Der «Black Friday» hat seit 2015 Fuss gefasst in der Schweiz. (Keystone)

Schweiz

Twint stürzt wegen Black Friday ab

Der Shoppingtag Black Friday lockt zahlreiche Schnäppchenjäger an - und bringt dadurch Onlineplattformen bisweilen an ihre Grenzen.
Black Friday setzt sich in der Schweiz trotz Kritik vermehrt durch

Besonders Elektronikartikel wie Roboterstaubsauger oder Handys stehen am Black Friday jeweils hoch im Kurs. Die von der Nachrichtenagentur AWP angefragten Händler zeigen sich dabei zufrieden mit dem bisherigen Geschäftsgang. «Wir sind stärker in den diesjährigen Black Friday Sale gestartet als in den vom letzten Jahr», sagte ein Brack-Sprecher. Der Umsatz der Elektronikprodukte trage dabei den grössten Anteil bei.

Umsatzstärkster Tag

Die Nachfrage sei «enorm», heisst es bei der Coop-Tochter Microspot. Am Freitagmittag habe bereits der Tagesumsatz des Black Fridays 2018 erreicht werden können. Bei Schwester Interdiscount wurde der Umsatz im Vergleich zur gleichen Zeit im Vorjahr um über ein Viertel gesteigert, wie eine Sprecherin sagte. Ein Fazit könne aber erst am Ende des Black-Friday-Wochenendes gezogen werden.

Sowohl für Interdiscount, Microspot als auch für die Migros-Tochter Digitec-Galaxus ist Black Friday sogar der umsatzstärkste Tag des Jahres. An diesem werde ein Vielfaches des normalen Tagesumsatzes erzielt, sagte ein Digitec-Galaxus-Sprecher: «Wir sind sehr zufrieden.» So habe man rund 40 Prozent mehr Webseitenbesuche als am Black Friday 2018 verzeichnet.

Auch für den ebenfalls zur Migros gehörenden Elektronikhändler Melectronics ist der Tag «sehr gut» angelaufen. So habe man bereits um Mitternacht, als der Black Friday offiziell startete, hohe Klickzahlen verzeichnet. Am Morgen seien starke Frequenzen in den Filialen dazugekommen. «Es zeichnet sich ab, dass wir heuer über dem Vorjahr liegen werden.»

Mietwohnungen und Versicherungen

Die Discounter Aldi und Lidl mischen ebenfalls mit, beschränken sich aber auf einige Non-Food-Artikel, vor allem Technikgeräte und Haushaltsartikel. Bei Lidl gibt es etwa sechs spezielle Black-Friday-Angebote.

Auch wenn Elektronikartikel den Black Friday dominieren, ziehen die Aktionen bisweilen weite Kreise: Beim Versicherer Zurich gibts etwa die Autoversicherung zum halben Preis oder Helvetia bewirbt Mietwohnungen mit einem Black-Friday-Special in Form von drei Gratis-Monatsmieten. Und auch Medienabonnemente gibt es zu Black-Friday-Preisen zu haben.

Nach Schätzungen der Marktforscher vom GfK-Institut geben die Schweizer in den Tagen rund um Black Friday rund 310 Millionen Franken aus, Tendenz steigend. Im Jahr 2018 betrug der Umsatz allein am Freitag 120 Millionen Franken. Die Bedeutung des Black-Fridays spiegelt sich auch im Werbemarkt: Der Preis für Onlinewerbung auf Plattformen wie Google und Facebook stieg um 30 Prozent an, wie Jérôme Amoudruz, Gründer der Plattform Blackfriday.ch der AWP sagte.

Gegenbewegungen Green und Fair Friday

Daneben gibt es aber auch Händler, die sich bewusst gegen die aus den USA herübergeschwappten Black-Friday-Angeboten sperren, vor allem auch in der Romandie. So hat die Buchhandelskette Payot für diesen Tag aus Protest gegen den “Anreiz zum Überkonsum” einen «Fair Friday» ausgerufen. Dabei werden am 29. und 30. November die Beträge auf den Kassenzetteln nach oben aufgerundet und das so gesammelte Geld der Caritas gespendet.

Auch unter Klimaaktivisten formierte sich eine Gegenbewegung zum Blackfriday: Sie gingen am Freitag unter dem Motto «Green Friday statt Black Friday» auf die Strasse, um ein Zeichen gegen überflüssigen Konsum auf Kosten der Umwelt zu setzen.

Black Friday – seltener sei ein Name passender, schrieb auch das Hilfswerk «Brot für alle» in einer Mitteilung. Während die Händler ihren Umsatz steigerten und die Käuferinnen und Käufer von tollen Angeboten profitierten, gingen die Menschen am anderen Ende der globalen Lieferkette vergessen.

