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Der Telebasel Report vom 25. September 2019.

Basel

Report: Anita Fetz tritt ab

Grossrätin, Nationalrätin, Ständerätin – Anita Fetz erreichte beinahe alles, was es in der Schweiz politisch zu erreichen gibt. Nun tritt die Baslerin zurück.

Ihre Karriere beginnt mit einem Knall. Und zwar wortwörtlich: Der Legende nach soll ihr der langjährige SP-Präsident Helmut Hubacher 1980 vor den Augen der Öffentlichkeit eine geknallt haben. Warum? Die junge Feministin Fetz, damals in der Organisation für die Sache der Frau (OFRA) engagiert, hat mitten in der 1. Mai-Feier auf dem Basler Marktplatz das Rednerpult gestürmt. Dies, weil auf der Liste der Redner keine einzige Frau aufgeführt war.

Das musste Fetz ändern, schliesslich hätten auch die Frauen etwas zu sagen. Es kommt zum Tumult und – eben dieser vermeintlichen Handgreiflichkeit Hubachers. «Vermeintlich», weil sich heute niemand mehr so recht an den Vorfall erinnern möchte: «Ich habe mehrere abbekommen, aber ob eine davon wirklich von Hubacher kam, das weiss ich nicht mehr», sagt Fetz heute. Hubacher selbst war für den Report in den letzten Tagen nicht erreichbar.

Zu feiern gab es für Anita Fetz genug: Hier die erneute Wahl in den Ständerat 2015. (Bild: Telebasel)

Start in beachtliche Polit-Karriere

Der grosse Knall war jedenfalls der Start zu einer eindrücklichen Karriere von Anita Fetz. Danach wurde sie nämlich schon bald in den Grossen Rat gewählt, später in den Nationalrat und 2003 schlussendlich in den Ständerat. Im Wahlkampf für letzteres Amt hatte sie selbst gestandene Politikerinnen wie LDP-Präsidentin Christine Wirz-von Planta hinter sich gelassen. Diese erinnert sich noch gut: «Fetz war sehr forsch, sicher einiges forscher als ich. Damit hatte sie ja auch Erfolg und deshalb ist es in Ordnung.»

Ebenfalls zu den Geschlagenen zählen muss sich der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Er unterlag Fetz im Ständerats-Wahlkampf 2011: «Wären wir in Uri gegeneinander angetreten, hätte ich wahrscheinlich gewonnen, aber in Basel ist es als Bürgerlicher halt schwierig», sagt Frehner. Er gesteht jedoch auch ein, dass es Fetz mit ihrer «gmögigen» Art stets gelungen ist, auch im bürgerlichen Lager Stimmen abzuholen. «Wobei das oft auch nur Masche war. Da konnte sie vor den Wahlen bürgerliche Sprüche rauslassen und sobald sie gewählt war vier Jahre lang konsequente Links-Politik betreiben.»

Freie Minuten gab es für Anita Fetz in den letzten 30 Jahren wenige. Wenn, dann flitzte Fetz nicht selten joggend durch die Stadt. (Bild: Telebasel)

Laut, aufgestellt, humorvoll

In Bundesbern lässt sich jedenfalls kaum jemand finden, der grundsätzlich ein Problem mit Anita Fetz hätte. Das liege an ihrer aufgestellten, humorvollen Art, ist man sich sicher. Denn während es vielen Politikern und Politikerinnen von links nie in den Sinn kommen würde, mit einem SVP-Vertreter auszugehen, hatte Fetz in all den Jahren so manches Bier mit Rechts getrunken. Inhaltlich knallhart, sobald die Debatte vorbei ist aber wieder für Spässchen aufgelegt.

Genervt hat sich der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann einzig an Fetz’ Agrarpolitik: «Da tat sie manchmal so, als klebe der Stallgeruch an ihr, obwohl sie vom Leben eines Bauers keine Ahnung hat.» Vermissen werde er die pointierten Voten seiner Ständerats-Kollegin aber schon und fügt schmunzelnd an: «Obwohl: Vielleicht sind die Sitzungen ohne Fetz jetzt endlich wieder etwas kürzer.»

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