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Schweiz

SBB sucht mit «Speed-Dating» neue Lokführer

Höhere Negativzinsen der Nationalbank, Millionen-Kosten der gescheiterten Olympiakandidatur «Sion 2026» und «Speed-Dating» zur Rekrutierung neuer Lokführer.

Dreht Jordan wieder an der Zinsschraube?

Die Schweizer Notenbank zeigt sich entschlossen, den Leitzins gegebenenfalls noch weiter in den Negativbereich zu senken. Dies sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«Die Phase der tiefen Zinsen könnte noch länger anhalten, und auch eine weitere Lockerung der Geldpolitik ist unter Umständen notwendig», erklärte der 56-jährige Notenbanker. Zuletzt beliess die SNB den Leitzins unverändert bei minus 0,75 Prozent. Mit den Negativzinsen will die Zentralbank den Franken für internationale Investoren unattraktiv machen. Denn er gilt als «sicherer Hafen» und ist daher in turbulenten Zeiten gefragt.

Kritiker bemängeln, die Negativzinsen erfüllten ihren Zweck nicht. So verlören Leute mit geringen Ersparnissen und wenig Geld in der Pensionskasse verlieren, während Besitzer von Immobilien und Aktien profitierten. «Unsere Geldpolitik ist für die gegenwärtige wirtschaftliche Situation richtig», verteidigte Jordan die seit über vier Jahren geltende Notmassnahme. «Wir haben nie infrage gestellt, dass es Nebenwirkungen gibt. Wir müssen jedoch das Gesamtinteresse des Landes im Blick haben und dürfen keine Einzelinteressen verfolgen.» Wenn die Nationalbank den Leitzins jetzt anhebe, würde daraus laut Thomas Jordan ein stärkerer Franken resultieren. «Die Arbeitslosigkeit würde steigen.»

Meyers Pläne in der Kritik

Die Aufsichtsbehörde der Bahn hat grösste Vorbehalte gegen das von SBB-Chef Andreas Meyer vorgestellte Massnahmenpaket für weniger Verspätungen im Zugbetrieb. In einem Analysepapier, welches das Bundesamt für Verkehr (BAV) nach Meyers Ankündigung vom Montag angefertigt hat, schreiben die Aufseher laut «SonntagsZeitung», dass die Bahnen «die Vorgaben der Konzessionen und Netzpläne unbedingt einhalten müssen».

Dies bedeutet der Zeitung zufolge, dass die SBB weder einzelne Kurse, noch Haltestellen streichen dürfen, wie das Andreas Meyer angekündigt hat. Auch die Idee, zu bestimmten Zeiten Bahnverbindungen durch Busse zu ersetzen, verwirft das Bundesamt. «Kurzfristige Ersatzangebote können toleriert werden, nicht jedoch der systematische Ersatz durch Busse», heisst es in dem Schreiben.

Ebenso laufen die SBB mit der Absicht bei den Behörden auf, anstehende Netzausbauten statt für neue und schnellere Zugsverbindungen für Reserven im Fahrplan zu nutzen. «Die SBB dürfen geplante Umsteigezeiten, Fahrzeitreserven, und Angebote nicht einseitig anpassen.»

Insgesamt dürften alle diese Massnahmen «höchstens punktuell ergriffen werden und nur, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind». Der Massnahmenplan des spätestens Ende 2020 abtretenden Bahnchefs Andreas Meyer ist der Zeitung zufolge damit bereits grösstenteils Makulatur.

Teure Olympia-Kandidatur

Die gescheiterte Kandidatur «Sion 2026» für die Ausrichtung von Olympischen Winterspielen im Wallis kostete nach Berechnungen der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche» rund 6,3 Millionen Franken. Der Finanzchef der Kandidatur bestätigte demnach den Betrag gegenüber der Zeitung.

