Zerstörung und Leid in Venedig. Das Hochwasser hatte die Stadt während der vergangenen Tage im Griff. (Bild: Keystone)
International

Endlich Entspannung in Venedig

Venedig wird von einem Rekord-Hochwasser heimgesucht. Die Lagunenstadt wurde zum dritten Mal überflutet. 70 Prozent der Stadt waren unter Wasser.
Situation in Venedig entspannt sich

Nach dem tagelangen Hochwasseralarm in Venedig ist nun etwas Entspannung in Sicht. Für die kommenden Tage werden niedrigere Wasserstände erwartet, teilte die Kommune am Sonntagabend mit. Die Schulen sollen am Montag wieder öffnen.

Markusplatz erneut gesperrt

Venedig ist zum dritten Mal innerhalb einer Woche überflutet worden. Am Sonntag sei das Wasser auf 150 Zentimenter über den normalen Meeresspiegel gestiegen, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Damit waren rund 70 Prozent der Unesco-Welterbestadt unter Wasser.

Der Markusplatz als tiefster Punkt der Stadt wurde erneut geflutet und aus Sicherheitsgründen gesperrt. Städtische Museen waren geschlossen. Der öffentliche Verkehr war stark eingeschränkt.

Bürgermeister Brugnaro hatte zur «maximalen Vorsicht» aufgerufen. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Die Menschen würden sich nicht entmutigen lassen. «Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie», erklärte er.

Kulturschätze zerstört

Am Dienstag hatte die höchste Flut seit mehr als 50 Jahren verheerende Schäden in Venedig angerichtet und Kulturschätze zerstört. Fast jede zweite Kirche wurde beschädigt. Das Wasser war getrieben von starkem Wind auf bis zu 187 Zentimeter über den normalen Meeresspiegel gestiegen. Am Freitag fluteten Wassermassen dann erneut einen Grossteil der Unesco-Welterbestadt. Für die kommenden Tage ist leichte Entspannung angesagt.

Die Museen in Venedig blieben am Sonntag geschlossen. Der Schirokko-Wind war jedenfalls laut Wetterexperten schwächer als in den vergangenen Tagen sein. Daher sollte sich die Lage weniger kritisch als am Mittwoch erweisen.

Der italienische Zivilschutz hat dem Bürgermeister von Venedig die Funktion des Regierungskommissars anvertraut, der die Verantwortung für die Nothilfe in der Stadt übernimmt. Er wird jene 20 Millionen Euro verwalten, die die Regierung «für die dringendsten Massnahmen» in Venedig zur Verfügung gestellt hat.

Plan für Neustart

Brugnaro hat 40 Tage Zeit, um einen Plan für den Neustart der Stadt zu entwickeln. Privatleute sollen mit jeweils bis zu 5000 Euro für die Flutschäden entschädigt werden, Geschäftsleute mit bis zu 20’000 Euro. Brugnaro richtete angesichts der massiven Schäden ein Spendenkonto für seine Stadt ein. Jugendliche aus ganz Italien reisten an, um beim Aufräumen zu helfen.

Brugnaro sagte, auch aus dem Ausland komme viel Hilfe, darunter aus Russland. Der Bürgermeister will ein weltweites Zentrum für Klimawandel-Studien in Venedig einrichten, das sich auch mit der Wasserverschmutzung beschäftigen solle. «Ich will einen grossen Appell an die Wissenschaftler richten: Kommt hierher.»

Am 26. November soll eine Sonderkommission über die Probleme Venedigs beraten. Themen sollen auch ein geplantes Anlegeverbot für grosse Kreuzfahrtschiffe und ein umstrittenes Hochwasserschutzsystem sein, das die Stadt mit schwimmenden Barrieren schützen soll. Es ist bereits seit 2003 in Bau.

Sturm, Regen und Schnee in Italien

Unterdessen tobten in fast ganz Italien Unwetter mit Sturm und heftigen Niederschlägen. In Südtirol herrschte Schneechaos, eine Lawine traf ein Dorf. Die Schneemassen hätten sich durch die Strassen von Martell gedrückt, sagte Bürgermeister Georg Altstätter der Nachrichtenagentur DPA. Es gebe aber keine Verschütteten.

