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Der Telebasel News Beitrag vom 29. September 2019

Basel

Katzen-Elend im St. Johann spitzt sich zu

Zum Wohl der Katzen? Im St. Johann arbeiten einige Anwohner gegen die zuständigen Tierschutzorganisationen. Teilweise käme es sogar zu Handgreiflichkeiten.

Wilde, erkrankte Katzen: Das ist etwas, das viele Schweizer nur aus dem Urlaub, etwa in Griechenland, kennen. Aber auch die Schweiz habe ein «massives» Problem mit verwilderten und vernachlässigten Katzen, sagt Esther Geisser, Gründerin und Präsidentin der Tierschutzorganisation NetAP. Nicht nur in ländlichen Gegenden, auch in Städten wie Basel, zum Beispiel im St. Johann, würden die Tiere leiden.

Die Geschichte beginnt letztes Jahr. Als die Tierschutzorganisation NetAP zum ersten Mal auf das Gebiet im St. Johann aufmerksam wurde, war schnell klar, dass hier vor der französischen Grenze eine prekäre Situation vorherrscht. «Wir haben eine schwer erkrankte Katze geborgen, da war klar, dass wir handeln müssen», erzählt Esther Geisser. Kurzum habe man mit dem Veterinäramt Basel-Stadt Kontakt aufgenommen und eine Bewilligung beantragt, Katzen vor Ort einzufangen, zu behandeln und kastrieren zu dürfen. Diese sei rasch erteilt worden.

Anwohner legen Steine in den Weg

Seit Vorliegen der Bewilligung versuchen ehrenamtliche Helfer, die Situation in den Griff zu bekommen. 51 Katzen konnten mittlerweile eingefangen und kastriert werden. Danach werden sie den umliegenden Tierheimen übergeben, vermittelt oder wieder in ihr Revier zurückgebracht. Fast täglich sind auf dem Areal Teams im Einsatz. Doch bis zum heutigen Tag machen einige der Anwohner den Tierschützern das Leben schwer.

«Es gibt Menschen im St. Johann, die gegen das Kastrieren von Katzen sind», sagt Geisser. Diese würden, sobald Helfer vor Ort sind, absichtlich mehr füttern, damit die Katzen satt sind und nicht in die Fallen gehen. Auch wurden Fallen deaktiviert. Vereinzelt kam es sogar zu Handgreiflichkeiten oder es wurden Falschmeldungen gemacht, welche zu Verzögerungen führten.

Wirklich erklären kann sich Esther Geisser das nicht. «Vielleicht machen sich die Leute Sorgen wegen der Kastration. Doch dies ist ein Routine-Eingriff und wichtig. Er bringt nur Vorteile für das Tier. Die Katzen leben länger und gesünder.»

«Es muss definiert sein, wer die Katzen füttert»

Es gäbe aber noch ein weiteres Problem: «Die Tiere werden dort unkontrolliert gefüttert. An einem heissen Sommertag etwa wurde vergammelte Muschelsuppe entdeckt. Wenn das eine Katze frisst, dann kann es zu einer Vergiftung kommen.» Es brauche Futterstellen, um Übersicht zu haben und neue, kranke oder verletzte Katzen umgehend behandeln zu können. Diese Futterstellen müssten dann aber offiziell sein und kontrolliert werden. «Es muss klar geregelt sein, wer wann und womit die Katzen füttert.»

Auch würden immer wieder unkastrierte Katzen aus dem Elsass über die Grenze kommen. Füttert man diese, können sie sich rasant vermehren, was die Kastrationsaktion wiederum in die Länge zieht. «Wenn die Leute uns walten lassen, sollten wir im Winter eigentlich fertig sein», meint Geisser.

Prisca Bernauer, NetAP Koordinatorin BS/BL, im Interview.

Allgemein spricht die Präsidentin aber von einer guten Zusammenarbeit in Basel. Das Veterinäramt Basel-Stadt sowie weitere Tierschutzorganisationen würden an einem Strang ziehen.

Situation wird schlimmer

Schweizweit rechnet NetAP mit rund 100’000 bis 300’000 herrenlosen Katzen. Dazu kämen ebensoviele vernachlässigte Tiere. Und die Situation spitze sich zu. «Noch nie hatten wir so viele Fälle, wie in diesem Jahr. Und ich rette seit vielen Jahren Katzen», sagt Geisser.

Dafür gäbe es mehrere Gründe. Durch die wärmeren Temperaturen würden sich Katzen besser vermehren. Auch hätten soziale Medien eine Auswirkung. «Alle schauen süsse Katzenvideos im Internet und finden dann, so eins will ich auch. Denken dann aber nicht über die Konsequenzen nach und verschenken sie wieder über Facebook oder setzen sie einfach aus, zum Beispiel bei einem Bauernhof.»

In der Schweiz herrscht keine Kastrationspflicht. Ein Gesetz, dass gemäss der Tierschutzorganisation NetAP dringend notwendig wäre.

5 Kommentare

  1. Ich hatte mich auch schon an netap gewant leider waren die sehr unfreundlich und nicht cooperativ ich finde castration wichtig aber nicht das man die babys I’m bauch tötet. Ich habe dan eine andere tierschutz organisation sirnach gefunden mit denen klappte es dann ohne probleme. Ich hatte für alle jungen ein super platz gefunden und erhalte heute noch fotos. Klar sind die 4 wilden imer noch da aber es giebt keine jungen mehr. Und 1ner darf bei der nachbarin sein.Report

  2. An einem solchen Ort wird man nie fertig, ein fertig gibt es nicht und durchkastriert vielleicht für einen Moment. Deshalb ist wichtig, dass auch nachher immer wieder kontrolliert wird was läuft und Neuzugänge kastriert werden. Eine Sysiphusarbeit in einem grossen unübersichtlichen Areal. In den meisten Schrebergartenarealen ist das Füttern von Katzen und Wildtieren gemäss Statuten verboten, nur halten sich viele nicht daran. Sie haben hier schon jahrelang Katzen gefüttert und lassen sich von niemandem vorschreiben was sie zu tun und zu lassen haben. Drum ich wünsche Euch den nötigen Pfuus und Durchhaltewillen ..Danke für Eure ArbeitReport

  3. Den freiwilligen Helfern und NetAP mit ihren Volontären vielen Dank.
    An die Quersteller: Sie sollten sich echt schämen! Es werden schliesslich die Tiere kastriert und nicht Ihr Ego! Geht es Ihnen denn nicht in den Kopf, dass es den Tieren danach besser geht? Dass sie besser leben und Ihnen auf Ihren Gartensitzplätzen weniger Möbel und Utensilien bepinkeln und kaputt machen? Sind Sie einfach nur beschämende Tierhasser? Was haben Sie davon, wenn Sie sich so benehmen? Geht es Ihnen danach besser, weil Sie sich gross fühlen? Es geht mir nicht in den Kopf, wie man so sein kann!Report

  4. Kastration und Chip sollten bei Katzen schon lange Pflicht sein. Bei Hunden ist man da viel strenger, warum bei Katzen nicht. Für mich unbegreiflich.Report

  5. Es wäre an der Zeit das es endlich eine kastrazionspflicht gib. Mann müsste die Leute erwischen können die Tieren aussetzen und büssen das es extrem weh tut.Report

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