Featured Video Play Icon
Der Telebasel Talk vom 16. Oktober 2019.

Basel

Der Basler Fremdenlegionär und die Berliner Theaterdichterin

Der Basler René Schüpbach ging mit 17 Jahren in die Fremdenlegion. Jetzt bringt das Theater Basel dramatische Momente seines Lebens auf die Bühne.

Fünf Jahre verbrachte René Schüpbach bei der französischen Fremdenlegion. Seine Erlebnisse verarbeitete der Basler unter dem Pseudonym Felix Meister in seinem Buch «Kanonenfutter für Frankreich».

Dazu schrieb er: «Wie habe ich dies alles verkraftet, die Brutalität des Krieges, die Angst in den Augen des Gegners, die fast unmenschlichen Märsche, die Strapazen bei Hitze und Kälte, die Ausbildung, die von uns das Äusserste abverlangte?» Telebasel realisierte dazu einen Report:

Scheidungskind, Verdingbub, Fremdenlegionär

Nun bringt das Theater Basel Schüpbachs Geschichte auf die Bühne. Die in Zürich geborene Berliner Theaterdichterin Darja Stocker dramatisierte Stationen aus seinem Leben.

Ihr Stück «Hundert Jahre weinen oder hundert Bomben werfen» ist schmerzhafte Kost. Wie «Reto» wegen der Scheidung der Eltern zum Bettnässer wird, wie ihn sein Vater als Verdingbub von Bauer zu Bauer weitergibt, schliesslich die Szene, wie ihn der Vorgesetzte in der Fremdenlegion, ein ehemaliger SS-Sturmbannführer, zwingt, einen algerischen Gefangenen zu erschiessen. Und dies, gerade nachdem er mit eben diesem Gefangenen ein eindringliches Gespräch geführt hatte.

Das Gewaltopfer liegt schon am Boden

Dabei soll nach dem Willen der Autorin auf gewalttätige Aktionen auf der Bühne verzichtet werden. Bei Darja Stocker liegt das Gewaltopfer schon am Boden, wenn das Licht angeht. Oder der Gefangene wird gleich nach der Folterung in eine Gefängniszelle geworfen.

Wir erfahren von Demütigung und Gewalt in den Gesichtern der Darsteller, wenn sie darüber berichten, was ihnen widerfahren ist. Insofern ähnelt die Dramaturgie antiken Stoffen, in denen Krieg und andere Untaten das Publikum über den Rapport eines Beobachters oder Beteiligten erschüttern.

In der Spielzeit 2015/16 schrieb Darja Stocker für das Theater Basel eine Neuversion des Stückes «Antigone» von Sophokles, die die dramatischen Ereignisse in den Kontext des «arabischen Frühlings» stellte und die Situation der Flüchtlinge mit einbezog. Mit diesem Text wurde Stocker zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen und erhielt 2016 den «Dramatikerpreis des Kulturkreises Deutscher Wirtschaft».

Das Stück «Hundert Jahre Weinen oder hundert Bomben werfen» wird in Uraufführung am Freitag, 18. Oktober 2019, um 20 Uhr am Theater Basel auf der Kleinen Bühne gezeigt. Regie führt Franz-Xaver Mayr, der bereits «Romulus der Grosse» von Friedrich Dürrenmatt im Schauspielhaus inszenierte.

Am Sonntagabend, 27. Oktober 17:30 bis 18:30 Uhr, sprechen Darja Stocker und René Schüpbach im Foyer der Kleinen Bühne über das Stück.

Zuvor sprechen René Schüpbach und Darja Stocker aber ab 18:40 Uhr im Telebasel Talk vom 16. Oktober 2019 über das Stück und ihre Zusammenarbeit.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*