Häuser seien beschädigt und Menschen in Sicherheit gebracht worden. «Die Lage ist prekär.» Möglich sei, dass sich weitere Lawinen lösen. Das Dorf mit rund 900 Einwohnern sei von der Aussenwelt abgeschnitten. In mehreren Orten fiel der Strom aus.

Auch die Brennerautobahn – die wichtigste Verbindungsstrasse zwischen Italien und Österreich – war vorübergehend zwischen Brixen und Sterzing gesperrt, wie die Verkehrsleitzentrale mitteilte. Es herrsche im Grossteil Südtirols grosse Lawinengefahr, erklärte Landesmeteorologe Dieter Peterlin auf Twitter.

Auch weiter im Süden des Landes war Alarm angesagt. Über Rom fegte in der Nacht ein Sturm. Zahlreiche Bäume kippten um. In Florenz stieg der Fluss Arno bedrohlich an.

Auch in anderen Gegenden der Toskana herrschte Angst. In Grosseto wurden Dächer abgedeckt, wie die Feuerwehr mitteilte. Menschen mussten mit Motor-Schlauchbooten gerettet werden. in Budrio bei Bologna drohte ein Deich zu brechen. (SDA)

Touristen zurück auf dem Markusplatz

Der Markusplatz in Venedig, der trotz Überschwemmung wieder zugänglich war, ist am Samstag von Touristen gestürmt worden. Schlangen bildeten sich vor den Holzstegen, auf denen der Platz erreichbar ist. Schon am Samstagabend wird wieder mit mehr Regen gerechnet.

In Gummistiefeln wateten die Touristen und Touristinnen über den Platz und fotografierten. Der berühmte Platz ist der niedrigste Punkt der Lagunenstadt.

Am Samstagvormittag stand das Wasser bis zu etwa 120 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel. Der Wert liegt weit unter jenem von Dienstag, an dem 187 Zentimeter erreicht wurden und fast die ganze Unesco-Welterbestadt überschwemmt war. Es war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Am Sonntag wird wieder eine Flutwelle mit 160 Zentimetern über dem Meeresspiegel erwartet.

Nach der jüngsten Flutwelle vom Freitag beginnt die Erhebung der Schäden. Die Touristikbranche beklagt schwere Verluste. Besitzer von Ferienwohnungen meldeten, dass 35 Prozent der für die nächsten Monate gebuchten Aufenthalte storniert wurden. In Hotels betrugen die Stornierungen 15 Prozent, so der Touristikverband Confturismo.

Ladeninhaber säuberten ihre Geschäfte von Wasser und Schlamm. Inzwischen werden auch die Schäden geprüft, die das Hochwasser dem Kunsterbe der Stadt zugefügt hat. Von 120 Kirchen wurde die Hälfte überschwemmt, beklagte die venezianische Tageszeitung «Il Gazzettino». Fünf Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, und sechs Landungsbrücken wurden schwer beschädigt.

Schäden an Gondeln

Auch die Gondolieri erlitten erhebliche Schäden. 25 Gondeln müssen repariert werden. Wegen der Flutwelle ging kostbares Holz verloren, das dem Gondelbau dient.

Der Gondelbauer Alberto Della Toffola verlor im Wasser über 30 Holztafeln, die von der Flutwelle weggeschwemmt wurden. «Wir kaufen das Holz in Slowenien, es ist nicht einfach, das richtige Material für unsere Gondeln zu finden. Die Schäden sind gross», sagte Della Toffola laut der Tageszeitung «Corriere della Sera».

Die Kreuzfahrtgesellschaften, die in Venedig halten und deren Schiffe seit jeher als Gefahr für die Lagunenstadt betrachtet werden, wurden zu Spenden aufgerufen. Costa Crociere will für die Stadt 100’000 Euro locker machen, kündigte die Reederei aus Genua in einer Presseaussendung an.

Neue Unwetter am Abend

Für den späten Samstag kündigten Meteorologen neue Unwetter an. Die Schulen blieben geschlossen, und auch der öffentliche Wasserverkehr auf dem Canal Grande wurde nicht wieder aufgenommen.

