Bei der Latino-Bar La Cocina gingen mehrere Unternehmen hops. (Bild: Telebasel)
Basel

Kleinbasler Latino-Bar als «Firmenfriedhof»

La Cocina, ein «totes» Lokal an der Sperrstrasse gibt Rätsel auf. Gleich mehrere Unternehmen gingen an dieser Adresse hops.

Die Fensterscheiben wie auch die Tür sind abgedeckt. Einzig das Logo mit dem Kochtopf weist noch darauf hin, dass hier einst dominikanische Spezialitäten angesagt waren. Ein Aushang an der Eingangstür macht klar, dass das vorbei ist: «Das Restaurant La Cocina bleibt bis zur neuen Erteilung der Betriebsbewilligung geschlossen».

Seit vielen Monaten leer

So weit, so unspektakulär. Nur: Dieses Blatt hängt schon seit mindestens fünf Monaten an der Sperrstrasse. Verändert hat sich seither nichts mehr. Mehrere Anwohner äusserten gegenüber Telebasel die Vermutung, dass das Lokal Probleme mit dem Bau- und Gastgewerbeinspektorat bekommen habe.

Dem ist offenbar nicht so. Wie das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) auf Anfrage von Telebasel schreibt, habe der Wirt den Betrieb per 28. März 2019 ordentlich geschlossen. Die Schliessung sei also nicht von den Behörden veranlasst worden. Zur Vorgeschichte könne das BVD keine Auskunft geben.

Postadresse von Konkursfirmen

Brisant ist aber weniger der Leerstand, sondern eine Begleitgeschichte. Laut Kantonsblatt wurden an der Adresse des Restaurants La Cocina am 10. April gleich vier Firmen aufgelöst. Dies nach dem Entscheid des Zivilgerichts im März dieses Jahres.

Die Liquidationen wurden über vier GmbHs namens Özgöl, Contorium Investment, Cosmopolit Gastro und Ardian Group angeordnet. Zudem wurde gegen eine gewisse IMG GmbH das Konkursverfahren abgeschlossen.

Fast zeitgleich mit dem Ende des Restaurants wurden an der gleichen Adresse gleich mehrere Firmen «beerdigt» über die kaum etwas bekannt ist.

«Firmenbestatter» hält den Kopf hin

Als Postempfänger der aufgelösten Firma steht jeweils ein Schweizer namens W. –  mit eben jener Adresse des Restaurants La Cocina. Die «Schweiz am Wochenende» erwähnte den Mann in einem Artikel von 2017 über sogenannte «Firmenbestatter».

Dabei wird sein bemerkenswertes Geschäftsmodell beschrieben. Gegen ein Entgelt von mehreren tausend Franken soll Herr W. verschuldete Kleinunternehmen übernehmen, die dann nach einigen Monaten ohne erkennbare Tätigkeit Konkurs gehen. Dabei erscheine jeweils Herr W. im Handelsregister als Referenz.

Laut «Schweiz am Wochenende», könnten die «eigentlichen Schuldenverursacher» auf diese Weise «mit unbelastetem Leumund» eine neue Firma gründen.

Nicht die erste dominikanische Beiz

Eben dieser Postempfänger für die Konkursfirmen wirbt auch in älteren Youtube-Videos für lateinamerikanische Spezialitäten im Lokal La Cocina. Vorher führte er das ebenfalls dominikanische Restaurant El Platanero an der Webergasse. Dieses wurde 2006 nach mehreren Vorkommnissen polizeilich geschlossen. Im Jahr 2007 sorgte El Platanero wegen einer Messerstecherei erneut für Schlagzeilen. 

Leider waren bis jetzt weder Herr W. noch der Eigentümer der Liegenschaft für ein Gespräch erreichbar. Somit ist unklar, wie es zu diesem «Firmenfriedhof» in der dominikanischen Beiz kam und was nun mit den leeren Räumlichkeiten an der Sperrstrasse passiert.

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