Featured Video Play Icon
Der Telebasel Talk vom 24. September 2019 mit Natalie Urwyler.

Basel

«Es braucht einen Wandel im System»

Natalie Urwyler brachte als erste Frau in der Schweiz eine Diskriminierungsklage durch. Die «Prix Courage»-Preisträgerin redet heute im «feministischen Salon».

Ihr Fall machte nationale Schlagzeilen. Natalie Urwyler, damals Ärztin im Berner Inselspital, wurde 2014 nach der Geburt ihrer Tochter gekündigt. Nach fast vierjährigem Rechtsstreit beurteilte das Berner Obergericht im September 2018 Urwylers Entlassung in zweiter Instanz als Rachekündigung. Urwyler hätte wieder eingestellt werden müssen. Doch die Inselgruppe tat dies nicht. Nach der Ent­lassung hatte Urwyler die grösste Mühe, eine neue Stelle zu finden. Bei einem Vorstellungs­gespräch sagte man ihr: Man sei vor ihr gewarnt worden. Die Work-Zeitung zeichnete den komplexen Fall nach.

«Chefärzte halten sich für Übermenschen»

Im November erhielt Urwyler den «Beobacher Prix Courage». Die NZZ notierte: Damit war Urwyler die erste Frau, die in der Schweiz mit einer Diskriminierungsklage aufgrund des Gleichstellungsgesetzes gegen einen Konzern durchgedrungen war.

(Video: Youtube/Beobachter Online)

«Mit Zivilcourage kämpfte Natalie Urwyler jahrelang für die Gleichstellung der Frauen in den Spitälern. Ihr war bewusst, dass ihre Hartnäckigkeit zu mehr Feinden als Freunden führen würde; im ärztlichen Kader des Inselspitals sind 90 Prozent Männer beschäftigt, es geht hierarchisch zu und her, viele Chefärzte halten sich noch immer für Übermenschen – und benehmen sich auch so», sagte Juryleiterin und ehemalige Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli.

Ärztinnen: schlechter gestellt, schlechter bezahlt

Nun tritt Natalie Urwyler auf Einladung der Soziologin Franziska Schutzbach im «feministischen Salon» auf, der auch von der Basler Gleichstellungskommission organisiert wird. Auf der Themenliste stehen Gleichstellungsprobleme im Gesundheitswesen und Diskriminierung am Arbeitsplatz. So publizierte der Berufsverband FMH Zahlen, die belegen, dass die Hierarchien in unseren Spitälern krass männerdominiert sind: «Der Frauenanteil liegt bei den Assistenzärztinnen und Assistenzärzten bei 58,6 Prozent, auf Oberarztstufe bei 47,9 Prozent, bei der leitenden Ärzteschaft bei 24,5 Prozent und auf Chefarztebene bei 12,4 Prozent.»

Eine Lohnanalyse (2009 – 2014) im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit ergab, dass Ärztinnen 29 Prozent weniger verdienen als Ärzte. Für Natalie Urwyler ist der Rechtsstreit mit dem Berner Inselspital übrigens nicht beendet. Ihre Klage gegen Lohndiskriminierung ist noch immer hängig. Bis der Konflikt eskalierte hatte Urwyler zehn Jahre in der «Insle» (O-Ton Urwyler) gearbeitet: «Sie war meine Heimat».

Der feministische Salon: Unternehmen Mitte, 20.00 bis 21.30 Uhr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*