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Basel

«Ich sehe keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Nippeln»

Seit längerer Zeit wird über das Thema «Nippel-Verbot» auf Instagram diskutiert. Mash trifft eine Basler Fotografin, die sich mit diesem Thema beschäftigt.

Chantal Convertini, 27 Jahre alt, ist selbständige Fotografin und Künstlerin. Seit vier Jahren ist sie nun auf Instagram tätig und veröffentlicht dort ihre Arbeiten. Sie beschäftigt sich mit der Inszenierung des Körpers in einem künstlerischen Kontext. Mash wollte wissen, wie sich das Verbot auf Ihre Arbeit auswirkt und hat die 27-Jährige zum Interview getroffen.

Wie wurdest du auf das «Nippel-Verbot» auf Instagram aufmerksam? 

«Ich selbst bin durch einen anderen Künstler auf Instagram darauf aufmerksam geworden. Seine Arbeit besteht überwiegend aus Aktfotografie, die er dann überzeichnen musste, um sie auf Instagram zu veröffentlichen. Im Frühjahr dieses Jahres bekamen auch meine Posts dieses Verbot zu spüren. Nicht nur Brustwarzen selbst wurden als offensiv eingeschätzt, sondern generell nackte Haut. Tendenziell die Haut von Frauen, auch wenn es nur ein nackter Rücken war oder ein nacktes Bein, was überhaupt nicht anstossend ist. Diese Bilder werden dann entweder gelöscht oder von einem Algorithmus gescannt und soweit in der Timeline zurück versetzt, dass die eigenen Follower den Post gar nicht mehr wahrnehmen.»

Inwiefern hat dieses Verbot dein künstlerisches Dasein auf Instagram beeinflusst?

«Es hat meine Arbeit massiv beeinflusst. An dem Punkt, als ich beschloss,  selbständige Künstlerin zu werden, wurden auch die Regeln auf Instagram zeitgleich verschärft. Da wurde mir bewusst, dass meine Posts auf Instagram niemanden erreichen werden oder sofort von Instagram gelöscht werden. Natürlich braucht es gewisse Regeln auf Instagram, um Gewalt oder Hass zu bekämpfen. Durch das ‹Nippel-Verbot› und die allgemeinen Zensurbestimmungen von Instagram konnte ich meine Kreativität auf Instagram nicht mehr so ausleben wie davor. Ich orientiere mich immer noch neu und versuche, einen anderen Weg zu finden, um meine Arbeiten zu veröffentlichen. Einen positiven Effekt gibt es jedoch. Ich wurde angeregt durch diese Diskussion. Sie gab mir einen Grund, einen Teil dieser Diskussion zu sein. Ich habe neue Arbeiten zu diesem Thema kreiert.»

Frauen-Brustwarzen werden zensiert, Männer-Brustwarzen nicht. Wie stehst du dazu?

«Ich finde es absurd. Ich sehe in der Brustwarze von einem Mann und einer Frau keinen Unterschied, so dass man es unterschiedlich behandeln müsste. Die Brustwarze selbst ist nicht der Hauptteil der Brust, die sie sexuell macht. Ich weiss, dass man irgendwo eine Grenze ziehen muss bei den Regeln, aber wenn die Leute ein kleines schwarzes Viereck über die Brustwarze ‹photoshopen› müssen, man jedoch immer noch die ganze Brust sieht, macht das Verbot für mich keinen Sinn mehr. Viel mehr wird damit meiner Meinung nach gezeigt, dass unter der Zensur etwas Ungehöriges und Verbotenes ist und, dass der Nippel einer Frau etwas Ungehöriges ist. Das finde ich schrecklich.»

Was wären für dich persönlich angemessene Richtlinien auf Instagram, um die «Nippel» Diskussion zu beenden?

«Ich wäre dafür, dass man die Geschlechter gleich behandelt und entweder die Nippel beider Geschlechter gezeigt werden dürfen oder nicht. Dies würde für alle die auf Instagram Akt-oder Nacktfotografie aus künstlerischer Intention zeigen, einen grossen Unterschied machen. Denn meiner Meinung nach wurde das ‹Nippel-Verbot› auf Instagram erlassen, um pornografisches Material von der App fernzuhalten. Allerdings gibt es trotz der Verbote pornografisches Material auf Instagram. Was ich mir vorstellen könnte, ist eine Art zusätzliche Barriere, die es auf Youtube auch schon gibt.»

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