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Basel

Eklat bei Basler «Joker»-Vorpremiere

Wegen eines Programmier-Fehlers konnte die «Joker»-Vorpremiere im Pathé nicht im Originalton gezeigt werden. Die Zuschauer verliessen reihenweise den Saal.

Es hätte ein Höhepunkt im Kinojahr werden sollen. Über 300 Kinofans sind am gestrigen Mittwoch zur Vorpremiere des Psycho-Schockers «Joker» ins Basler Pathé-Kino gepilgert. Doch noch keine fünf Sekunden flimmerte der lang ersehnte Streifen über die Leinwand, da blieb dem Kinopublikum bereits das Popcorn im Halse stecken.

Deutsch anstatt Originalton

Was war passiert? Die erste Einstellung im Film zeigt den Joker, wie er sich vor dem Spiegel seine hässliche Fratze schminkt. Im Hintergrund läuft ein Radio, Stimmengewirr, gut verständlich – auf Deutsch! Angekündigt war das Kino-Spektakel jedoch im englischen Originalton. «Der Film begann pünktlich. Doch nach wenigen Sekunden wunderten sich die Ersten bereits: ‹Ist der Film auf Deutsch?›, erzählt ein Leser-Reporter.

Schnell zeigt sich: Im Kino sitzen zahlreiche englischsprachige Gäste, die kein Wort verstehen. Und die, die es verstehen würden, wollen es nicht verstehen: Wie es sich für eingefleischte Filmfans gehört, haben sie sich bewusst für eine Vorpremiere im Originalton entschieden. Deutsche Synchronfassungen sind in solchen Kreisen verpönt.

Nach 30 Minuten geht das Licht an

Die Zuschauer lassen ihrem Ärger freien Lauf, fordern lautstark den Wechsel der Tonspur. Mehrere Dutzend Gäste stehen sogar auf, verlassen wutentbrannt den Saal und beschweren sich beim Personal. Das Problem scheint gelöst, die ersten Rückkehrer vermelden: «Es wird gleich auf Englisch umgestellt».

Doch davon ist vorerst nichts zu sehen, der Film läuft auf Deutsch weiter. Immer mehr Zuschauer stehen auf und verlassen den Saal. Geschlagene 20 Minuten nach Filmstart geht das Licht an und der Duty Manager erscheint. Er erklärt: Aufgrund eines technischen Problems sei der Film nur auf Deutsch verfügbar. Höhnischer Applaus von den Zuschauerrängen.

Grossteil der Fans verlässt den Saal

Rund 200 Gäste packen daraufhin ihre sieben Sachen und verlassen verärgert den Saal. Nur ein kleiner Teil lässt sich auf den Kompromiss ein und schaut den Film halt in Deutsch weiter.

Immerhin: Das Pathé zeigt sich kulant und erstattet den brüskierten «Joker»-Fans den Eintrittspreis zurück. Wer möchte, bekommt anstatt einem sogar zwei Kinogutscheine samt Verzehrbons geschenkt. Vor den Kassen bildet sich eine Schlange bis weit in die Gänge hinein.

Das Personal ist vom Andrang überrumpelt, vergisst im Eifer des Gefechts gar den Film für die Dagebliebenen wieder zu starten. Die Folge: erneute Proteste aus dem Saal. Trotz einiger wütender Besucher: «Die Stimmung war überrascht und enttäuscht. Aber nicht aggressiv oder so», erzählt der Leser-Reporter.

Programmier-Fehler verhindert gelungene Vorpremiere

Nach und nach sickert durch, wo der Wurm versteckt ist: ein Programmier-Fehler. Anstatt die Originalversion wurde ganz einfach die Deutsche Version programmiert. Die englische Version zu laden, hätte gut fünf Stunden gedauert, weshalb ein Wechsel auf Originalton am selben Abend nicht mehr möglich war, erklärt der Duty Manager vor Ort.

Den «Joker»-Fans wird das reichlich egal sein. Sie müssen wohl oder übel nochmals antraben. Ob sie auch im zweiten Versuch das Pathé in der Steinen ansteuern, bleibt jedoch fraglich. Ein offizielles Statement von Seiten des Pathés liegt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.

Waren Sie am Mittwochabend auch im Pathé-Kino? Erzählen Sie uns davon. 

1 Kommentar

  1. Bravo an jeden, der den Saal verlassen hat. Der Synchronisationswahn in den Kinos hat mittlerweile leider Überhand genommen. Sogar Filme, welche eher für ein Erwachsenenpublikum gedacht sind, werden kaum noch mit Originalton gespielt (jüngstes Beispiel «Rambo: Last Blood). Als ehemals fleissiger Kinogänger ist dies einer der Hauptgründe, dass ich kaum noch ins Kino gehe; wahrscheinlich werden damit aber ein paar Lesefaule mehr ins Publikum gelockt. Was die anderen Gründe sind, fragen Sie? Insbesondere das zunehmende Verhalten eines Teil des Publikums sich im Kinosaal, wie im Wohnzimmer zu benehmen. Laut quasseln (“schliesslich habe ich bezahlt”) und nicht im Stande sein, einmal für 2 Stunden das Handy im Sack zu lassen und dafür meinen den Saal bescheinen zu müssen. Das scheint den Kinobetreibern aber auch ziemlich egal zu sein. Als Filmfan bin ich heute ein Nervenbündel sobald ich in einem Kinosaal Platz nehme, aus Sorge irgendein Simpel verdirbt mir wieder einmal das Filmvergnügen.

    End rant.Report

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