Ein verantwortlicher Versuchsleiter, der am Zentrum für Lehre und Forschung der Universität Basel forscht, soll gegen das Tierschutzgesetz verstossen haben. (Symbolbild: aerztegegentierversuche.de)

Basel

Uni Basel: «Wir verurteilen die Verstösse aufs Schärfste»

Am Montag rekurrierte eine verurteilter Tierversuchsleiter gegen eine 5000 Franken Busse. Der Mann mietete für seine Forschung Einrichtungen der Uni Basel.

Ein Tierversuchsleiter und Kaderarzt (46) des Kantonsspitals Baselland wurde vom Basler Veterinäramt zu einer Busse von 5000 Franken verdonnert. Er soll klaffende Wunden von Versuchstieren nicht versorgt haben, verletzten Tieren nur ungenügende Mengen Schmerzmittel verabreicht und ihre Wundnähte nicht fristgerecht entfernt haben. Zudem habe er versäumt, wichtige Kontrollblätter zu führen.

Online-Petition gestartet

Weil der Mann die Busse nicht akzeptiert, wurde am Montag um 14:00 Uhr am Basler Strafgericht eine Verhandlung eröffnet.

Der bekannte Basler Tierschützer Oliver Bieli demonstrierte dagegen im Rahmen einer Kundgebung vor dem Basler Strafgericht. Gemeinsam mit 30 Aktivisten verlangte er zudem die sofortige Freistellung des Tierversuchsleiters an der Uni Basel. Dazu startete er auch eine Online-Petition, die bereits mehr als 800 Basler unterschrieben haben.

Tierschützer demonstrieren vor dem Gerichtsgebäude:

(Video: Telebasel)

Der Kaderarzt hatte sich laut der Basellandschaftlichen Zeitung bz für eine Studie in den sogenannten «Mice Facilities» der Universität Basel, den Tierversuchslabors, eingemietet. Zusammen mit seinem Angestellten, einem Biologen, betrieben sie Grundlagenforschung zur Entstehung von Krankheiten. Dabei wurden die Versuchsmäuse betäubt und ihnen ein kleines Loch in den Kopf gebohrt, in welches dann eine Probe injiziert wurde. Anschliessend wurden die Tiere ein Jahr lang beobachtet, um zu analysieren, wie sie sich entwickeln.

Die Versuche wurden von dem Biologen durchgeführt. Als Betriebs- und Versuchsleiter verantwortlich für das Forschungsprojekt war aber der Kaderarzt.

Angeklagter wehrt sich gegen Vorwurf der Tierquälerei

Wie die bz aus dem Gerichtsprozess berichtet, räume der 46-Jährige seine Versäumnisse ein und wolle daher auch transparent Auskunft geben. Jedoch sei ihm das Tierwohl sehr wohl wichtig: «Ich schaue auch, dass wir so wenige Mäuse für die Versuche brauchen, wie möglich.» So habe er für seine Studie vier Mal mehr Mäuse bewilligt bekommen.

Bei einer unangekündigten Kontrolle durch das Basler Veterinäramt wurde entdeckt, dass zwei Mäuse nicht vorschriftsgemäss behandelt worden sind. Bei einer hatte sich die Naht gelöst und eine rund acht Millimeter grosse Wunde klaffte an ihrem Kopf. Bei einer zweiten Maus wurden die Nähte dagegen nicht wie vorgeschrieben nach spätestens zehn Tagen entfernt.

Der Arzt sagte aus, er habe nicht gewusst, dass die Maus eine Naht verloren hat. «Als ich das mitbekommen habe, haben wir uns die Maus angeschaut und entschieden, dass wir den Verlauf beobachten, weil es der Maus sehr gut ging», wird er von der Zeitung zitiert. «Wenn ein Tierpfleger mir sagt, dem Tier geht es gut, dann ist das so okay für mich. Nochmals zu operieren, wäre für die Maus der grössere Eingriff gewesen.»

Gericht ruft weitere Zeugen auf und vertagt sich

Der Mitarbeiter vom Veterinäramt, der den Fall bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht hatte, ist davon überzeugt, dass es sich bei den Verstössen um Tierquälerei handelt. Zwar könne bei der Arbeit mit Tieren schon mal etwas schiefgehen, aber «wenn man eine Tierversuchsbewilligung hat und dabei die vorgesehene adäquate Schmerzbehandlung nicht macht, ist das eine Tierquälerei.»

Es seien gewisse Punkte nicht beachtet worden.

Uni-Basel soll Tierversuche einstellen

Tierschützer Bieli fordert desweiteren die Universität Basel auf, auf alle Tierversuche in ihren Laboren zu verzichten. «Es ist längst belegt, dass Forschung und Wissenschaft auf den Einsatz von Tierversuchen gänzlich verzichten können, da diese in höchstem Masse unethisch und ihre Ergebnisse in keinster Weise auf Menschen übertragbar sind», schreibt er in einer Medienmitteilung.

Laut dem Sprecher der Universität, Matthias Geering, würde die Universität nun besprechen, ob und welche Konsequenzen der Fall haben werde. «Wir verurteilen die Verstösse, die das Veterinäramt festgestellt hat, aufs Schärfste», sagte er der Zeitung.

Gericht vertagt sich

Die Verhandlung wurde zunächst vertagt, da die Verteidigung vorgeschlug, einen weiteren Zeugen – den Biologen und Mitarbeiter des Kaderarztes – einzuberufen. Die Einzelrichterin gab dem statt. Wann die Verhandlung weitergehen wird, ist noch nicht bekannt.

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