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Basel

Bäume werden gefällt – trotz Anwohner-Protest

Im Winter sollen in Basel 241 Bäume gefällt und ersetzt werden. Besonders der Morgartenring ist betroffen. Eine Anwohnerin ist frustriert.

Im Rahmen einer jährlichen Kontrolle des gesamten Basler Baumbestands haben die Baumspezialisten der Stadtgärtnerei 241 Bäume als «potenziell gefährlich» eingestuft.

Die Bäume sollen deshalb im Winter gefällt werden. Das teilt das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) am Dienstag mit. Die Bäume stünden nicht mehr stabil,  oder Äste drohten, abzubrechen. Bei einem Sturm könnten sie knicken und dabei Schaden anrichten oder Personen verletzen.

Durch Trockenheit und Hitze seien die Bäume geschwächt und anfälliger auf Schädlinge oder Krankheiten. Das zeigt sich laut BVD besonders deutlich am Morgartenring. Dort müssten 32 Weiss-Eschen gefällt werden. Spätestens im Herbst 2020 werden diese gemäss Mitteilung mit einer geeigneteren Baumart ersetzt.

Die Neupflanzungen sollen von einer robusteren Sorte sein. Die Stadt will Alleen und Parkanlagen mit möglichst vielen unterschiedlichen Arten und Sorten bepflanzen.

Die Stadtgärtnerei erneuert jährlich rund ein Prozent des Baumbestandes auf öffentlichem Grund. Dieses Jahr lägen die Baumfällungen über dem Durchschnitt, schreibt das BVD.

«Die Bäume sehen nicht krank aus»

Eine Anwohnerin des Morgartenrings ärgert sich über diese Baumfällungen: Doris Brügger hat an 13 Bäumen zwischen der Wanderstrasse und der General Guisan-Strasse eine rote Markierung entdeckt.

Bereits im letzten Jahr sei ein Baum vor ihrem Haus am Morgartenring gefällt worden, weil er von einem Pilz befallen gewesen sei. Doch bei diesen Bäumen versteht sie die Massnahme nicht: «Für mich sehen die Bäume nicht krank aus», sagt sie gegenüber Telebasel.

Doris Brügger vermutet vielmehr einen anderen Grund hinter den bevorstehenden Fällungen: «Das Schneiden der Bäume kostet den Kanton viel Geld. Junge Bäume verursachen natürlich viel kleinere Kosten, da sie nicht alle zwei Jahre mit schwerem Gerät oder Bergsteigerausrüstung geschnitten werden müssen».

Schatten und Grün fehlen

Die jungen Bäume, die das BVD pflanzen will, werden weniger Schatten spenden. Das wurmt Doris Brügger besonders. Die Sonne würde so ungeschützt auf praktisch die ganze Häuserzeile brennen. «Ich verstehe einfach nicht, dass man das nicht gestaffelt machen kann. So werden der Schatten und das Grün fehlen. Es ist einfach schade, es verändert das ganze Bild.»

Der Entscheid des BVDs jedenfalls macht der Apothekerin zu schaffen – sie fühlt sich wehrlos.

Bäume werden nicht aus Kostengründen gefällt

Auf Anfrage von Telebasel widerspricht die Basler Stadtgärtnerei Frau Brügger. Es stimme nicht, dass ein Jungbaum weniger koste. Zudem hätten die Fällungen nichts mit den Finanzen zu tun. «Wir fällen Bäume sicher nicht, weil sie zu viele Kosten verursachen», beteuert Simon Leuenberger, stellvertretender Leiter Grünflächenunterhalt bei der Stadtgärtnerei.

Zudem gebe ein Jungbaum in den ersten fünf Jahren viel mehr Arbeit als ein ausgewachsener Baum: Zuerst müsse der alte Baum gefällt und entsorgt werden, dann werde der Jungbaum intensiv gepflegt über mehrere Jahre.

Dass mit der Fällung der Bäume am Morgartenring Schatten wegfällt, bedauert Simon Leuenberger zwar, auf das könne die Stadtgärtnerei aber keine Rücksicht nehmen. Denn die Sicherheit gehe vor. «Wir können keinen Baum stehen lassen, bei dem ein gewisses Risiko besteht, dass Leute von einem herabfallenden Ast getroffen werden», so Leuenberger.

Ausserdem halte ein Baum eben nicht ewig – gerade in der Stadt sei dieser wegen des Verkehrs einer grösseren Belastung ausgesetzt.

Mehr dazu ab 18:30 Uhr in den Telebasel News vom 10. Oktober 2019.

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