Featured Video Play Icon

International

Rechtsextremist (27) wollte Massaker in Synagoge anrichten

In Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt ist es vor einer Synagoge zu einer Schiesserei mit zwei Todesopfern gekommen. Der Täter wurde gefasst.
Rechtsextremist wollte Massaker in Synagoge in Halle anrichten

In Deutschland hat ein schwerbewaffneter Täter versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter rund 80 Gläubigen anzurichten. Danach soll der Mann vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben.

Die jüdische Gemeinde entging an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur nur knapp einer Katastrophe. Der mutmassliche rechtsextreme Deutsche aus Sachsen-Anhalt wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwochmittag die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch.

Danach soll der Mann vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen.

Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv.

Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe zudem «ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund». Seehofer sagte weiter: «Der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur ist heute ein schwarzer Tag. Ein schwer bewaffneter Täter hat versucht, in eine Synagoge einzudringen, in der sich rund 80 Menschen aufhielten».

Vorwürfe an die Polizei

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte am Abend: «Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock».

Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Polizei. «Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös.» Er fügte hinzu: «Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen».

Selbstgebastelte Sprengsätze

Bei dem Angriff legte der Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor dem Gotteshaus ab. Eine Frau wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA vor der Synagoge von tödlichen Schüssen getroffen. Etwa 30 Meter vor der Synagoge lag sie auf einer Strasse mit einer blauen Decke bedeckt gegenüber der Synagoge. Das Todesopfer aus dem Döner-Imbiss war ein Mann.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, bestätigte, dass sich der Angriff der Täter direkt gegen die Synagoge richtete.

«Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschiessen», sagte Privorozki der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten». «Aber unsere Türen haben gehalten.»

Kamera auf dem Helm

Die Tat erinnert an den Anschlag eines Rechtsextremisten auf Muslime in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem Mitte März mehr als 50 Menschen getötet worden waren. Wie dieser Täter soll auch der Schütze von Halle eine Kamera auf dem Helm getragen haben. In den sozialen Netzwerken soll er ein Bekennervideo hochgeladen haben.

Darin ist ein junger Mann in Kampfanzug mit weissem Halstuch in einem Auto zu sehen. Der Mann gibt in vermutlich nicht muttersprachlichem Englisch extrem antisemitische Äusserungen von sich. In dem Video sind auch mehrere Schiessszenen zu sehen. Unter anderem zeigt das Video, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt. Das Video liegt DPA vor.

Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus bestätigte der DPA nach einem Telefonat mit Privorozki, der maskierte Täter habe gegen die Tür geschossen, dabei aber nicht in die Synagoge eindringen können. Rund 20 Menschen seien am Nachmittag noch in der Synagoge verschanzt gewesen, darunter auch mehrere Gäste aus den USA.

Laut Salomon wurden auch Flaschen mit Flüssigkeit geworfen. Eine habe die Sukka (Laubhütte), eine andere den Jüdischen Friedhof in unmittelbarer Nähe und eine den Hof der Synagoge getroffen. Nur die Flasche gegen den Friedhof habe sich entzündet.

US-Botschafter Richard Grenell sagte, zehn Amerikaner seien in der Synagoge gewesen. «Alle sind sicher und unverletzt», schrieb Grenell auf Twitter. Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich über die Lage und sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid aus.

«Amoklage»

Die Stadt Halle sprach am frühen Nachmittag von einer «Amoklage» und rief die Menschen überall in Halle dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass mehrere bewaffnete Täter mit einem Auto auf der Flucht seien. Gegen 18.15 Uhr gab sie Entwarnung. «Sie können wieder auf die Strasse, die Warnungen sind aufgehoben», twitterte die Polizei.

Es gab mindestens zwei weitere Verletzte. Sie wurden mit Schussverletzungen in das Universitätsklinikum Halle gebracht, waren aber am Abend ausser Lebensgefahr.

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle, gab es Schüsse. Ein Zusammenhang zu Halle war zunächst von den Behörden aber nicht bestätigt worden.

Die Stadt Halle hatte einen Krisenstab einberufen. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr waren in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei hatte seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt abgezogen und sie nach Halle verlegt.

Schutz von Synagogen verstärkt

Im benachbarten Leipzig hatte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge verstärkt. Auch in anderen deutschen Städten wurde der Schutz von Synagogen verstärkt.