Besonders betroffen seien Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter sowie studentische «Praktikanten», die für solche «Peaks» des Konsums je nach Auftragslage kurzfristig eingestellt und wieder entlassen würden. Sie hätten weniger Rechte als einheimische Angestellte, und seien häufiger einsam und sozial isoliert.

Twint, Brack und Co. mit IT-Problemen

Als sich etwa der Trend der Rabatte zu Black Friday vor wenigen Jahren in der Schweiz zu etablieren begann, brachen die Internetseiten von grossen Händlern unter dem Ansturm zusammen. Inzwischen haben die meisten aber vorgesorgt.

Der Onlinehändler Digitec-Galaxus etwa hat viele Dienste auf die Cloud verschoben, wie ein Sprecher sagte. Zu Spitzenzeiten würden falls nötig auch gewisse Dienste zurückgefahren, wie zum Beispiel die Liveshopping-Anzeige im rechten Balken. Die Massnahmen zeigten denn auch Wirkung. «Unsere Shops sind bisher grösstenteils stabil geblieben.»

Twint und Apple mit Problemen

Einzig im Checkout hätten einige Kunden Probleme gehabt: Die Zahlungsoption Twint habe man zwischenzeitlich deaktivieren müssen. Twint gestand auf Twitter Probleme ein. Man sei sich des Problems bewusst und arbeite mit vollem Tempo an einer Lösung.

Auch der Apple Store bekundete am Freitag Mühe, so meldeten Nutzer, dass der Store nach Mitternacht eineinhalb Stunden lang nicht erreichbar war. Apple wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern.

Um Mitternacht startete der Black Friday offiziell. Offenbar gingen dann bereits viele Schnäppchenjäger auf die Pirsch. Das bekam auch Onlinehändler Brack zu spüren: Gerade um Mitternacht sei mit Wartezeiten beim Laden des Onlineshops zu rechnen gewesen. In die Knie zwangen die Anfragen die Brack-Server aber nicht. Dank technischen Vorkehrungen seien der Onlineshop und alle Schnittstellen durchgehend erreichbar gewesen.

Auch bei Interdiscount und Microspot liefen die IT-Systeme stabil und reibungslos, wie es auf Anfrage hiess. Beide haben ihren Onlineshop optimiert, um mit dem Anstrum zurechtzukommen.

Zusätzliche Aushilfen in Logistik

Neben der IT ist insbesondere auch die Logistik am Black Friday herausgefordert. Die Onlineshops griffen daher auf zusätzliche Aushilfen zurück. Brack stellte etwa zehn Leute temporär ein. Insgesamt arbeiteten 160 Personen entlang der Prozesse, die den Versand der Aktionsartikel regelten. Brack zählt insgesamt über 200 Angestellte in der Logistik.

Bei Digitec-Galaxus, wo normalerweise 430 Mitarbeiter in der Logistik arbeiten, waren am (heutigen Black) Friday 500 Personen im Einsatz. Digitec-Galaxus stellte für Black Friday, Cybermonday und das Weihnachtsgeschäft insgesamt rund 150 temporäre Mitarbeitende ein.

Auch Microspot und Interdiscount schufen zudem für Black Friday zusätzliche Lagerräume und planten mehr Transportfahrten ein.

Black Friday boomt in der Schweiz

Die Bezeichnung «Black Friday» rührt daher, dass Händler in den USA, die im bisherigen Verlauf des Jahres Verluste schrieben, erst am «schwarzen Dienstag» als Auftakt des Weihnachtsgeschäfts wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen schafften. Seither gilt der «Black Friday» als umsatzstärkster Tag des Jahres im Detailhandel.

Fuss gefasst in der Schweiz hat der «Black Friday» im Jahr 2014. Damals stieg beispielsweise der Warenhauskonzern Manor mit saftigen Rabatten in den Kampf um Kunden ein. Hinsichtlich Umsatz sei der «Black Friday» eine Erfolgsgeschichte für Manor: «Wir verzeichnen Jahr für Jahr einen starken Umsatzanstieg», sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Das Weihnachtsgeschäft bleibe aber weiterhin viel wichtiger.

Ausgaben von über 300 Millionen Franken

Auch 2019 erwarten Experten wieder, dass Kauflustige tiefer in die Taschen greifen als im Vorjahr. Eine GfK-Umfrage geht von rund 15 Prozent höheren Ausgaben in Höhe von 310 Millionen Franken aus.

Auch ein Grund für die diesjährig höher ausfallende Spendierfreude könnte das Datum sein. Immerhin kommt der «Black Friday» 2019 kurz nach dem Zahltag und gut drei Wochen vor Weihnachten zu liegen.

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