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Der Telebasel News Beitrag vom 2. Oktober 2019.

Basel

Trick-Magierinnen blitzen vor Appellationsgericht ab

Zwei «Wahrsagerinnen» wurden wegen Trickbetrügerei verurteilt. Die beiden Frauen legten beim Appellationsgericht Berufung ein – und blitzten am Mittwoch ab.

Alles begann im Lift des Pfauen-Coops. Eine der mutmasslichen Täterinnen, C., sprach die Kundin T. an. Sie verwickelte die Dame in ein längeres Gespräch im Restaurant. Dabei mimte sie die Wahrsagerin und liess ihre Gesprächspartnerin glauben, sie wisse alles über Frau T.

Die psychologischen Tricks funktionierten offenbar. Frau C. erzählte der Coop-Kundin von einer indischen Wurzel, die bei ihren Problemen helfen könnte. Ein Bankdirektor habe für dieses Wundermittel gar 50’000 Franken hingeblättert.

80’000 Franken, um Todesfluch abzuwenden

So beginnt die Geschichte in der Urteilsschrift des Basler Strafgerichts. Das Täuschungsmanöver traf anno 2017 ins Schwarze. Frau T. bezog 3’000 Franken am Geldautomaten und überreichte sie der falschen Helferin. Damit war das Blendwerk noch nicht fertig. C. will in ihrer Kristallkugel gesehen haben, dass Leute Frau T. Böses antun wollen. Sie suggerierte gar, das Leben ihres Sohns sei in Gefahr. Um einen Fluch abzuwenden, soll sie gar 80’000 Franken verlangt haben.

Langsam hegte Frau T. aber Zweifel und alarmierte die Polizei. Bei der vereinbarten Geldübergabe gingen die falschen Magierinnen ins Netz. Die Polizei fasste sowohl C. wie auch eine Komplizin, welche die Umgebung absichern wollte.

Das Strafgericht verurteilte im Jahr 2018 Frau C. wegen Betrugs und versuchten Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Ihre Komplizin erhielt sechs Monate bedingt wegen versuchten Betrugs. Die beiden mutmasslichen Täterinnen ziehen das Urteil nun weiter. Am Mittwoch fechten sie es vor dem Basler Appellationsgericht an.

Urteil bestätigt: Schuldig

Die beiden Angeklagten wurden der Tat schuldig gesprochen. Das Urteil des Strafgerichts wurde vom Appellationsgericht am Mittwoch bestätigt. Trotz Argumente der Verteidigung, dass Frau T. ihrer Gutgläubigkeit selbst schuldig sei und ein Strafverfahren allgemein unangebracht sei, sah das Gericht das Urteil des Strafgerichts aus dem Jahre 2018 als berechtigt und angemessen.

«Es ist einem schon fast peinlich»

Es kann einem unvorstellbar vorkommen, dass man jemals für eine Wurzel mehrere Tausend Franken zahlen würde. So erging es auch Frau T. Das Opfer des Wurzelbetrugs äussert sich gegenüber Telebasel: «Es ist einem schon fast peinlich, so einem Trickbetrüger ins Netz gegangen zu sein». Dass ihr jemals so etwas passieren würde, hätte sie nicht gedacht. «Auf jeden Fall bin ich jetzt viel vorsichtiger». Frau T. hatte emotional mit dem Geschehnis zu kämpfen und viele schlaflose Nächte. Sie erzählte von damals tiefsinnigen und angenehmen Gesprächen. «Ich hätte gerne noch einmal mit Frau C. gesprochen, Auge um Auge. Ich würde sie fragen wollen, wie und vor allem warum sie in der Lage war, so etwas Dreistes zu tun.»

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