Am Sonntag feiern Demonstranten den Rücktritt von Boliviens Präsident Evo Morales. (Foto: Keystone)

International

Brandstiftung und Plünderungen nach Morales-Rücktritt

In Bolivien herrschen Unruhen. Nach dem Rücktritt von Präsident Evo Morales stehen zahlreiche Häuser in Flammen – andere feiern den Rücktritt.
Nach dem Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales hat es in La Paz und im nahegelegenen El Alto zahlreiche Ausschreitungen gegeben. Wie örtliche Medien berichteten, wurden in der Nacht zum Montag mehrere Busse sowie die Häuser mehrerer prominenter Menschen in Brand gesetzt. In beiden Städten patrouillierten Regierungstruppen in der Nacht.

Die Nahverkehrsbetriebe von La Paz teilten mit, dutzende Demonstranten hätten Einrichtungen des Betriebes gestürmt und Busse angezündet. Medien zeigten Videos von brennenden Bussen.

Wohnhäuser in Flammen

Waldo Albarracín, der Leiter eines Bürgerkomitees, das Morales zum Rücktritt aufgefordert hatte, teilte auf Twitter ein Video seines in Flammen stehenden Wohnhauses. Albarracín machte Mitglieder der Partei von Morales für die Brandstiftung verantwortlich.

Auch die Fernsehmoderatorin Casimira Lema sagte, ihr Haus sei niedergebrannt worden. Der ehemalige Minister Juan Ramón Quintana berichtete im bolivianischen Fernsehen, sein Wohnhaus sei von Unbekannten geplündert worden.

Botschaft Venezuelas besetzt

Im bolivianischen Regierungssitz La Paz – konstitutionelle Hauptstadt Boliviens ist Sucre – wurde zudem die Botschaft Venezuelas von vermummten Demonstranten besetzt. «Uns geht es gut und wir sind in Sicherheit, aber sie wollen ein Massaker veranstalten», sagte die venezolanische Botschafterin Crisbeylee Gonzalez der staatlichen Nachrichtenagentur ABI. Die Demonstranten seien mit «Dynamit ausgestattet», sagte sie.

In der Nacht patrouillierte die bolivianische Armee in den Strassen von La Paz sowie in El Alto. Die Polizei hingegen, die sich in den vergangenen Tagen teilweise auf die Seite der regierungskritischen Demonstranten gestellt hatte, führte keine Patrouillen durch.

Die Vereinten Nationen teilten derweil mit, Uno-Generalsekretär António Guterres sei «tief besorgt» über die Entwicklungen in Bolivien. Er ermahne alle Beteiligten, «auf Gewalt zu verzichten, Spannungen abzubauen und maximale Zurückhaltung zu üben», hiess es in einer Erklärung seines Sprechers.

Rücktritt nach Wahlbetrugsverdacht

Am Sonntag hatte Morales nach wochenlangen Protesten wegen wahrscheinlichen Betruges bei der Präsidentschaftswahl seinen Rücktritt verkündet. Zuvor hatte er auch den Rückhalt der Armee und Polizei verloren.

Die Präsidentschaftswahl vom 20. Oktober war hochumstritten, das offizielle Ergebnis wurde von der Opposition wegen Vorwürfen des Wahlbetrugs nicht anerkannt. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte gefordert, die Wahl wegen schwerwiegender Unregelmässigkeiten für ungültig zu erklären.

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