Einige der Kinder sollen zudem Medikamente bekommen haben, die für Kinder unter 12 Jahren nicht zugelassen sind. (Bild: Screenshot Youtube/Al Jazeera Balkans)

International

Psychisch erkrankte Heimkinder ans Bett gefesselt

In einem Heim für psychisch erkrankte Kinder wurden Patienten an Möbel und Heizungen gefesselt. Laut einer Politikerin habe die Regierung das vertuschen wollen.

In einem Kinderheim in Pazarić in der Nähe von Sarajevo wurden geistig behinderte Kinder und Jugendliche misshandelt. Foto- und Videobeweise zeugen von ungeheuerlichen Grausamkeiten: So wurden einige der 350 Heimbewohner an Möbel und Heizkörper gebunden. Bei manchen war die Fesselung gar so stark, dass sie sich kaum mehr bewegen konnten. Das berichtet unter anderem die Zeitung 20 Minuten.

Aufgedeckt hatte den Skandal am Mittwoch die Abgeordnete Sabina Ćudić. Bei einer daraufhin anberaumten Pressekonferenz sagte sie: «Diese Situation kann als moderne Sklaverei bezeichnet werden. Viele der Kinder haben gesundheitliche Probleme. Sie werden gefesselt, manche sogar 24 Stunden lang. Einige von ihnen bekommen sogar Medikamente verabreicht, die für Kinder unter 12 Jahren nicht zugelassen sind.»

Die einzige Betreuungsperson in der Nacht für Gruppen von gut 50 Kindern sei dermassen überfordert, dass viele Kinder bis zu 14 Stunden gefesselt in ihren Betten verbringen müssten.

«Regierung vertusche den Fall»

Die Erkenntnis über die katastrophalen Zustände in dem Heim kamen bereits im September durch Ćudić, die der Partei Nasa Stranka angehört, ans Licht. In der Folge kam es zu einem parlamentarischen Ausschuss, der jedoch keine Konsequenzen für das Heim hatte. Ćudić beschwerte sich daraufhin, dass «die Regierung der Föderation von Bosnien und Herzegowina den Fall vertuscht und die Mitglieder des Aufsichtsrates und der Verwaltung des Heimes schützt». Daher ging sie nun an die Öffentlichkeit.

Gegenüber «Al Jazeera» soll sich der Heimverwalter Redzep Salic verteidigt haben, er sei erst seit Mai im Amt und die Fotos würden aus der Zeit davor stammen. Zudem habe er das Geschehene im September selbst als «Verbrechen» angeprangert.

Protest in Sarajevo

Am Donnerstag protestierten mehrere hundert Menschen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gegen die Misshandlungen. Darunter auch einige Elternteile der geistig behinderten Heimkinder. Gegenüber dem Sender «N1» erklärten sie, dass die bosnischen Behörden auf ihre Reklamationen kein einziges Mal eingegangen seien.

Sabina Ćudić fordert ein neu zusammengestelltes Ärzteteam, das die Kinder jetzt untersucht. Desweiteren sollen Einrichtungen mit Minderjährigen zukünftig jederzeit  unangemeldet kontrolliert werden können.

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