Bürgermeister Luigi Brugnaro machte seiner Stadt Mut. «Venedig muss der Welt beweisen, dass sich die Stadt wieder aufraffen kann», sagte er in einem Interview mit der römischen Tageszeitung «Il Messaggero». Er drängte auch zum Fertigbau des geplanten Dammsystems «Mose», das Venedig künftig vor Hochwasser schützen müsse.

Auch andere Regionen betroffen

Aber nicht nur Venedig leidet unter dem Unwetter. Auch in der 50 Kilometer entfernten Kleinstadt Chioggia kam es zu Überschwemmungen. In der friaulischen Adria-Badeortschaft Grado mussten überschwemmte Strassen gesperrt werden.

In mehreren Gemeinden der Dolomiten-Provinz Belluno blieben Schulen wegen der Schneegefahr geschlossen. Zudem wurden einige Alpenpässe gesperrt. In der ligurischen Provinz Imperia kam es zu Erdrutschen. Nach heftigen Gewittern wurden Stromausfälle in mehreren Stadtvierteln Genuas gemeldet.

Auch Rom wurde von Stürmen und Niederschlägen heimgesucht. Eine Entspannung der Lage steht nicht unmittelbar bevor: Wetterexperten warnten, dass ganz Italien an diesem Wochenende mit einer Schlechtwetterfront mit starken Stürmen und Niederschlägen konfrontiert werde. (SDA)

Höchste Unwetterwarnstufe verhängt

Die Lage in Venedig bleibt nach tagelangem Hochwasser angespannt. Für den späten Samstag kündigten Meteorologen neue Unwetter an. Die Schulen, die in Italien eigentlich auch am Samstag geöffnet sind, sollten weiter geschlossen bleiben.

Viele Museen und Sehenswürdigkeiten, darunter auch der Dogenpalast am Markusplatz, sollten aber wieder öffnen.

Grosse Teile der Stadt überschwemmt

Für den Vormittag sagte die Kommune einen Wasser-Höchststand von etwa 120 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel vorher. Bei dieser Höhe wird auch wieder der Markusplatz überschwemmt, weil er der niedrigste Punkt der Lagunenstadt ist. Der Wert liegt allerdings weit unter dem Rekord von Dienstag, an dem 187 Zentimeter erreicht wurden und fast die ganze Unesco-Welterbestadt überschwemmt war. Es war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren.

Am Freitag überflutete Wasser erneut grosse Teile der Stadt. Tote Ratten schwammen im Wasser, Bewohner versuchten ihre Geschäfte und Bars zu reinigen – der Schaden geht laut Bürgermeister Luigi Brugnaro in die Hunderte Millionen. Er rief auch zu Spenden aus dem Ausland auf. «Venedig ist der Stolz ganz Italiens, Venedig ist ein Kulturerbe für jeden, einzigartig in der Welt», erklärte er.

Chaos wegen Schnees im Südtirol

Der Kulturbeauftragte des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, verglich die Zerstörung in Venedig mit dem Brand von Notre-Dame in Paris. Es habe damals nicht nur eine «technische Diskussion» gegeben, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa. «Es gab Leute, die weinten, weil sie ein grosses Symbol sterben sahen. Ich würde sagen, diese kulturelle Sensibilität müssten wir wiederholen.»

Für Samstag verhängte der Zivilschutz für Teile der Region Venetien die höchste Unwetterwarnstufe – allerdings nicht für die Stadt Venedig. Schnee richtete derweil schon am Freitag in Südtirol Chaos an, einige Dörfer waren abgeschnitten, weil Strassen gesperrt waren. Tausende Menschen waren ohne Strom, wie die Südtiroler Landesverwaltung mitteilte.

Markusplatz gesperrt

Nach dem schweren Hochwasser in Venedig ist die Lagunenstadt erneut überflutet worden. Der überschwemmte Markusplatz wurde am Freitag gesperrt, um die Sicherheit der Menschen nicht zu gefährden.

