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Der Telebasel News-Beitrag vom 10. November 2019.

Basel

Vom Party-Saulus zum veganen Paulus

Einst war Rolf Welter eine Grösse im Nachtleben. Er war Latino-Bar-Betreiber und Firmenbestatter. Nun wagt er als veganer Beizer und Tierfreund den Neuanfang.

Der Name «Verde» ist hier Programm: Die Beiz an der Steinenvorstadt 79 gleicht einem kleinen Dschungel. Erst seit rund einer Woche gibt es das Restaurant mit den vielen exotischen Zimmerpflanzen. Es ist eines der wenigen in Basel, das ausschliesslich vegane Speisen zubereitet.

Interessant ist aber vor allem, dass Rolf Welter hinter diesem Lokal steckt. Dieser Name war einst im Basler Nachtleben bekannt. Ob D’Rumba, La Cocina und El Platanero – bei fast allen lateinamerikanischen Kneipen und Discotheken stand Rolf Welter Pate.

Weg von der «wilden» Bar-Szene

Als Kenner der Dominikanischen Republik importierte er während vielen Jahren Lebensmittel aus der Karibik. Von den Bars für die lateinamerikanische Community hat er aber längst Abstand genommen. «Das ist eine wilde Szene, da gab es immer wieder Probleme», sagt Rolf Welter rückblickend.

So handelte ihm die berüchtigte Bar El Platanero an der Webergasse Probleme ein. Es kam dort 2007 zu einer Messerstecherei. Welters dominikanische Ex-Frau wurde dabei verletzt. Die Staatsanwaltschaft verdächtigte zunächst Rolf Welter dieser Tat. Er wurde aber freigesprochen. Vor der Telebasel-Kamera erklärte er damals seine Unschuld, ebenso die Ex-Frau.

Kehrtwende im Gefängnis

Weitere Geschäfte brachten den gelernten Kunstmaler in Schwierigkeiten. So war sein Name oft im Kantonsblatt im Zusammenhang mit Konkursfirmen zu lesen. Als sogenannter Firmenbestatter verdingte er sich als «Briefkasten» für Pleiteunternehmen – nach seinen Schätzungen sollen es etwa 150 gewesen sein.

Probleme brachte aber nicht in erster Linie dieses Business, sondern Kreditgeschäfte. «Vor Jahren bin ich deswegen in den Fokus der Behörden geraten und war dann im Gefängnis», erklärt Rolf Welter. In der Haft habe er eine Kehrtwende vollzogen. «Dort hatte ich ein Treffen mit Jesus Christus und als ich raus kam, wusste ich, dass es nicht mehr im gleichen Stil weitergeht».

Schock über geschlachtete Hunde

Als Mitglied einer lateinamerikanischen Pfingstgemeinde habe der Glaube immer mehr Bedeutung für ihn gewonnen. Entscheidend für seinen Wandel vom Saulus zum Paulus sei auch eine Entdeckung auf einem thailändischen Markt gewesen.

Ein Freund zeigte ihm einen Stand, der angeblich Fledermausfleisch verkaufte. «Als ich mich umdrehte, merkte ich, dass es gar keine Fledermäuse sind, sondern geschlachtete Hunde. Schon immer dachte ich mir, wieso wir für ein paar Sekunden Geschmacksfeeling andere Lebewesen töten».

«Ich habe nichts zu verstecken»

So sei er zur Entscheidung gelangt, künftig vegane Gerichte zu kochen. Das Nachtleben, Latino-Bars, Firmenbestattungen und Kreditgeschäfte habe er definitiv hinter sich gelassen, wie Rolf Welter betont. Nun wolle er ein gemütliches Restaurant anstelle eines Nachtschwärmertreffs einrichten.

Zu all den zwielichtigen Kapiteln aus der Vergangenheit wolle er stehen. Dass diese trotz Neuanfang am Ruf kratzen könnten, nehme er mittlerweile gelassen. «Klar ist es nicht einfach, doch ich merke, dass die Leute offen mit solchen Sachen umgehen – ich selber auch, ich verberge nichts und habe nichts zu verstecken», sagt der überzeugte Veganer. Im Leben gehe nun mal nicht alles geradeaus.

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