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Der Telebasel News Beitrag vom 09. November 2019.

Basel

Der Tod tanzt mit allen

Der Verein Totentanz setzt sich intensiv mit dem Gemälde an der alten Friedhofsmauer vor der Predigerkirche auseinander. Jetzt inszeniert er dazu ein Theater.

Mit Musik, Licht und Tanz inszeniert spielt sich der Totentanz in der Predigerkirche ab. Der szenisch musikalische Rundgang durch die Kirche ist eine zeitgenössische Interpretation des 60 Meter langen, spätmittelalterlichen Gemäldes an der Innenseite der ehemaligen Friedhofsmauer vor der Predigerkirche. Es zeigt den Tod, in Form von Skeletten, die mit Menschen aller Schichten tanzen und sie so ins Jenseits holen. Die Botschaft: Wir alle müssen sterben. Vom Kaiser bis zum Bettler; vor dem Tod sind wir alle gleich.

Der Text zum Stück stammt aus der Feder des bekannten Autors und Ehemann von Simonetta Sommaruga, Lukas Hartmann. Die Regisseurin Regula Imboden hat das Stück so inszeniert, dass sich das Publikum mit Kopfhörern an vier verschiedenen Schauplätzen in der Kirche begibt. Vier Figuren teilen mit den Zuschauern ihre Erfahrungen und Ängste mit dem Tod.

«Kunstgenuss und Erkenntnisgewinn»

Der Verein Totentanz setzt sich seit mehreren Jahren immer wieder mit der Botschaft des Freskos auseinander und setzt es in eine moderne Form um.

«Das Thema beschäftigt uns, weil der Totentanz hier war und es noch immer ein sehr zeitgemässes Thema ist. Über kurz oder lang trifft es jeden von uns. Man soll sich mit dem Tod beschäftigen. Mit dem Totentanz hat man einen Kunstgenuss und einen Erkenntnisgewinn», erzählt Matthias Buschle vom Verein Totentanz.

Der Totentanz sei auch deshalb faszinierend, weil er durch den Tanz das Leben feiere: «Man tanzt, es ist nicht irgendein Lamentieren oder Klagen. Es ist ein Tanzen. Dadurch, dass ich weiss, dass ich sterbe, muss ich das Leben geniessen», so Buschle.

Fresko 1805 abgerissen

Heute wäre der Totentanz als Fresko vor der Predigerkirche wohl ein Wahrzeichen von Basel, glaubt Matthias Buschle. Vom 15. Jahrhundert bis zum Jahr 1805 stand die Friedhofsmauer dort, wo jetzt ein Geländer aufgebaut wurde, vor der Tramstation «Universitätsspital». Die Bewohner fanden die Mauer im 19. Jahrhundert nicht mehr wichtig und die Stadt brauchte das Baumaterial der Mauer. Deshalb wurde sie abgerissen. «Schade, 20 Jahre später war es wieder modern. Es gab Figuren, die als Massenware bis hin nach Paris verkauft wurden», erzählt Buschle.

Nur dank kunstbewusster Bewohner der Stadt wurden einzelne Fragmente des Freskos erhalten, welche heute im Historischen Museum Basel am Barfüsserplatz ausgestellt werden.

Das Stück rund um das 60 Meter lange ehemalige Gemälde und dessen Botschaft wird noch bis Ende Dezember in der Predigerkirche aufgeführt.

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