«Ein weiterer Tag des Alarms», erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro am Freitag und rief Einwohner und Touristen zur Vorsicht auf. Vor allem starker Wind trug das Wasser wieder in die Stadt. Schulen waren genauso wie der Dogenpalast geschlossen. Der öffentliche Verkehr in der Unesco-Welterbestadt wurde eingestellt. Ein Hochstand wie zu Beginn der Woche wurde allerdings nicht erreicht.

Am Mittag stieg das Wasser auf einen Stand von 153 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel und ging dann wieder zurück, teilte das Gezeitenbüro der italienischen Stadt mit. Rund 70 Prozent der historischen Stadt seien überschwemmt, berichteten lokale Medien. Die Kunstausstellung Biennale, die noch bis 24. November geht, war am Freitag geöffnet.

Grosse Schäden

In der Nacht zu Mittwoch – als eine Flut fast die gesamte Stadt überschwemmte – hatte das Wasser mit 187 Zentimeter deutlich höher gestanden. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der historischen Stadt unter Wasser standen. Die Schäden gehen in die Hunderte Millionen Euro.

«Die Menschen haben alles verloren», erklärte Brugnaro nun auf Twitter. Das eindringende Salzwasser mache alles noch viel schwieriger. Denn Meerwasser beschädige Denkmäler, Marmor und Kunstschätze wesentlich mehr.

Die Regierung in Rom hatte am Donnerstag den Notstand für Venedig ausgerufen und 20 Millionen Euro Soforthilfe freigegeben. Auch Ex-Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega stapfte am Freitag in Gummistiefeln durch die Stadt und drang darauf, dass endlich ein Flutschutzsystem fertiggestellt werden müsse.

Streit um «Mose»

Seit Jahren wird um das System namens «Mose» gestritten, das es eigentlich schon seit Jahren für die Stadt an der Adria geben sollte. Bürokratie, Korruption und Skandale verzögern den Bau allerdings. Die ausfahrbaren Barrieren sollen nun 2021 fertig sein. Durch die Erderwärmung steigt der Meeresspiegel, wodurch auch Hochwasser in Venedig zunehmen.

Andere Städte wie London oder Rotterdam werden mit ihrem Flutschutzsystem immer wieder als Beispiel herangezogen. Auch Städte wie Hamburg rüsten sich gegen Flutwellen. Die Stadt an der Elbe ist vor Sturmfluten oder steigendem Meeresspiegel vor allem durch eine 103 Kilometer lange, geschlossene Deichlinie geschützt.

Ein Viertel davon sind Hochwasserschutzwände, der Rest sind Deiche. Die neu gebaute Hafenpromenade hält Wasser bis zu einer Höhe von 8,10 Meter über Normalnull stand.

Auf diese Höhe sollen bis 2050 alle Deiche erhöht werden. Die Hafencity mit der Elbphilharmonie liegt vor dieser Deichlinie. Dort werden die Häuser so gebaut, dass das Leben oberhalb der Deichkrone stattfindet. Unterhalb dieser Höhe sind zudem keine Öffnungen erlaubt.

Weitere Wassermassen erwartet

Venedig muss sich auf weitere Wassermassen gefasst machen. Am späten Freitagmorgen gegen 11.20 Uhr wird mit einem Pegelhöchststand von 145 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel gerechnet, wie die Kommune Venedig am späten Donnerstagabend twitterte.

Die Schulen sollen geschlossen bleiben, der Dogenpalast schliesst ebenfalls. In der Nacht zu Mittwoch hatte das Wasser allerdings noch deutlich höher gestanden – es war ein Rekordwert von 187 Zentimetern registriert worden. Am Donnerstagvormittag war der Pegel dann auf 113 Zentimeter gesunken.

Die Unesco-Welterbestadt wurde in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht. Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Besserung ist nicht in Sicht: Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. Das Ausmass der Schäden ist noch nicht abzusehen. Am Freitagabend werden die Pegelstände laut italienischer Nachrichtenagentur Ansa aber zunächst einmal auf rund 100 Zentimeter zurückgehen.

