Beatrice Stirnimann weiss, wie sie grosse Künstler nach Basel locken kann. (Archivbild: Keystone)

Basel

«Solche Persönlichkeiten zu treffen, heisst nicht, selber eine solche zu sein»

Beatrice Stirnimann ist CEO der Baloise Session. Im Interview spricht sie über ihre Hartnäckigkeit, Starallüren und Ticketbörsen wie Viagogo und Co.

Zwölf Mitarbeiter, davon zehn in Vollzeit, kümmern sich ganzjährig um die Organisation der Baloise Session. So auch Beatrice Stirnimann, CEO und Promoter des Musikfestivals.

Seit Jahrzehnten lockt Beatrice Stirnimann Superstars aus aller Welt nach Basel. Wenn es draussen dunkel wird und in der Eventhalle das Kerzenlicht angeht, kann sie das Ergebnis ihres ganzen Arbeitsjahres betrachten.

Frau Stirnimann, wie schafft man es, grosse Namen wie Herbert Grönemeyer zu engagieren?

Die Baloise Session hat sich mit der Zeit einen guten Ruf unter den Künstlern erarbeitet. Wenn man Legenden wie Miles Davis, Ray Charles, James Brown – you name it – da hatte, ist es nicht ganz so schwierig, auch andere von uns zu überzeugen. Die Künstler sind untereinander natürlich auch vernetzt und befreundet. Findet Alicia Keys es hier ganz toll, will John Legend auch herkommen.

Natürlich steckt eine Menge Arbeit dahinter. Wir haben einen guten Draht zu Agenten und Managern, schicken immer wieder Anfragen raus, denn: Der stete Tropfen höhlt den Stein. Und schliesslich kommt es auf das Timing an: zur richtigen Zeit mit der richtigen Offerte am richtigen Ort.

Internationale Stars warten gerne mal mit gewissen Starallüren auf, Stichwort Mariah Carey. Können Sie ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?

Wenn man weiss, dass solche Leute das ganze Jahr über unterwegs sind, dauernd in einer neuen Stadt, einem neuen Hotel wohnen, ist es sicherlich angenehm, wenn sie dort Dinge antreffen, die ihnen helfen, sich wohl zu fühlen. Ich habe für bestimmte Gewohnheiten und Wünsche daher Verständnis, zumal ich noch nicht erlebt habe, dass diese aus dem Rahmen fallen.

Wenn grosser Aufwand betrieben wird, um zum Beispiel ein sehr teures Musikinstrument sicher zu lagern, ist das für uns keine Starallüre, sondern business as usual. Mariah Careys Wünsche kenne ich nicht, sie war ja noch nicht da.

Die Baloise Session ist nahezu ausverkauft. Wer jetzt noch Tickets für Grönemeyer oder Snow Patrol ergattern möchte, geht leer aus – oder schaut im Internet auf Ticketbörsen wie Viagogo, Alltickets, etc. Ist das eine gute Idee?

Nein. Wir warnen davor, Tickets von solchen Zweitanbietern zu beziehen. Wenn Sie Glück haben, sind diese «nur» völlig überteuert, oft handelt es sich aber leider um Fakes. Das heisst, diese Tickets gibt es gar nicht und man zahlt dafür, ohne hinterher Tickets zu erhalten. Wenn Besucher bei uns deswegen reklamieren, können wir rein gar nichts tun. Sie haben aber auch selber schuld, denn wir warnen ausdrücklich vor inoffiziellen Portalen.

Wie finden es Ihre Familie und Freunde, dass Sie mit so berühmten Persönlichkeiten zusammenarbeiten? Das ist ja doch ein sehr spezielles und spannendes Berufsumfeld, in dem Sie sich bewegen.

Meine Familie und meine Freunde wissen, dass dies mein Job ist – und dass ich diesen Job über alles liebe. Aber sie wissen zum Glück auch, dass ich mir nichts darauf einbilde, sondern trotzdem ganz einfach nur Beatrice Stirnimann aus Basel bin und bleibe. Man darf selber nie vergessen: Solchen Persönlichkeiten zu begegnen, heisst nicht, selber so eine Persönlichkeit zu sein.

Warum spielen Krokus ihr letztes Konzert ausgerechnet an der Baloise Session?

Krokus ist eine Institution in der Schweiz; sie sind seit 50 Jahren im Geschäft. Jetzt sind sie auf Abschiedstournee und haben sich einen letzten Auftritt bei uns an der Baloise Session gewünscht. Mit ihrem Gig beenden Krokus auch unser Festival 2019, das hat eine schöne und perfekte Symbolik zu dieser Geschichte.

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