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Der Telebasel Report vom 23. Oktober 2019.
Baselland

Report: Plastik-Hype im Baselbiet

Immer mehr Menschen in der Region trennen Kunststoffabfälle separat. Aber macht das auch wirklich Sinn?

Milch, Joghurt, Shampoo, Putzmittel und und und – die Liste liesse sich beliebig erweitern. Beinahe alles ist heutzutage in Kunststoffflaschen verpackt. Gleichzeitig omnipräsent: Bilder von Plastik-«Teppichen» auf den Ozeanen. Vögel, die mit Mikroplastik gefüllt qualvoll verenden. Was also tun? Für immer mehr Menschen, auch bei uns in der Region, heisst die Antwort: Kunststoff separat entsorgen.

Beinahe jeder zweite Kunde in Bubendorf gibt einen Kunststoff-Sammelsack ab. (Bild: Telebasel)

Zahlen zur Kunststoffsammlung explodieren

In erster Linie merken das die Entsorgungszentren sowie Recyclingstationen in der Region. Beim Entsorgungszentrum Bubendorf (EZB) zum Beispiel hat man bereits vor drei Jahren angefangen, den schweizweit vertriebenen «Sammelsack» anzubieten. Darin können Haushalte ihre Kunststoffabfälle sammeln und an verschiedenen Sammelstationen kostenlos abgeben. Der Sack selbst notabene kostet 2,40 Franken.

«Anfangs war die Resonanz überschaubar», sagt Tobias Zurfluh, stellvertretender Geschäftsleiter des EZB. «Heute hat beinahe jedes zweite Auto, das bei uns entsorgt, einen Sammelsack dabei.» Er rechnet in den nächsten Jahren mit einem enormen Zuwachs: «Plastik trennen wird dazugehören wie Karton, Glas oder PET trennen auch».

Gewaschene Plastik-Schnipsel im Recycling-Prozess. (Bild: Telebasel)

Plastik-Bashing ist «in»

Woher kommt die plötzliche Sammelwut der Region? Fredy Dinkel, Umweltberater bei der Basler Carbotech AG glaubt es zu wissen: «Plastik-Bashing ist halt gerade in. Am Ende ist es halt einfacher, ein wenig Kunststoff zu recyclen, ohne auf jedweden Konsum zu verzichten».

Anders gesagt gehöre also eine Beruhigung des eigenen Gewissens dazu. Denn: «Der ökologische Nutzen der Kunststoffsammlung ist zwar da, im Vergleich zu anderen Massnahmen aber marginal», sagt Dinkel. «Wer wirklich etwas für die Umwelt tun will, hat mit einer Reduktion des Fleischkonsums oder der gefahrenen Autokilometer viel mehr getan.» Ein einziges Mal auf ein 120 Gramm-Rindssteak verzichten, und man habe gleich viel für die Umwelt getan, wie wenn man ein ganzes Jahr lang Kunststoff trenne, rechnet Dinkel vor.

Bereit zur Weiterverwendung: Re-Granulat aus Haushalts-Kunststoffabfällen. (Bild: Telebasel)

Was passiert eigentlich mit dem Baselbieter Kunststoff?

Rund um die Verwertung des gesammelten Kunststoffs kursieren wilde Gerüchte. Spätestens nach der RTL-Dokumentation «Das Jenke Experiment» wird befürchtet, dass das Plastik am Ende auf einer Müllhalde in Malaysia landet und gar nicht recycelt wird.

Tobias Zurfluh von der EZB AG winkt aber ab: «Uns ist wichtig, was mit dem Kunststoff passiert. Wir haben uns deshalb nicht für den günstigsten, sondern für den transparentesten Partner entschieden.» Bei der InnoRecycling AG in Eschlikon würden nämlich 60 Prozent tatsächlich recycelt, der Rest werde nachvollziehbar in Zementwerken als Ersatzbrennstoff für Kohle verwendet.

Der Telebasel Report hat einen Sammelsack aus dem Baselbiet auf seinem Weg durch die Recycling-Stationen begleitet und zeigt, was mit unserem gesammelten Plastik tatsächlich passiert.

1 Kommentar

  1. Ich persönlich finde den Vergleich mit Fleisch oder der Autokilometer etwas gefährlich und in diesem Zusammenhang auch nicht sehr klug. Wir wissen ja mittlerweile wie manipulierbar und vor allem bequem die Menschen heutzutage sind. Es könnte durchaus sein, dass sich nun einige sagen; ja also dann mm ach ich lieber ein paar Kilometer weniger mit dem Auto, dafür spar ich mir das trennen. Jedoch müssen wir den Plastikmüll unbedingt im Auge behalten. Denn sonst werden wir bzw. unsere Kinder und Kindeskinder letztlich den Preis dafür zahlen müssen. Wer möchte das tatsächlich seinen Kindern antun??? Daher sollte man sich immer genau überlegen, was man medial zum besten gibt 🤔Report

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