Mona Vetsch begleitete in ihrer Sendung «Mona Mittendrin» die Basler Berufsfeuerwehr. Eine Reanimationszene sorgt für Diskussionen. (Foto: SRF)

Basel

Darf man einen sterbenden Menschen filmen?

Eine SRF-Dokumentation zeigt die Wiederbelebungsversuche bei einem leblosen Mann. Die Bilder werfen trotz Verpixelung Fragen auf.

Darf man das? Diese Frage stellt sich vielen beim Schauen der neusten SRF-Episode von «Mona Mittendrin». Darin begleitet Mona Vetsch die Basler Berufsfeuerwehr. Die Moderatorin und ihr Kamerateam sind live mit dabei, als die Feuerwehrleute erfolglos versuchen, einen Mann zu reanimieren. Die Bilder dazu strahlt der Sender verpixelt aus.

Es folgt eine schweizweite Berichterstattung zur Szene. Bereits vor der Fernsehausstrahlung zeigt die Boulevard-Zeitung «Blick» Bilder zum Vorfall. Mehrere Bilder der Szene werden gezeigt. Zu lesen sind dazu beschreibende Sätze wie: «Die Hand des toten Mannes ist deutlich zu sehen».

Die Identität des Verstorbenen wird durch das Unkenntlich machen der Bilder zwar nicht preisgegeben. Dennoch bleibt die Frage nach der Pietät.

Bilder «nicht zur Veröffentlichung bestimmt»

Hinzu kommt, dass sowohl «Blick» wie auch «20 Minuten» Bilder vorliegen, die im Endprodukt schliesslich stärker verpixelt wurden, wie beide Zeitungen berichteten. «20 Minuten» schreibt jedoch, dass SRF bereits im Vorfeld angekündigt hatte, die Szene zu grosszügig unkenntlich zu machen. «Blick» auf der anderen Seite berichtet, dass «SRF» die Bilder nach der Berichterstattung weiter entschärft hätte.

Laut SRF seien die Bilder des erkennbaren Leichnams «nicht zur Veröffentlichung» bestimmt gewesen. «Wir bedauern es ausserordentlich, dass der Blick mit Bildern, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, an die Öffentlichkeit gelangt ist und den Verstorbenen mit vollem Namen genannt und mit mehreren Bildern gezeigt hat», heisst es in einem Statement des Senders.

Gegen SRF-Richtlinien

Doch nicht nur die Medienberichterstattung, auch die Ausstrahlung der Bilder während der Dokumentation, wirft Fragen auf. Die Schwester der Verstorbenen sei schockiert über die Fernsehbilder gewesen, wie sie gegenüber «Blick» sagt. Die Familie sei im Vorfeld nicht über die Szene informiert worden.

Fest steht, dass SRF die Bilder laut eigenen Vorgaben nicht hätte zeigen dürfen. In den Richtlinien des Senders heisst es: «Wir zeigen keine sterbenden Menschen». Die Regel dient unter anderem dem Jugendschutz, zu dem SRF gesetzlich verpflichtet ist. Inwiefern die Verpixelung der Bilder dieser Richtlinie gerecht wird, bleibt offen. Ebenso die Frage, ob der Vorfall Folgen für die Verantwortlichen nach sich zieht.

Zu den ethischen Fragen der Bilder sagt SRF-Produzent Markus Storrer gegenüber Blick, dass solche Szenen zum Alltag von Berufsfeuerwehr und Sanität gehören. Er erachtet die Ausstrahlung der Bilder als richtig. Man kann argumentieren, dass die Bilder in eine Dokumentation über Nothelfer gehören.

Medienethiker Vinzenz Wyss hingegen sagt: «Der Moment des Sterbens eines Menschen betrifft immer dessen Intimsphäre. Journalisten sollten grundsätzlich darauf verzichten, sterbende Menschen zu zeigen». Das sehe der Journalistenkodex so vor. Eine Erwähnung, dass der Mann gestorben sei, hätte gereicht. 

Berichterstattung bricht nicht ab

Was bleibt, sind zahlreiche Fragen zu Pietät. Die Berichterstattung verschiedener Boulevard-Medien und Online-Plattformen kratzt – trotz ethischen Fragen nach der Pietät der Doku – ebenso an diesen Fragen.

So berichten verschiedene Medien über die Identität des Verstorbenen und veröffentlichen Bilder des Mannes. Moderatorin Mona Vetsch wird zum Vorfall befragt und zitiert. Die Berichterstattung scheint nicht abzubrechen. Die nicht abbrechende Berichterstattung aller möglichen Aspekte des Vorfalls kann ebenfalls kritisch betrachtet werden: Beim andauernden Wiederkäuen des Vorfalls stellen sich ebenfalls Fragen der Ethik.

4 Kommentare

  1. Das traurige Ereignis hier war zwar nicht vorhersehbar und ist Alltag der Experten vor Ort. Die Ausstrahlung dieser Sequenzen hätte man jedoch ausblenden oder nur verbal komprimiert äussern können. Zumal die Autorisation der Angehörigen offenbar fehlte. Und auch Sterbende und Verstorbene ein Recht auf Respektierung ihrer Privatsphäre haben. Auch wenn die Meinungen zu diesem Fall divergieren und die Produktionen mit Mona Vetsch in der Regel von hoher Qualität sind: Mich würde – nebst der moralischen und ethischen Komponente – die rechtliche Seite in Bezug auf einen Verstorbenen interessieren: Persönlichkeitsrecht, Datenschutz (siehe Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, EDÖB), Pressekodex.. Eine Veröffentlichung von Bildern und Statements einer (lebenden) Person benötigt in der Regel eine Autorisation, das Recht am eigenen Bild. (Bei öffentlichen Veranstaltungen gibt es Ausnahmen). Wie verhält es sich bei einem Verstorbenen respektive bei einem Menschen im Sterbeprozess? Speziell auch in dieser intimen und tragischen Situation hier?Report

  2. Warum errichtet die Polizei um tötlich verunfallte Menschein ein Zelt? Die könnten sie doch filmen und damit einen viralen Hit leisten!Einschaltquoten ist das Zauberwort, deshalb wurde es im Vorfeld gross veröffentlicht, dass in dieser Sendung jemand sterben wird! Ich hoffe, dass die Verantwortlichen dieser Sendung genauso bei ihrem Todeskampf gefilmt werden und die ganze Schweiz zusehen kannReport

  3. Einschaltquoten ist das Zauberwort!
    SRF ist auf dem gleichem Niveau angelangt wie z.B. private Sender. Einfach nur krank!Alle verwerfen die Hände bei Gaffer welche filmen anstatt Hilfe zu leisten, oder wegen des gaffens einen Stau verursachen.
    Es geht nur noch um Einschaltquoten! Hätten Sie freude daran, wenn ihnen die ganze Schweiz beim Sterben zusehen würde, oder wenn sie nach einem Unfall verletzt und blutend auf dem Boden liegen? Alle stehen um dich rum und filmen; krank, einfach nur krank und pietätlosReport

  4. Für mich persönlich ist sehr Pietätlos und fördert meiner Meinung nach die Abstumpfung unserer Gesellschaft. Wenn solche Berichterstattung weiter zulässt, gewöhnen sich die Menschen mit der Zeit daran und Tod und Gewalt werden sich erhöhen.
    Na dann Mal Prost…..auf die kommende Gesellschaft…🤮Report

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