz auf die Strasse gehen. Auch in 15 Schweizer Städten waren Kundgebungen geplant. (SDA)

«Der Planet Erde schwitzt weiter»

«Der Planet Erde schwitzt weiter», heisst es von der US-Wetterbehörde NOAA. Viele beunruhigende Klimawandel-Trends halten an, das Jahr 2019 wird wohl zweitheissestes seit Beginn der Aufzeichnungen werden – und die Aussichten für 2020 sind noch schlechter.

Auf den globalen Karten, Statistiken und Grafiken der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) dominierte auch in diesem Jahr wieder die Farbe Rot: Heiss, heisser, rekordheiss. «Der Planet Erde schwitzt weiterhin in unerbittlicher Hitze», heisst es von der Behörde. Einzelne Monate 2019 waren heisser als je zuvor seit Beginn der NOAA-Aufzeichnungen 1880, insgesamt wird das Jahr wohl als zweitheissestes in diese Statistik eingehen, hinter 2016.

Von Januar bis Oktober lag die durchschnittliche Temperatur über den Land- und Ozeanflächen unseres Planeten nach NOAA-Angaben um 0,94 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts von 14,1 Grad Celsius. Am weltweiten Rekord-Jahr 2016 schrammte dieser Zeitraum von 2019 nur ganz knapp – mit 0,09 Grad Celsius – vorbei. Unter den zehn heissesten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen finden sich zudem 2015, 2017, 2018, 2014, 2010 und 2013.

Gemäss MeteoSchweiz hält das Jahr 2018 den Wärmerekord für die Schweiz – mit einer Abweichung von 1,5°C gegenüber dem Durchschnitt über die Normperiode 1981-2010. Seit 1864 ist es in der Schweiz um 2,1 wärmer geworden.

Auftakt zu neuen weltweiten Klimaprotesten in Australien

Zum Auftakt erneut weltweiter Klimastreiks sind am Freitag in Australien Tausende Schüler und Studenten auf die Strassen gegangen. Sie folgten dem Aufruf der Bewegung Fridays for Future, die bereits mehrere Massenproteste für einen besseren Klimaschutz organisiert hat.

Auf Plakaten und in Sprechchören forderten die Demonstranten in Sydney und anderen australischen Städten die Politik auf, mehr zur Bekämpfung der Erderwärmung zu unternehmen. Ihrer Regierung warfen sie Untätigkeit vor. Sie trage daher mit Schuld an den Buschbränden, die seit Wochen in Australien wüten.

Im Laufe des Tages sind in zahlreichen anderen Ländern ähnliche Massenproteste geplant, darunter auch in der Schweiz und in Deutschland. Am Montag beginnt in Madrid die alljährliche Uno-Klimakonferenz.

Weltweite Grossproteste geplant

Zum Auftakt erneuter weltweiter Klimastreiks demonstrierten am Freitag in Australien Tausende Schüler und Studenten. Sie folgten dem Aufruf der Bewegung Fridays for Future, die bereits mehrere Massenproteste für einen besseren Klimaschutz organisiert hat.

Nach den Grossprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September starten die Aktivisten die vierte Auflage ihres weltweit koordinierten Protests. International sind nach Angaben des Netzwerks über 2400 Städte in 157 Ländern dabei.

In Sydney und anderen australischen Städten forderten die Demonstranten die Politik auf, mehr zur Bekämpfung der Erderwärmung zu unternehmen. Ihrer Regierung warfen sie Untätigkeit vor. Sie trage daher mit Schuld an den Buschbränden, die seit Wochen in Australien wüten.

In der Schweiz hat die «Klimastreik»-Bewegung Veranstaltungen in zahlreichen Städten und Orten angemeldet. Sie fordert ihre Anhänger auf, an dem Ausverkaufs-Freitag nichts zu kaufen und statt dessen zu demonstrieren.

Der deutsche Ableger der Klimabewegung Fridays for Future kündigte vorab Demonstrationen in mehr als 500 Städten an. Allein in Berlin sollen 50 000 Menschen an einer Demonstration teilnehmen.

Für Deutschland fordert Fridays For Future unter anderem, unverzüglich alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu streichen sowie ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten. Zudem müsse Deutschland bis 2035 auf eine komplett erneuerbare Energieversorgung umschwenken. (SDA)

Kritik am deutschen Klimapaket

Das Thema Erderhitzung treibt derzeit auch die EU um. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat starke Anstrengungen gegen den Klimawandel versprochen. Und das EU-Parlament hatte am Donnerstag den «Klimanotstand» für Europa ausgerufen.

Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, als erster ganzer Kontinent überhaupt einen solchen Notstand zu erklären. Das soll nach Wunsch der Abgeordneten die Dringlichkeit des Themas zeigen – konkrete Folgen hat der Schritt aber vorerst nicht.

Fridays for Future reichte das nicht. «Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch «Es brennt!» schreit, statt zu löschen», schrieb die Gruppe auf dem deutschen Twitter-Account.

In Deutschland richtet sich ihre Kritik vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung. «Mit business as usual und viel Pillepalle sind diese Massnahmen nur eine weitere Folge in der Reihe des klimapolitischen Versagens der GroKo», erklärte das Netzwerk. (SDA)

Thunberg segelt über den Atlantik

Die Klimaproteste gehen auf einen Protest der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich viele Menschen in aller Welt im Kampf gegen die Klimakrise zum Vorbild genommen haben.

Thunberg selbst wird den Protesttag an einem ungewohnten Ort verbringen: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem grossen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar. Bis zum Donnerstag hatte sie etwas mehr als zwei Drittel der Strecke geschafft.

Thunberg warb am Donnerstag via Twitter für den Protesttag: «Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Strasse gegangen. Morgen machen wir das nochmal.» Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen. (SDA)

Erde hat sich bereits um 1 Grad aufgeheizt

Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen auf die Dringlichkeit eines entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das Uno-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten.

Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen.

Ein neuer Monitoringbericht der deutschen Regierung zeigte zudem, dass die Folgen der Erwärmung auch in Deutschland spürbarer werden und sich immer besser belegen lassen. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur dort von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. (SDA)

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