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John Henry schildert das Erlebte im Interview. (Video: Telebasel)
Basel

«Dann hat er mich gepackt und zu Boden geschlagen»

Ein leukämiekranker Basler Musiker wurde bei einer Personenkontrolle verletzt und kritisiert nun die Polizei. Diese verteidigt ihr Vorgehen.

Eigentlich wollte Gianluca Cutrufello nur ein paar Brötchen kaufen. Der Gang zur Bäckerei nahm aber einen bösen Ausgang. Vor der Telebasel-Kamera zeigt er sein blaues Auge, ein angeschwollenes Handgelenk sowie Prellungen an der Schulter.

Gianluca Cutrufello zeigt seine Verletzungen auf Facebook: 

Der Basler Musiker, der unter dem Künstlernamen John Henry auf der Bühne steht, war am Sonntagmorgen an der Mülhauserstrasse unterwegs. Dabei kam ihm eine Patrouille entgegen. Die Polizisten verlangten einen Ausweis. Cutrufello, der seit sechs Jahren an Leukämie leidet und unter anderem von Chemotherapien gezeichnet ist, wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Zudem habe er beim Gang zur Bäckerei keinen Ausweis bei sich gehabt.

Verwechslungen wegen seines Äusseren

«Ich erklärte, dass ich krank bin und darum mein äusseres Erscheinungsbild verwechselt werden kann», erklärt er gegenüber Telebasel. Immer wieder komme es nämlich vor, dass er von Polizisten, Securityleuten oder Ladendetektiven fälschlicherweise als Junkie, Ausgangsleiche oder zwielichtige Person schubladisiert und kontrolliert werde.

Tatsächlich war offenbar das Erscheinungsbild von Gianluca Cutrufello ausschlaggebend für die Personenkontrolle. Polizeisprecher Martin Schütz bestätigt auf Anfrage von Telebasel schriftlich, dass der Musiker der Patrouillenfahrt aufgefallen sei, «weil er auf sie einen hilflosen und gesundheitlich angeschlagenen Eindruck machte». Die Polizisten hätten ihn nach Namen und Ausweis gefragt, um ausschliessen zu können, dass er von einer Institution abhängig ist.

IV-Rentner kritisiert ruppiges Verhalten

Gianluca Cutrufello empfand dieses Vorgehen als entwürdigend. Er wollte daher den Grund für die Personenkontrolle wissen. Er spazierte schliesslich weiter und schlug die zupackende Hand eines Polizisten weg. «Dann hat er mich gepackt und mit dem Kopf zu Boden geschlagen, hockte auf mich drauf und holte Handschellen.»

Der junge IV-Rentner wies auf seinen fragilen Zustand hin. «Ich habe erzählt, dass ich Osteoporose habe, er nicht zu wild tun soll – doch das hat ihn nicht interessiert», ärgert sich John Henry. Anschliessend wurde er mit auf den Kannenfeldposten genommen. Wie Cutrufello erzählt, sollen dabei auch Drohungen – «Ich hau dir eine Faust» – sowie Schimpfwörter gefallen sein. Zudem wirft er den Uniformierten vor, sich über ihn und seine Aufmachung mokiert zu haben.

«Ein ganz normales polizeiliches Vorgehen»

Martin Schütz weist diese Vorwürfe zurück. Er betont, dass den Uniformierten die gesundheitliche Situation klar gewesen sei: «Sie hatten zu keiner Zeit Interesse an einer Eskalation und es hat sich auch niemand über ihn oder seine Situation lustig gemacht.» Der Mediensprecher bestätigt aber, dass die Uniformierten den jungen Mann zurückhielten, um dessen Personalien zu erfahren. Dies sei ein ganz normales polizeiliches Vorgehen.

Der Mann habe aber nicht kooperiert und versucht, sich loszureissen und mit Armen und Beinen um sich geschlagen. «Um sich zu schützen, führten ihn die Polizisten zu Boden – dabei und bei späteren Abwehrhaltungen dürften die Verletzungen entstanden sein», schreibt Schütz. Es sei zudem gesetzlich möglich, eine Person, die sich weigert, ihren Namen zu nennen, mit auf die Polizeiwache zu nehmen. «Aus Sicht der Kantonspolizei ist die Personenkontrolle angemessen gewesen und korrekt verlaufen», so das Fazit aus polizeilicher Sicht.

«Ich kann mich ja gar nicht wehren»

Gianluca Cutrufello sieht das anders. «Man hat mich nach unten gedrückt und das hat weh getan.» Natürlich habe er da reflexartig gestrampelt. «Aber ich kann mich ja gar nicht wehren», sagt Cutrufello und zeigt auf seine körperliche Verfassung.

Jedenfalls trägt der Musiker Spuren der Personenkontrolle. Laut Polizei wurde ihm auf dem Posten eine Erstversorgung angeboten, was der Mann aber verweigert habe. Wie Cutrufello erzählt, habe er sich – noch mit Blut im Gesicht – zur Wohnung seiner Freundin aufgemacht, die beim Ausschlafen dessen Fernbleiben nicht bemerkte. Anschliessend begaben sich die beiden zur Notfallabteilung des Spitals. Gegenüber Telebasel sagte Cutrufello nun, er wolle eine Strafanzeige einreichen.

6 Kommentare

  1. Die Polizei missbraucht nicht nur in Basel ihre Position. Auch ich wurde schon von der Polizei in einem zivilen Auto provoziert. Sie haben an einer Strassenverengung angehalten, ohne sichtbaren Grund. Ich konnte nicht vorbeifahren. So habe ich meine Hupe benutzt. Fazit: 40 Fr. Busse. Die Polizei dein Freund und Helfer?Report

  2. Naja, hätte er einfach seinen Namen genannt wäre die Kontrolle wohl nach einer Minute erledigt gewesen. Klassischer Fall von ‚selberschuld‘.Report

  3. So etwas dürfte wirklich nicht und niemals passieren. Hat unsere Polizei so wenig Respekt und Einfühlungsvermögen? Haarsträubend!Report

  4. Aus der Sicht der Polizei scheint jedes Mittel Recht zu sein, um das Volk zu foppen. Kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit Händen und Füssen gewehrt hat. Ich finde es unverhältnissmässig. Die Dealer aber mit Samthandschuhen anfassen! Zudem war er alleine. Sowas nennt man «Polizeistaat», «Justizwillkür» mit einer Brise «Basler Rechtskultur». Schade. Der Schütz, der Yerguz, der Roth vom JSD und der Glauser von der Stawa haben immer die passenden Worte, um die Polizei zu schützen, egal zu welchem Preise. Schade.Report

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