Regierung spricht Soforthilfe

Am Donnerstag hatte die italienische Regierung den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Privatleute können mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20’000 Euro rechnen.

Getrieben durch heftigen Wind war der Wasserstand in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das war der höchste Wert seit 1966. Wegen der Überschwemmungen gab es laut Hotelverband Federalberghi Veneto bereits viele Absagen von Urlaubern.

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. In der Stadt ist ein Streit über den mangelnden Flutschutz entbrannt. Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen «Mose» – kurz für «Modulo Sperimentale Elettromeccanico» – sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk. (sda)

Hoteliers klagen über enorme Schäden

Nach dem verheerenden Hochwasser in Venedig stornieren auch Touristen ihre Reisen in die Lagunenstadt. Es habe viele Absagen gegeben, sagte Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto der Nachrichtenagentur DPA am Donnerstag.

«Die Schäden sind enorm.» Viele Hoteliers seien wütend über die Untätigkeit der Politiker, etwas für den Schutz der Stadt zu tun. «Es gab so viele Versprechen und nichts wurde getan», sagte sie mit Bezug auf das umstrittene Flutschutzprojekt «Mose», das seit Jahren geplant aber immer noch nicht fertig ist.

Auch der Tourismusverband der Region klagte über die schweren Schäden. «Hier ist die ganze Küste untergegangen», erklärte der Regionalpräsident des Verbandes Confturismo und Federalberghi Veneto, Marco Michielli. »Die Schäden sind derzeit nicht zu beziffern, die Touristenunterkünfte stehen vor Tausenden Problemen, während die Strandbäder dem Erdboden gleichgemacht wurden.»

Markusdom wird überprüft

Venedig kämpft mit den Folgen des verheerenden Hochwassers. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien. Der Wasserstand sollte allerdings bei weitem nicht das Rekord-Niveau wie in der Nacht zu Mittwoch erreichen.

Das Kulturministerium will am Donnerstag den Markusdom auf Schäden prüfen. Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte bei einem Besuch in der Lagunenstadt an, dass die Regierung den Notstand für die Unesco-Welterbestadt ausrufen wird. Gestritten wurde wieder heftig um das skandalgeplagte Flutschutzprojekt.

Der Wasserstand war getrieben durch heftige Winde in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel gestiegen – das ist der höchste Wert seit einer verheerenden Flut im Jahr 1966. Für Donnerstag wurden 130 Zentimeter erwartet. Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auch auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel ansteigen lässt.

Der Markusplatz und der Dom wurden überflutet, genauso wie Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser. Schiffe gingen unter, Gemäuer wurden zerstört. Mindestens ein Mensch starb durch die Fluten.

Schulen bleiben geschlossen

Kulturminister Dario Franceschini sprach von einem «Notfall». Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

Schulen und Kindergärten sollten auch am Donnerstag geschlossen bleiben, der Schiffsverkehr war extrem eingeschränkt. Die Oper La Fenice sagte Aufführungen ab. Die Kunst-Biennale erklärte dagegen, wieder zu öffnen, nachdem das Gelände am Mittwoch gesperrt war und die Kunstwerke auf Schäden überprüft wurden.

Während Touristen Selfies von den Wassermassen machten, waren die Bewohner geschockt. «So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir habe es gewusst», sagte der Venezianer Ezio Toffolutti. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. Gefährlich seien die elektrischen Leitungen. «Eine schreckliche Zeit.»

Verärgerte Bürger

Er kritisierte das Milliarden-Flutschutzsystem «Mose», das die Stadt mit ausfahrbaren Barrieren vor Hochwasser schützen soll. Das Projekt sei «dumm». «Jeder, der die Lagune kennt, weiss, dass man die Lagune nicht mir Beton zumachen kann.» Viele Venezianer werfen Politikern vor, die Stadt an Tourismus- und Kreuzfahrtunternehmen verkauft zu haben und sich nicht wirklich um den Schutz zu kümmern.

