Christian Levrat war während zwölf Jahren Parteipräsident der SP. (Foto: Keystone)

Schweiz

SP-Parteichef Christian Levrat tritt zurück

Nach zwölf Jahren gibt Christian Levrat sein Amt als SP-Parteipräsident ab. Die Nachfolge wird im April gewählt. Mit im Rennen ist Samira Marti.

SP-Chef Christian Levrat tritt im kommenden Frühling nach zwölf Jahren an der Spitze der Partei ab. Er werde nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren, sagte der 49-jährige Freiburger Ständerat in Interviews mit den Zeitungen «Blick» und «La Liberté» vom Dienstag. Der Jurist aus Vaudens steht der SP Schweiz seit 2008 vor. Der dreifache Vater ist damit der amtsälteste Parteichef.

Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger soll am Parteitag Anfang April 2020 in Basel bestimmt werden.

Lange in Planung

Er sei bald zwölf Jahre im Amt mit viel Freude und Energie, sagte Levrat der Freiburger Zeitung «La Liberté». Die Tätigkeit ermüde aber sowohl auf politischer Ebene als auch persönlich. Man müsse wissen, wann es Zeit sei, den Stab weiterzugeben.

«Meinen Abgang im Frühling haben wir schon lange beschlossen. Bereits Anfang 2019 haben wir darum den Parteitag von November 2020 auf April vorgezogen», erklärte Christian Levrat dem «Blick».

Wahlschlappe

Bei den eidgenössischen Wahlen im Oktober hatte die SP das schlechteste Resultat seit 1919 hinnehmen müssen. Sie verlor vier Nationalratsmandate. Danach wurden Stimmen laut für eine Erneuerung der Parteispitze.

Mehrere Genossen forderten nach dem Wahlsonntag offen Levrats Rücktritt, darunter die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr. Das Gesicht der SP Schweiz müsse in den kommenden Jahren weiblich und jung sein, schrieb sie ein einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung «Linke Zürcher Zeitung».

Als mögliche Kandidatinnen für die Nachfolge von Christian Levrat wurden in den Medien etwa die Nationalrätinnen Mattea Meyer (ZH), Nadine Masshardt (BE), Flavia Wasserfallen (BE), Samira Marti (BL) und Barbara Gysi (SG) genannt, bei den Männern Cédric Wermuth (AG) und Jon Pult (GR). Christian Levrat selber wollte sich im Interview nicht zu möglichen Namen äussern.

Mögliche Nachfolgerin? Nationalrätin Samira Marti wird als potentielle SP-Parteichefin gehandelt. (Foto: Keystone)

Wahl von Widmer-Schlumpf als Höhepunkt

Christian Levrat übernahm in den Interviews teilweise die Verantwortung für die Wahlniederlage. Er trage «eine Mitverantwortung für dieses Ergebnis», sagte er. Gleichzeitig hielt er fest, dass sich alle grossen Parteien an einem Tiefpunkt befänden.

Als einer seiner wichtigsten Erfolge mit dem grössten Einfluss auf die Schweizer Politik nannte Levrat die Wahl von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Jahr 2007, die den amtierenden SVP-Magistraten Christoph Blocher aus der Landesregierung drängte. Levrat war massgeblich an dem Schachzug beteiligt.

Für die Zukunft fordert Christian Levrat seine Partei auf, geeint zu bleiben und «die notwendigen Reformen in den Bereichen Gesundheit, Renten, Europa und Klima durchzuziehen», anstatt «in die Abgründe der Selbstbeobachtung einzutauchen». Er betonte: «Durch Politik werden wir Wahlen gewinnen, nicht nur durch Selbstbeobachtung.»

Die SP-Delegierten haben an der Versammlung vom 30. November 2019 ein erstes Mal Gelegenheit, über die Parteiführung zu sprechen. Entscheide für die nächsten vier Jahre werden aber erst im Frühjahr gefällt, am Parteitag vom 4. und 5. April in Basel. Dann werden die Delegierten auch den Präsidenten oder die Präsidentin für die nächsten zwei Jahre wählen.

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