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Der Telebasel News Beitrag vom 22. September 2019

Basel

«Katzen-Götti» vom Santihans muss Futterstelle räumen

Ein harter Schlag für den Tierfreund und IV-Rentner Sascha von Sawilski. Die Behörden verbieten ihm, beim Lysbüchel verwilderte Katzen zu füttern.

«Es ist ja alles gut, du musst keinen Stress haben.» Liebevoll redet Sascha von Sawilski auf das kleine Tigerkätzen ein, das sich an den Futternapf gewagt hat. Der Mann kennt die Charakterzüge und die Vorlieben seiner Schützlinge. Die verwilderten Katzen beim Industrieareal Lysbüchel sind seine Freunde. Seit rund einem Jahr fährt Sascha von Sawilski jeden Abend zum unscheinbaren Strässlein «Am Bachgraben». Mit dabei hat er stets eine Tüte Katzenfutter aus dem Supermarkt, Milch und frisches Wasser.

Der Oberkörper voller Katzen-Tattoos

Eingeklemmt zwischen einem Lastwagenparkplatz, Schlachthof und Recyclingpark steht hinter dem Gebüsch eine kleine Verpflegungsstätte für Katzen. Schon vorher gab es gleich bei der Grenze zum Elsass Anwohner, welche die Katzen fütterten. Von Sawilski hat aber eigens noch Katzengras gepflanzt und Plexiglashäusschen für Schlechtwetterphasen gezimmert.

Der gelernte Glaser ist seit über zwanzig Jahren IV-Rentner. In seinem Alltag sind die Stubentiger sein Ein und Alles. «Das erfüllt mich hier einfach, das mit den Katzen. Ich bin im positiven Sinn ein Katzenverrückter», sagt von Sawilski. Die kleinen Fleischfresser gehen ihm nicht nur unter, sondern auf die Haut. Auf Tätowierungen sind alle seine Hauskatzen verewigt, auch die verstorbenen. Mehrere davon hat er eigens gezähmt.

Behörden fürchten Rattenplage

Sein Einsatz für die Strassenkatzen im St. Johann findet nun aber ein jähes Ende. Anfang September bekam er vom Tiefbauamt eine Verfügung. Die Futterstation, die er auf öffentlichem Raum betreibt, ist nicht erlaubt. Wie das Veterinär- und Tiefbauamt in einer gemeinsamen Antwort auf eine Anfrage von Telebasel schreiben, habe die Verfügung auch andere Gründe.

«Wenn die verwilderten Hauskatzen übermässig gefüttert werden, ohne eine gleichzeitige Kontrolle der Population durch Kastration zu gewährleisten, so steigt die Population der Tiere rasant an.» Sascha von Sawilski betont jedoch gegenüber Telebasel, dass die Katzen in diesem Gebiet kastriert seien. Dafür habe eine Tierschutzorganisation gesorgt.

Die Verfügung der Behörden hat aber auch hygienische Gründe. «Das Errichten von grossen, unkontrollierten und immer zugänglichen Futterstellen ist auch in Hinblick auf die Zunahme von Schädlingen wie Ratten, Krähen und Mäusen, die durch das Katzenfutter angelockt werden, problematisch.»

Verwilderte Freunde bleiben Freunde

Sascha von Sawilski hingegen findet, er wolle eben gerade das Gegenteil erreichen und an dieser Ecke für mehr Ordnung sorgen. «Ich wollte den Katzen einfach sauberes Futter und Wasser geben.» Dabei wolle er verhindern, dass andere Leute aus falsch verstandener Tierliebe vergammeltes Fleisch dort lassen, wie es immer wieder vorkomme. «Warum sollen die Katzen von Abfall leben, der mehr Seuchen und all das, was sie mir vorwerfen, hervorrufen würde?», fragt er sich.

Bis am 27. September muss der Katzen-Götti seine Futterstation räumen. Wie er gegenüber Telebasel sagt, akzeptiere er die Verfügung der Behörden. Trotzdem wolle er sich im Rahmen des Möglichen auch in Zukunft für seine verwilderten Freunde kümmern.

8 Kommentare

  1. Guten Tag
    Diese Entwicklung macht mir sorgen. Sind wir ehrlich:
    Das zuständige Veterinäramt hat vermutlich im Auftrag des Baudepartements einen ersten Schritt zur Räumung dieses schönen Grünen Flecks veranlasst, weil da sicher bald auch wieder etwas hingebaut wird.
    Das Veterinäramt hätte nie ersatzlos eine so kurzfristige Räumung des Areals veranlasst. Hier besteht Druck von der Immo-Wirtschaft zu Grossrat, Grossrat zu Baudepartement und schliesslich zu Veterinäramt welche dann die Sündenböcke für die resultierende Räumung sind. Finde ich schade, denn das Veterinäramt hätte dies nie aus eigenem Interesse gemacht.
    Fazit: Bauwirtschaft auf Kosten dieser Hilfebedürftigen Katzen welche nun in der kalten Jahreszeit frieren und hungern werden.
    Manchmal wünsche ich mir einfach mehr Rücksicht auf die ethik und Moral unserer Tiere.
    Ich hoffe mein Beitrag wird von den verantwortlichen Personen gelesen und dass sich jeder etwas Gedanken darüber macht.Report

  2. Frage mich für was ein Veterinäramt überhaupt noch besteht. Fälle und Fälle, aber zG der Tiere wird so viel wie nichts gemacht. Dazu alle diese Tierorganisationen, was machen sie KONKRET gegen Tierleid, ausser Briefe zu schicken um Spenden einzuholen ? (Ausser einigen natürlich….). Wenn es wirklich darauf ankommt, sich gegen etwas durchzusetzen ist von denen jede Ausrede gut…. (aus eigener Erfahrung….)Report

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