Der Bahnhof von Halle war wegen polizeilicher Ermittlungen vorübergehend gesperrt. Es kam zu Verspätungen. Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen in Mitteldeutschland. Das gelte auch für die Verkehrswege nach Polen und Tschechien, hiess es.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich entsetzt über die Tat. «Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land.»

Schweigeminute

Aus dem Ausland kamen ebenfalls bestürzte Reaktionen. Das EU-Parlament legte eine Schweigeminute für die Opfer ein. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Auch UNO-Generalsekretär António Guterres bewerte den Vorfall als «eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus», teilte ein UNO-Sprecher in New York mit.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel twitterte: «Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen».

Mutmasslicher Täter von Halle soll Bekennervideo verbreitet haben

Der mutmassliche Täter der Angriffe in Halle/Saale soll in den sozialen Netzwerken ein Bekennervideo hochgeladen haben. In dem am Mittwoch verbreiteten Video ist zu sehen, wie offensichtlich in der Innenstadt von Halle geschossen wird.

Unter anderem zeigt das Video, wie in einem Döner-Imbiss auf einen Mann geschossen wird. Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera.

Ausserdem ist zu sehen, wie ein junger Mann in Kampfanzug mit weissem Halstuch in einem Auto sitzt. Der Mann gibt in vermutlich nicht muttersprachlichem Englisch extrem antisemitische Äusserungen von sich. In dem Video sind auch Szenen am jüdischen Friedhof von Halle zu sehen.

Alles deutet auf Einzeltäter hin

Nach den tödlichen Schüssen in Halle/Saale deutet nach Informationen aus Sicherheitskreisen alles auf einen Einzeltäter hin. Das erfuhr die Nachrichtenagentur DPA am Mittwochabend.

Demnach soll es sich den Angaben zufolge um den gefassten Mann handeln, über dessen Festnahme die Polizei bereits am Nachmittag informiert hatte. Zunächst waren die Ermittler von mehreren Angreifern ausgegangen.

Der Täter hatte am Mittwochmittag zwei Menschen erschossen. Die Leiche einer Frau lag nahe einer Synagoge, ein Mann wurde in oder an einem Döner-Imbiss getötet. Ausserdem habe der Täter selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt und versucht, in das jüdische Gotteshaus zu gelangen.

Unterdessen hob die Polizei ihre Warnung vor einer akuten Gefährdungslage für die Bevölkerung auf. «Sie können wieder auf die Strasse, die Warnungen sind aufgehoben», twitterte die Polizei am Mittwochabend. Die Gefährdungslage werde nicht mehr als akut eingestuft.

Täter in Halle legte Sprengsätze vor Synagoge

Bei dem Angriff in Halle/Saale legte ein Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge ab. Der Täter habe versucht, in die Synagoge einzudringen, erfuhr die Nachrichtenagentur DPA am Mittwoch aus Sicherheitskreisen. Es seien dabei mehrere Schüsse gefallen.

Medienberichte, wonach damit das Schloss der Synagoge aufgeschossen werden sollte, blieben zunächst unbestätigt. Am Mittwochmittag waren zwei Menschen erschossen worden.

Eine Frau sei vor dem jüdischen Gotteshaus von den tödlichen Schüssen getroffen worden, erfuhr die DPA weiter. Ob sie ein Zufallsopfer sei, sei unklar. Ausserdem habe es einen männlichen Toten im oder an einem Döner-Imbiss gegeben.

Nach den tödlichen Schüssen wurde ein Verdächtiger festgenommen. Weitere Täter sollten auf der Flucht sein.

Was bislang bekannt ist

Nach tödlichen Schüssen auf zwei Menschen in Halle im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher begründete dies am Mittwoch mit der «besonderen Bedeutung des Falles». Nach Angaben der jüdischen Gemeinde wollte der Angreifer die Türen der Synagoge aufschiessen.

Der Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, sprach von einer «Amoklage». Der Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte zur Übernahme der Ermittlungen durch die Karlsruher Behörde, es gehe hier um «die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland».