Das Bundesamt für Sport sowie der Verband Swiss Olympic hatten mitgeteilt, dass die Finanzergebnisse noch nicht vorlägen. Dem Bericht zufolge wurde das Geld für Marketing, die Machbarkeitsstudien, zur Deckung von IT-Kosten sowie für Mieten und Gehälter ausgegeben. Die Rechnung wurde zu gleichen Teilen zwischen dem Bund, Swiss Olympic und den beteiligten lokalen Behörden aufgeteilt.

Zum Vergleich: Die kanadische Stadt Calgary setzte dem Bericht zufolge mit seiner gescheiterten Kandidatur für 2026 umgerechnet rund 12,2 Millionen Franken (16,3 Millionen kanadische Dollar) in den Sand. Die Olympischen Winterspiele 2026 finden vom 6. bis 22. Februar in Mailand und Cortina d’Ampezzo in Norditalien statt.

«Speed-Dating» für Lokführer-Rekrutierung

Bei der Suche nach neuen Lokführern setzen die SBB – angelehnt an «Speed-Dating» – auch auf Schnell-Rekrutierungen in Bahnhöfen. Das Bahnunternehmen spricht dort Interessierte für den Lokführer-Beruf direkt an, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Dabei suchen SBB-Personalverantwortliche das persönliche Gespräch mit Passanten, lassen sie in einem Lok-Simulator fahren und versuchen, sie von der Tätigkeit zu begeistern. In den Bahnhöfen Olten, Lausanne, Zürich und Bern führten die SBB in den letzten Monaten solche Aktionen unter dem Titel «Berufswelten-Café» durch, wo das Unternehmen den Besuchern nicht nur Einblick in die Aufgaben des Lokführers gewährte, sondern in sämtliche 150 Berufe bei der Bahn.

Wer sich für die Ausbildung im Führerstand interessiert, kann die Bewerbungsunterlagen zum Anlass mitbringen und beim «Speed Recruiting» in einem zehnminütigen Gespräch seine Aussichten ausloten.

Ein SBB-Sprecher betonte gegenüber der Zeitung, dass auf eine Schnellbewerbung eingehende psychologische und medizinische Tauglichkeitsprüfungen folgten. Bis 2025 werden etwa 1’000 neue Fachkräfte für den Führerstand benötigt. Die Lokführer-Ausbildung dauert 14 bis 16 Monate.

Bessere Durchmischung der Schulklassen

Künftig sollen Algorithmen entscheiden, wie Kinder auf die Schulhäuser verteilt werden – um deren Chancengleichheit zu wahren. Das Zentrum für Demokratieforschung Aarau (ZDA) hat für Schulen in der Stadt Zürich ein entsprechendes Computerprogramm entwickelt, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Mit dem Algorithmus sollen die Schulklassen stärker durchmischt werden. Heute herrschen diesbezüglich teils grosse Unterschiede. An Schulen in privilegierten Quartieren, wie dem Zürichberg liegt der Anteil von Kindern, die aus fremdsprachigen Familien kommen oder von Eltern mit tiefem Bildungsstand haben, dem Bericht zufolge bei unter 20 Prozent.

In anderen Wohngegenden schnellt die Quote hoch bis zu 75 Prozent. «Das ist problematisch, weil sich die soziale Zusammensetzung von Schulen nachweislich auf die Leistungen der Schüler auswirkt», wird ZDA-Projektleiter Oliver Dlabac zitiert.

Ob der Algorithmus eingesetzt wird, müssten die Kreisschulpflegen entscheiden, heisst es beim Schulamt der Stadt Zürich. Die Experten des der Universität Zürich angeschlossenes Forschungszentrums wollen den Algorithmus nun auch für Bern, Basel, Lausanne und Genf anwenden. Dieser arbeitet mit Volkszählungsdaten.

Eingespeist werden auch Verkehrsbelastungsdaten sowie das Netzwerk von Trottoirs, Fusswegen, Unterführungen und Überführungen, um die Zumutbarkeit von Schulwegen zu berücksichtigen.

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