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Katja Christ feiert ihren Einzug in den Nationalrat. (Video: Telebasel)

Basel

Katja Christ beerbt Sebastian Frehner

Die Basler GLP nimmt der SVP ihren Nationalratssitz ab. Daneben behält die SP ihre beiden Sitze – und die LDP sowie das Grüne Bündnis behalten je einen.

Den Kanton Basel-Stadt vertreten in den nächsten vier Jahren im Nationalrat die beiden Sozialdemokraten Beat Jans (21’869 Stimmen) und Mustafa Atici (15’310) sowie Sibel Arslan (13’582) von der linken BastA!, die zum Grünen Bündnis gehört, Christoph Eymann von der LDP (13’220) und Katja Christ von der GLP (3816). Die Wahlbeteiligung lag bei 47,7 Prozent.

Die SP profitierte von einer prominenten Doppelkandidatur: SP-Finanzdirektorin Eva Herzog (18’210 Stimmen) schnitt zwar nach SP-Schweiz-Vizepräsident Beat Jans am besten ab auf der SP-Liste.

Weil sie aber erwartungsgemäss auch in den Ständerat gewählt wurde und jenes Amt antritt, rückt nun Mustafa Atici als SP-Drittplatzierter sogleich auf den Nationalratssitz nach.

Zwei Kurden gewählt

Im rotgrünen Verbund verlor die SP 0,5 Punkte Wähleranteile und kommt auf 31,2 Prozent. Das Grüne Bündnis legte 3,6 Punkte zu und liegt nun bei 13,6 Prozent. Vor vier Jahren hatte es 2,1 Punkte eingebüsst.

So wurde nun Sibel Arslan unerwartet klar wiedergewählt, wohl auch dank der Aufmerksamkeit als kurdischstämmige Nationalrätin. 1980 in der Türkei geboren, lebt sie seit 1991 in der Schweiz. Bei den letzten Wahlen hatte sie den Sitz zu Lasten der CVP zurückerobert.

Der ebenfalls kurdischstämmige Mustafa Atici löst derweil die wegen der parteiinternen Amtszeitbeschränkung der Basler SP abtretende Nationalrätin Silvia Schenker ab. Er hatte sich wie Sibel Arslan zuvor im Kantonsparlament profiliert.

SVP grösste Verliererin

Abgewählt wurde als einziger Bisheriger Sebastian Frehner (SVP): Seine Partei verlor gegenüber den Wahlen vor vier Jahren am deutlichsten: minus fünf Punkte auf nun noch 11,5 Prozent. Im Verbund mit ihren Nebenlisten und der EDU reichte das mit zusammen 12,6 Prozent Anteilen nun nicht mehr für den Sitz.

Die Basler SVP blieb nicht nur in der zuletzt dominanten Klimadebatte leise, sondern vergraulte mit internen Querelen die eigene Kundschaft. Dies könnte auch die um 2,7 Prozent tiefere Wahlbeteiligung als 2015 mit erklären.

Innerhalb der grossen bürgerlichen Listenverbindung von LDP, FDP, CVP, GLP, EVP, BDP und Nebenlisten wurde Christoph Eymann als Spitzenkandidat souverän bestätigt, machte aber überaschenderweise weniger Stimmen als Sibel Arslan. Als Nationalrat ist er in Basel heute weniger präsent als im früheren Amt als Erziehungsdirektor.

GLP mit Proporzglück

Diese liberale/Mitte-Listenverbindung holte neben Christoph Eymann einen zweiten Sitz, den sie der SVP abknöpfte. Zugelegt haben nach Parteien die LDP (plus 3,5 auf 14,2 Prozent) und die GLP (+1,4/5,2%); Anteile verloren haben hingegen die FDP (-3,0/5,4%) und die CVP (-2,1/3,4%). So ging der SVP-Sitz am Ende an die GLP-Vertreterin Katja Christ.

Unter dem Strich verschoben sich die Verhältnisse demnach hinter dem Platzhirsch SP: Das Grüne Bündnis liegt neu an dritter statt vierter Stelle, zweiter statt dritter ist neu die LDP. Angesichts dieser erneuten innerliberalen Gewichteverschiebung erstaunt nicht, dass die LDP in Basel-Stadt nicht mit der FDP zu fusionieren gedenkt.

Zeichen für weltoffenes Basel

SP-Vertreter Mustafa Atici bezeichnete seine Wahl als «wunderbaren» Erfolg. Er war bei den Wahlen vor vier Jahren nur knapp von Sibel Arslan überholt worden. Dass mit ihm nun gleich zwei kurdischstämmige Politiker in der fünfköpfigen Nationalratsdelegation Einsitz haben werden, erachtet er als deutliches Zeichen für die Weltoffenheit Basels.

Sibel Arslan selber sieht ihre Wiederwahl als Bestätigung ihrer Arbeit im Nationalrat. Sie war im Vorfeld weitum als Zitterkandidatin gehandelt worden, was sie selber aber nie so empfunden habe: «Ich wurde vor vier Jahren als völlig chancenlos eingestuft und gewählt; ich glaubte stets an meine Wiederwahl als Teil einer stärker werdenden Bewegung, die unter anderem für die Frauenrechte und die Rettung des Klimas einsteht».

Die neu gewählte GLP-Nationalrätin Katja Christ freut sich vor allem über den Aufwind für die Partei, deren Kantonalpräsidentin sie ist: «Als ich vor vier Jahren das Basler Präsidium übernahm, haben wir im Grossen Rat die Fraktionsstärke verloren, deshalb ist meine Wahl jetzt ein tolles Zeichen dafür, dass die politische Mitte auch in Basel als wichtige Kraft wahrgenommen wird», sagte sie.

Der wiedergewählte LDP-Vertreter Christoph Eymann grämt sich nicht über den Umstand, dass er weniger Stimmen erhielt als Arslan. «Ich gönne ihr die Stimmen, glaube aber, dass sie durch ihren Status als Zitterkandidatin einen besonderen Mobilisierungseffekt auslösen konnte.»

Christoph Eymann ist der Auffassung, dass sich an der Qualität des Basler Zusammenhalts in Bern kaum etwas ändern wird: «Wir sind Volksvertreter und keine verschworene Truppe, daran wird sich nichts ändern», sagte er.

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