Bürgermeister Luigi Brugnaro dringt darauf, das skandalgeplagte Flutschutz-Vorhaben fertigzustellen. Er ist der Meinung, dass Katastrophen wie das jetzige Hochwasser mit «Mose» vermieden werden können. Jedoch verzögert sich der Bau, der rund sechs Milliarden Euro verschlungen haben soll, seit Jahren wegen Korruptionsskandalen und auch Kritik von Umweltschützern. Medien nennen das Projekt «die grosse Unvollendete».

Regierungschef Conte erklärte nun, der Bau sei zu «92 bis 93 Prozent» fertig. «Venedig ist ein Kulturerbe Italiens und der Menschheit. Es ist notwendig, dass eine Serie von historischen Problemen gelöst wird.»

13.11.2019 14:16
Untergangsszenarien gibt es für Venedig seit jeher. Jetzt sind die Bewohner der Unesco-Welterbestadt eindrücklich daran erinnert worden, wie fragil die wohl schönste Stadt der Welt ist. Ein verheerendes Hochwasser hat Venedig heimgesucht.

Gepeitscht von starkem Wind und nach Dauerregen stieg das Wasser in der Nacht zu Mittwoch so hoch wie zuletzt vor 53 Jahren. «Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun», befand der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Von einer “Katastrophe” sprach Bürgermeister Luigi Brugnaro und machte den Klimawandel dafür verantwortlich. Er wollte den Notstand ausrufen.

Die Wassermassen fluten Venedig am Mittwoch weiter. (Foto: Facebook, Luigi Brugnaro)

Grosser Sachschaden

Es sind erschreckende Bilder: Wasserbusse schleuderte der starke Wind ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Gondeln und Boote wurden aus Vertäuungen gerissen und trieben durch Kanäle. Hotels wurden überschwemmt.

Wasser flutete auch den Markusdom, bis zu 1,10 Meter hoch soll es gestiegen sein. Die Krypta glich einem Schwimmbad. Auch das Opernhaus «La Fenice» stand laut Medien in Teilen unter Wasser.

Schwere Schäden am Markusdom

Auf dem Markusplatz – einer der bekanntesten Touristenattraktionen der Welt 0 stiefelten am Dienstag noch schaulustige Besucherinnen und Besucher durch das hüfthohe Wasser. Doch dann wurde es zu gefährlich, Polizisten fuhren mit Booten über den Platz.

Ein Mensch starb beim Versuch, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Ein weiterer Bewohner der Insel sei tot in seinem Haus gefunden worden; eine natürliche Todesursache werde aber nicht ausgeschlossen.

Der berühmte Markusdom hat beim Hochwasser grossen Schaden genommen. (Foto: Facebook, Luigi Brugnaro)

Besorgter Bürgermeister

Auch Bürgermeister Brugnaro watete durch die Wassermassen. Er ist wütend und besorgt, dass die Stadt den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein wird. «Venedig wurde in die Knie gezwungen. Der Markusdom hat schwere Schäden abbekommen, genauso wie die ganze Stadt und die Inseln», sagte er. Er macht den Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich.

Um kurz vor Mitternacht war das Wasser – angetrieben durch starken Wind – auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden, teilte die Gemeinde mit.

Wissenschaftler warnen seit langem vor den Folgen des Erderwärmung für die Welterbestadt, die in einer Lagune an der Adria liegt. Schmelzen Eis und Gletscher, so erhöht sich der Meeresspiegel. Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko von Überflutungen. Auch sackt der Boden in Venedig ab.

Ein Grossteil der Gebäude wurde auf Pfählen gebaut. Ebbe und Flut und Wellenbewegungen durch Schiffe gefährden die Bauten. Kritiker machen zudem das Ausbaggern von Fahrrinnen für grosse Schiffe für das Absacken verantwortlich.

Projekt «Mose» verzögert sich

«Venedig werden wir verlieren, das ist nicht umstritten», sagte vor einem Jahr Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Frage sei nur wann. «Es kann Jahrhunderte dauern.» Die Entwicklung sei langsam aber «unaufhaltsam». Es gebe zwar Anpassungsmöglichkeiten. Diese müssten jedoch sehr gross angelegt sein.

