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Der Telebasel News-Beitrag vom 2. November 2019

Basel

IWB will aus Pflanzen klimafreundlich Wärme herstellen

Auf dem IWB-Gelände in Kleinhüningen will der städtische Energieversorger Pflanzen zu Kohle verarbeiten. Die Abwärme wird ins Fernwärmesystem eingespeist.

Rohre, Container und eine Häckselmaschine stehen jetzt dort, wo in zirka einem Jahr aus Pflanzenresten Kohle produziert werden soll. «Das Ziel ist, im Winter 2020/2021 diese Anlage in Betrieb zu nehmen», erklärt Reto Müller, Mediensprecher der IWB.

Ungenutzte Biomasse wie beispielsweise Grünschnitt wird unter Ausschluss von Sauerstoff zu Pflanzenkohle verbrannt. Die dabei entstehende Wärme wird ins bestehende Fernwärmesystem der IWB eingespeist und liefert so Wärme für circa 300 Basler Haushalte.

Das Verfahren der Verkohlung ist nicht neu. So betont auch Reto Müller, dass es bereits mehrere Pioniere in der Schweiz gibt und die IWB auch in regem Austausch mit diesen steht. Neu an der Anlage der IWB ist, dass die entstehende Wärme ins Fernwärmenetz gespeist wird.

CO2 im Boden, statt in der Luft

Pflanzen nehmen das CO2 aus der Luft, bei der Photosynthese geben sie Sauerstoff (O2) wieder an die Luft ab und behalten den Kohlenstoff, als Baumaterial für sich. Holzreste und Schnittabfälle, die bis jetzt auf dem Kompost gelandet sind, werden in die Pflanzenkohleanlage der IWB gebracht. Dort werden Sie verkohlt.

Die Kohle kann als Düngerbestandteil gebraucht werden. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Kohlenstoff länger (ca. 1000-1500 Jahre) im Boden bleibt und nicht wie beim Kompostieren als CO2 wieder in die Atmosphäre gelangt.

Pflanzenkohle als Bodenverbesserer ist beispielsweise in Südamerika seit Jahrtausenden bekannt. Der positive Effekt von Kohle für den Boden ist bei nährstoffarmen und sauren Böden belegt. Die hiesigen Böden sind jedoch nährstoffreich.

Christine Alewell, Professorin für Umweltgeowissenschaften an der Uni Basel, sieht von daher Forschungsbedarf, wenn es um den Einsatz von Pflanzenkohle in einheimischen Böden geht. «Bisher sind die ganzen Versuche in den Tropen und Subtropen gelaufen. Es ist eines der wenigen Beispiele, bei dem wir über tropische- und subtropische Böden mehr wissen als über die Böden hier.»

Interessanter Ansatz – aber mit Klärungsbedarf

Christine Alewell findet das Projekt der IWB durchaus interessant: «Wir müssen innovative Lösungen finden und das ist ein Ansatz, den wir versuchen können». Sie warnt aber vor einem vorschnellen, grossflächigen Einsatz der Pflanzenkohle auf den Äckern der Region: «Ich denke, bevor wir das grossräumig in Böden ausbringen, sollte wir das erstmals auf kleinen Parzellen versuchen. Ein Problem ist, dass wenn man die Kohle auf den Feldern ausgebracht hat, leigt sie für Jahrhunderte dort».

Wichtig ist dabei auch, das die Kohle in den Unterboden, also nicht in die oberste Humusschicht eingearbeitet wird, denn sonst ist der Kohlenstoff im Oberboden relativ schnell wieder abgebaut und gelangt als CO2 wieder in die Atmosphäre.

Die IWB begehen mit dieser Anlage Neuland. Auch wenn noch nicht alle Fragen restlos geklärt sind, verfolgt der baselstädtische Energielieferant einen interessanten Ansatz um klimafreundlich Wärme herstellen zu können.

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