(Symbolbild: Keystone)

Schweiz

Hitzesommer 2018 forderte viele Menschenleben

Im August 2018 sind in der Schweiz 200 Personen mehr gestorben. Das Bundesamt für Umwelt führt die um 3,4 Prozent höhere Sterblichkeit auf die Hitzetage zurück.

Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 15,3 Grad in den Monaten Juni, Juli und August war der Sommer 2018 nach 2003 und 2015 der drittwärmste seit Messbeginn im Jahr 1864. Auch die Niederschlagsmengen waren sehr gering. Im landesweiten Mittel fiel im Sommerhalbjahr von April bis September nur knapp 70 Prozent des üblichen Niederschlags.

Beide Extreme, also Hitze und Trockenheit, wirkten sich negativ auf Mensch und Umwelt aus, schreibt der Bund in einem Bericht, den das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Donnerstag veröffentlichte. Zu leiden hatten namentlich die Menschen, Wälder, Gletscher, Gewässer und auch die Landwirtschaft.

Lateinische Schweiz besser vorbereitet

Hervorzuheben aus dem Bericht ist die höhere Sterblichkeit, die ohne getroffene Massnahmen bei Hitzeperioden eintrifft. Wie schon 2003 und 2015 waren 2018 zahlreiche hitzebedingte Todesfälle zu beklagen.

Während 2003 von Juni bis August rund tausend Personen mehr starben als im gleichen Zeitraum in früheren Jahren (+6,9 Prozent), waren es 2015 schätzungsweise 800 Todesfälle mehr (+5,4 Prozent). 2018 gab es im Juni und Juli keine erhöhte Sterblichkeit, aber im August erhöhte sich die Sterblichkeit um rund 200 Todesfälle (+3,4 Prozent mehr als im Schnitt).

Dabei gab es regionale Unterschiede: In den Westschweizer Kantonen und dem Tessin blieb die Sterblichkeit trotz Hitze auch während der zehntägigen Hitzewelle im August gleich. Anders in der Ostschweiz und im Grossraum Zürich, wo die Zahl der Todesfälle während dieser Hitzewelle anstieg.

Notfallpläne flächendeckend einsetzen

Laut dem Bund ist das kein Zufall. Es gebe «plausible Hinweise, dass die hitzebedingte Sterblichkeit mit gezielten Massnahmen und koordinierten Hitzeplänen reduziert werden kann», heisst es im Bericht. Dazu gehören beispielsweise Informationen und Aufrufe zu vermehrter Flüssigkeitsaufnahme oder zum Verzicht auf Aufenthalte im Freien.

In der Romandie und im Tessin existieren solche Hitzemassnahmenplänen bereit seit längerem. Sie wurden auch im laufenden Jahr wieder aktiviert. In den übrigen Regionen fehlen solche Notfallpläne noch. Das soll sich nun ändern.

Kühlere Zonen schaffen

Für den Schutz der Bevölkerung vor übermässiger Hitzebelastung stehen momentan Informationen für Risikogruppen und Fachpersonen im Gesundheitswesen sowie Hitzewarnungen und die Erarbeitung von Hitzemassnahmeplänen im Vordergrund. Mittel- und langfristig müssten aber Städte und Agglomerationen so gestaltet werden, dass sie auch bei zunehmender Sommerhitze eine angenehme Aufenthalts- und Wohnqualität bieten, schreibt der Bund.

Das ist insbesondere notwendig, weil mit dem Klimawandel die Verhältnisse wie in den Sommern 2003, 2015 und 2018 zum Normalfall werden dürften. Sprich: Sowohl Hitze- als auch Trockenperioden werden im Sommer wohl zunehmen.

Wald und Fische litten

Auch im Wald hinterliess die Trockenheit gemäss der Analyse des Sommers 2018 deutliche Spuren. Vielerorts verfärbten sich die Laubbäume bereits im Juli. Sichtbar wurde das Ausmass der Schäden durch die Trockenheit aber erst im laufenden Jahr. So sind unter anderem im Jura zahlreiche Buchen vertrocknet und geschwächte Nadelbäume von Borkenkäfern befallen.

Die Gewässer waren wegen der Hitze und teilweise auch wegen der Trockenheit und dem niedrigen Wasserstand sehr warm. Im Rhein bei Schaffhausen kam es trotz Ausfischungen und Transport der Fische in Kaltwasserzonen zu einem Fischsterben, so bei den Äschen.

Nur wenige Profiteure

Auch in der Landwirtschaft hinterliess der Sommer 2018 deutliche Spuren. Insbesondere gab es weniger Tierfutter und es musste mehr Heu als üblich aus dem Ausland eingeführt werden. Die Obst- und Weinbauern hingegen verzeichneten Spitzenernten.

Der Bericht «Hitze und Trockenheit im Sommer 2018 – Auswirkungen auf Mensch und Umwelt» wurde vom Bafu herausgegeben, unter Beteiligung zahlreicher Bundesämter und Institutionen.

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