In Venedig entstehen elektronische Barrieren in der Lagune, die bei Hochwasser ausgefahren werden können. Das Projekt namens «Mose» hat sich allerdings unter anderem durch einen Korruptionsskandal verzögert. Einige Bewohner sehen aber genau in dem Projekt, das sie schützen soll, den Untergang.

«Dieses Hochwasser ist von Menschen gemacht», sagte Petra Reski, deutsche Journalistin, die seit 30 Jahren in Venedig lebt, der Deutschen Presse-Agentur. «Das grösste Problem ist, dass das Wasser sehr schnell reinkommt, aber nicht abfliesst. Wegen des ‘Hochwasserschutzes’ kommt das Wasser schneller rein und fliesst schlechter ab.»

Unter die Tweets mischen sich erste politische Statements. (Foto: Twitter)

Venedigs Kulturminister kämpft im Wasser um Kunstschätze
Angesichts des Hochwassers in Venedig hat das italienische Kulturministerium eine Taskforce eingesetzt, die Massnahmen zum Schutz der Kunstschätze der Lagunenstadt ergreifen soll. Kulturminister Dario Franceschini beobachte «Schritt für Schritt» die Entwicklungen in Venedig, berichtete das Kulturministerium am Mittwoch in Rom.
Noch immer sind die Wege Venedigs überschwemmt. (Foto: Twitter, Christian Bonetto)

Besondere Sorge galt der Markusbasilika. Das Wasser verursachte unter anderem Schäden am Mauerwerk. Die gesamte Krypta geriet unter Wasser. Nach Angaben des Domprokurators Pierpaolo Campostrini wurden Nachtwachen eingerichtet, um den Wasserpegel zu kontrollieren. Der Eingang des im Jahr 1063 errichteten Wahrzeichens von Venedig ist der tiefste Punkt des gesamten Stadtkerns.

Feuerwehr rückt 170 Mal aus

Der Markusdom ist in seiner Geschichte seit dem 9. Jahrhundert nur fünf Mal ähnlich heftig überschwemmt worden. Insgesamt nahmen in Venedig die Fälle von «Acqua Alta» in den vergangenen Jahren deutlich zu. Der bisherige Rekord von 1,94 Meter stammt vom November 1966.

170 Mal mussten Feuerwehrmannschaften in Venedig und in der Region wegen des Unwetters ausrücken. Wasser drang in die Stromkästen ein, was zu Kurzschlüssen führte. Im Museum Ca Pesaro kam es deswegen zu einem Brand. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, sprach von «dramatischer Situation».

Zwei Todesopfer

Das durch heftige Regenfälle ausgelöste Hochwasser in Venedig hat in der Nacht auf Mittwoch zwei Todesopfer gefordert. Das Hochwasser stieg derweil auf den höchsten Wert seit mehr als 50 Jahren.

Ein 78-jähriger Mann starb an einem Stromschlag, da Wasser in seine Wohnung auf der Insel Pellestrina in der Lagune eingedrungen war und einen Kurzschluss ausgelöst hatte, berichtete die Tageszeitung «Il Gazzettino».

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Die Wassermassen beherrschen Venedig. (Foto: Twitter, Luigi Brugnaro)

Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier wurde allerdings nicht ausgeschlossen, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist.

Schulen geschlossen

Stromausfälle wurden in mehreren Teilen Venedigs gemeldet, auch bei den Telekommunikationsverbindungen kam es zu erheblichen Problemen. Schulen und Kindergärten wurden am Mittwoch geschlossen.

Wegen des starken Sturms zerschellten Boote in den engen Kanälen, viele Gondeln waren schwer beschädigt. Bei den Verbindungen mit den Vaporetti, den Wasserbussen in Venedig, kam es zu erheblichen Problemen. Die Küstenwache musste mehreren Personen und Booten Hilfe leisten.

 Die Behörden kämpfen gegen das Hochwasser und seine Folgen. (Foto: Twitter, Luigi Brugnaro)

Bürgermeister Luigi Brugnaro prüfte in der Nacht auf Mittwoch an Bord eines Polizeiboots die Lage. Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war vollkommen überflutet. «Das sind die Folgen des Klimawandels. Wir bitten die Regierung in Rom, uns zu unterstützen», sagte der Stadtchef.