Zwei weitere Schwerverletzte

Neben den beiden Todesopfern gab es zudem zwei Schwerverletzte. Wie das Universitätsklinikum der Stadt auf Anfrage am Mittwoch mitteilte, wurden die beiden mit Schussverletzungen in die Klinik eingelieferten Opfer am Mittwochnachmittag operiert. Ob Lebensgefahr bestand, stand zunächst nicht fest.

Die Tat ereignete sich am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. 70 bis 80 Menschen befanden sich deswegen am Mittwoch in der Synagoge. Ob ein Zusammenhang bestand, blieb aber zunächst unklar. Ein offenbar von einem Augenzeugen aufgenommenes Video zeigte einen mit einem Kampfanzug und Helm ausgestatteten Angreifer, der auf offener Strasse mehrere Schüsse abgab.

Bei den Todesopfern handelt es sich nach den Worten einer Polizeisprecherin um einen Mann und eine Frau. Der Mann sei in einem Döner-Imbiss erschossen worden, die Frau in der Humboldtstrasse, in der sich auch die Synagoge befindet. Die beiden wurden gegen Mittag getötet.

Die Polizei sprach zunächst von mehreren mutmasslichen Tätern, die mit einem Auto flüchteten. Ein Tatverdächtiger konnte festgenommen. Details zu dessen Identität blieben zunächst unklar. Die Polizei forderte die Einwohner von Halle auf, wachsam zu bleiben.

Maskiert und mit Sturmgewehr

Ein Zeuge berichtete im Fernsehsender n-tv, dass ein mit Sturmmaske und Helm bekleideter Mann mit einem Sturmgewehr in ein Döner-Restaurant geschossen habe. Zuvor habe der Angreifer eine Art Sprengsatz geworfen, der aber an der Fassade abgeprallt und explodiert sei. In dem Döner-Imbiss hätten sich insgesamt fünf bis sechs Gäste aufgehalten, sagte der Zeuge. Er selbst habe sich in der Toilette versteckt.

In welche Richtung die mutmasslichen Täter flüchteten, war noch unbekannt. Die Polizei forderte die Menschen in Halle auf, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen. Der Hauptbahnhof wurde wegen des Einsatzes gesperrt, wie die Bahn mitteilte. Auch der Nahverkehrsbetrieb stellte seinen Liniendienst ein.

Alarm auch in Landsberg

Das Lagezentrum der Landesregierung warnte kurz darauf vor einem «Schusswaffengebrauch im Bereich Landsberg» östlich von Halle. Anwohner wurden ebenfalls aufgefordert, Gebäude und Wohnungen nicht zu verlassen. Die Polizei bestätigte das zunächst nicht.

Nach den tödlichen Schüssen in Halle wurde auch die Polizei im benachbarten Sachsen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Zudem wurde der Schutz jüdischer Einrichtungen ausgeweitet, wie Landesinnenminister Roland Wöller am Mittwoch in Dresden mitteilte.

Die notwendigen operativen Massnahmen würden von einem eigens einberufenen Einsatzstab der Polizei in Leipzig aus geleitet. Die Polizei Sachsen unterstützt darüber hinaus die Polizei in Sachsen-Anhalt mit Einsatzkräften und Technik.

In Leipzig laufen am Mittwoch die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, an denen unter anderem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnimmt. Das am Abend geplante Lichtfest in der Leipziger Innenstadt wird “mit aktuellem Stand” stattfinden, wie die Polizei Sachsen auf Twitter mitteilte. Geprüft werde eine Kräfteaufstockung.

Erste Festnahme

Nach Angaben der Polizei ist nach den tödlichen Schüssen auf offener Strasse am Mittwochmittag eine Person festgenommen worden. «Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam», twitterte die Polizei. Zuvor war von zwei Todesopfern im Paulusviertel der Stadt die Rede gewesen.

Zwei Tote nach Schüssen in Halle

Am Dienstagnachmittag ist es in Halle zu einer Schiesserei gekommen. Zwei Menschen seien dabei ums Leben gekommen, berichtet die deutsche Polizei.

«Wir fahnden mit Hochdruck. Täter flüchtig. Bitte bleiben Sie in ihren Wohnungen oder suchen Sie sichere Orte auf», teilte die Polizei in Halle am Mittwoch per Twitter mit. Das Revolverblatt «Bild» berichtete, die Schüsse seien vor einer Synagoge gefallen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*