Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 28. September 2019

Baselland

«Den Leuten ist manchmal egal, was dort vorne läuft»

In drei Wochen wählt die Schweiz ihr neues Parlament. Doch nirgendwo im Baselbiet gehen anteilsmässig so wenige an die Urne wie in Roggenburg.

In drei Wochen wählt die Schweiz ihr neues Parlament. Neben Gewinnern und Verlierern interessiert jeweils auch die Wahlbeteiligung. Im Baselbiet ist diesbezüglich bisher vor allem eine Gemeinde besonders aufgefallen: Roggenburg. Jedoch war die Wahlbeteiligung hier nicht besonders hoch, sondern besonders tief. Ein Blick auf die eidgenössischen und kantonalen Wahlen der letzten vier Jahre zeigt, die Beteiligung lag jeweils im Bereich von 20 – 35 Prozent der Stimmberechtigten. Als besonderer Tiefpunkt kann die Landratswahl 2015 bezeichnet werden. Nur gerade 19.5 Prozent gingen damals an die Urnen.

Wahlbeteiligung in Roggenburg

Telebasel hat das Dorf am hintersten Ende des Bezirks Laufen heute besucht. Gemeindevizepräsident Urs Christen (parteilos) legt Wert darauf, dass seine Mitbürger nicht per se politikverdrossen seien. An die Gemeindeversammlung kämen jeweils 40 bis 60 Prozent der Stimmberechtigen. Generell sei die Verbundenheit mit dem Dorf und unter den Einwohnern sehr gross. Vielen sei deshalb nicht so wichtig, was politisch ausserhalb passiert.

Gemeinde vom Kanton getrennt

Dies liegt wohl auch an der geografischen Isoliertheit des Dorfes. Roggenburg ist eine Exklave des Baselbiets, eingeschlossen von Frankreich und den Kantonen Jura und Solothurn. Vom Bezirkshauptort Laufen sind es rund 15 Kilometer den Berg hinauf. So kann sich auch Stefan Aeberhard, der im Dorf einen Getränkehandel betreibt, vorstellen, dass die relativ grosse Entfernung zum Kantonshauptort Liestal und früher zu Bern einen Beitrag zur tiefen Stimmbeteiligung leistet.

Lage von Roggenburg, ganz am Rande des Baselbiets

«Vielleicht geht es uns hier hinten einfach zu gut», meint die Roggenburgerin Michaela Christen. Sie verweist auf die idyllische Lage und den engen Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft. Dem schliesst sich ihr Mann und Gemeindevizepräsident Urs Christen an. Aus Sicht der kommunalen Politik stehe die Gemeinde im Vordergrund. «Den Leuten ist manchmal egal, was dort vorne läuft, weil bis es zu uns kommt, das braucht Zeit und ist für uns sicher nicht so zentral.» Trotzdem wünschte sich Christen, dass bald wieder einmal jemand aus dem Laufental nach Bern gewählt wird. Denn das Tal habe wichtige Anliegen, wie das bewältigen verschiedener Verkehrsprobleme. Jedoch wird wohl auch dieser Wunsch kaum dazu führen, dass die Wahlbeteiligung in Roggenburg bald wieder steigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*