Kurz vor Mitternacht stieg das Wasser – durch starken Wind – auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden, teilte die Stadt mit. Danach sollte das Wasser wieder etwas sinken.

Keine Wetterbesserung in Sicht

Für Mittwoch war kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien war wie schon seit Tagen Regen angesagt. Von den Unwettern besonders betroffen waren am Dienstag die süditalienischen Regionen Basilikata, Apulien und Kalabrien. In Europas Kulturhauptstadt Matera kam es zu Überschwemmungen in der Altstadt.

Die Regenfälle verursachten auch auf der Ferieninsel Capri schwere Schäden. Wegen des heftigen Windes stürzte eine Ecke des Gesims des Glockenturms auf die bekannte «Piazzetta», dem bei Touristen besonders beliebten Hauptplatz von Neapel. Einige Dächer wurden beschädigt. Fährverbindungen zwischen der Insel und Neapel mussten vorübergehend unterbrochen werden. In Teilen der Insel kam es zu Stromausfällen. Auch auf Sizilien gab es Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche.

«Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen»

Am Mittwoch werde der Notstand ausgerufen, kündigte Brugnaro in einem Video auf Facebook an. Er machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. «Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein.»

Bis kurz vor Mitternacht stieg das Wasser – angetrieben durch starken Wind – auf 187 cm über dem Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 cm erreicht wurden, teilte die Kommune mit. Der Pegel sank wieder im Laufe der Nacht, wie Brugnaro am frühen Mittwochmorgen twitterte. Aber: «Es wird eine lange Nacht.» Denn nach der Angst komme nun die Schadensauflistung. Denn schliesslich hinterlasse eine derartige Flut «unauslöschliche Spuren». Nun sei die Regierung gefragt.

Luigi Bregnaro macht auf Facebook den Klimawandel für die Überschwemmung verantwortlich. (Quelle: Facebook, Luigi Brugnaro)

Markusplatz und Dom überflutet

Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war vollkommen überflutet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend fuhr nur noch die Polizei mit Booten.

Auch in den Markusdom drang das Wasser ein. Es habe unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien. «Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten», sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der Nachrichtenagentur Ansa. Am Morgen hiess es, dass die gesamte Krypta unter Wasser gestanden habe.

Weiterer Regen angesagt

Wegen der aussergewöhnlich hohen Wasserstände wurden in der Lagunenstadt Kindertagesstätten und Grundschulen geschlossen, teilte die Kommune mit. Am Mittwoch ist kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen Regen angesagt.

Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser heimgesucht, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Die Stadt will seit langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt.

Venedig steht unter Wasser

Starke Regenfälle setzen Venedig unter Wasser. Einheimische und Touristen müssen sich mit Gummistiefeln ausrüsten.

In Venedig müssen sich Einwohner und Touristen Gummistiefel besorgen: Nach heftigen anhaltenden Regenfällen ist die Lagunenstadt am Montag wieder mit Hochwasser konfrontiert gewesen. Eine Kombination von starkem Regen, Wind und Gezeiten ist die Ursache von acqua alta.

So nennen die Venezianer selbst das Phänomen. Wasser drang auch in die Basilica di San Marco ein.

Höchststand am Dienstag

Am Montag wurde mit Überschwemmungen in einer Höhe von mehr als 110 Zentimetern gerechnet. Der Höchststand soll am Dienstag mit 125 Zentimetern erreicht werden, berichteten Wetterexperten.

Wie bei acqua alta üblich, wurden Holzstege in den Gassen aufgestellt, damit Passanten weitgehend trockenen Fusses ihr Ziel erreichen konnten.

Normalerweise behelfen sich die Einheimischen mit Brückenkonstruktionen aus Holzplanken. Venedig, das nur knapp einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist für häufiges Hochwasser bekannt.

Unwetter in ganz Italien

In ganz Italien gibt es derzeit starke Niederschläge. In Rom regnete es heftig, dabei kam es auf einigen Verkehrsachsen zu Überschwemmungen. Die ganze Woche lang wird mit Unwettern im Land gerechnet.

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