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Schweiz

Bevölkerung will mehr Papiurlaub und verlotterte Armee-Gebäude

Bevölkerung will mehr Papiurlaub, Automatisierte ÖV-Tickets via Handyapp und Verlotterte Armee-Gebäude. Die Schlagzeilen der Sonntags-Presse.

Wichtige Schlagzeilen der Sonntagspresse in nicht verifizierten Meldungen:

Bürger wollen mehr Papiurlaub

Der vom Parlament beschlossene zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist den Stimmbürgern einer Umfrage zufolge zu wenig. Sie wollen vier Wochen oder mehr, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marketagent Schweiz ergab, die dem «SonntagsBlick» vorliegt. Laut der Erhebung gaben zwölf Prozent der Befragten an, dass sie mit der vom Parlament beschlossenen Variante zufrieden seien. Der Mehrheit ging diese abgespeckte Version zu wenig weit.

Sie sprachen sich entweder für vier Wochen Papi-Zeit aus (29 Prozent) oder gar für das von Linken angestrebte Modell der Elternzeit (25 Prozent). Letzteres will den bestehenden Mutterschaftsurlaub durch einen Elternurlaub ersetzen mit je 14 Wochen für Väter und Mütter. Zusätzlich soll es zehn Wochen geben, welche die Eltern untereinander aufteilen können. Weitere 18 Prozent der Befragten befürworteten grundsätzlich einen ausgedehnteren Vaterschaftsurlaub, wussten aber nicht, welcher Variante sie den Vorzug geben würden.

Automatisierte ÖV-Tickets via Handyapp

Schweizer Verkehrsbetriebe führen die automatische Billettbestellung via Handyapp definitiv ein. Dies gaben die beiden Anbieter Lezzgo und Fairtiq der «NZZ am Sonntag» bekannt. Sie bieten seit gut zwei Jahren die neue Möglichkeit des Reisens mit dem öffentlichen Verkehr an, bei der die Kunden zuerst fahren und das Billett anhand der gefahrenen Strecke später abgerechnet wird. Bisher liefen die Apps in einem Testbetrieb. Laut dem zuständigen Branchenverband ch-direct ist die Technologie weltweit einzigartig. «Der Billettumsatz bei Fairtiq hat sich innert zwei Jahren verzwölffacht», sagte App-Gründer Gian-Mattia Schucan der Zeitung. Die BLS verkauft gemäss einem Sprecher inzwischen elf Prozent aller Tickets über ihre konkurrenzierende Lezzgo-App. Die BLS bietet ihre Technologie nicht nur in ihrer eigenen Lezzgo-App an. Sie konnte diese auch in die App des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) integrieren. In den nächsten Wochen sollen drei weitere Partner dazukommen. Die Technologie von Fairtiq wird derzeit von der SBB in einer Testversion ihrer millionenfach verbreiteten App eingesetzt.

Verlotterte Armee-Immobilien

Tausende Liegenschaften der Schweizer Armee sind offenbar am Verlottern. Laut einer internen Erhebung von Armasuisse Immobilien, dem Liegenschaftsverwalter des Militärs, sind heute mehr als 70 Prozent der noch benutzten 4500 Armeeanlagen sanierungsbedürftig, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. 11 Prozent der militärischen Bauten im Neuwert von 2,3 Milliarden Franken wurden laut der bundesinternen Datenauswertung in der Vergangenheit so schlecht unterhalten, dass sie abgerissen und neu gebaut werden müssten. Laut der internen Strategiepapier der Rüstungsbehörde muss in der Folge «vermehrt mit Gebäudeschliessungen gerechnet werden».

Zudem seien Unfälle und Personenschäden in Gebäuden möglich. Laut einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle wären bis mindestens 2035 jedes Jahr Unterhaltsarbeiten für 480 Millionen Franken nötig, um einen Wertverlust zu stoppen.

Cassis warnt vor neuem Krieg im Nahen Osten

Der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis warnt nach dem Angriff auf saudische Ölanlagen vor einem neuen Krieg im Nahen Osten und hat Vermittlungen zwischen den USA und dem Iran gestartet. «Die Lage ist besorgniserregend. Es braucht nur wenig, damit noch etwas Grösseres passiert», sagte der 58-jährige FDP-Bundesrat in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die USA verdächtigen den Iran hinter der Attacke, die Führung in Teheran bestreitet jede Verwicklung.

Cassis versucht laut eigenen Angaben in diesen Tagen, persönlich zu vermitteln. «Ich kann nicht in die Details gehen. Aber wir sind auf technischer und politische Ebene aktiv, Diplomaten, Staatssekretärin Baeriswyl und ich. Wir erbringen unsere guten Dienste.» Er habe selbst schon direkt zwischen den beiden Aussenministern auf höchster Ebene vermittelt, «mitunter einmal an einem Samstag zu Hause am Telefon». Die Schweiz stellt im Rahmen eines Schutzmachtmandats zwischen den USA und Iran die Kommunikation sicher. Darüber hinaus ist Cassis zuversichtlich, dass die Schweiz bis 2023 Einsitz im Uno-Sicherheitsrat nimmt. «Ich stehe vorbehaltlos hinter der Kandidatur», sagte er. «Das Volk hat 2002 dem vollen Uno-Beitritt zugestimmt, ohne Ausnahme für den Sicherheitsrat.» Bedenken bezüglich der Neutralität seien geklärt worden. Rechtlich gebe es kein Problem. Die Mitgliedschaft im Sicherheitsrat verhelfe der Schweiz zu mehr Reputation.

CS lässt UBS-Top-Manager beschatten

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse hat ihren zur UBS übergelaufenen Top-Manager Iqbal Khan offenbar beschatten lassen. Am vergangenen Mittwoch seien Khan und seine Frau im Auto in der Zürcher Innenstadt von drei Männern in einem anderen Wagen verfolgt worden, berichten die «SonntagsZeitung» und der «SonntagsBlick». Dem 43-jährigen Banker seien die Detektive aufgefallen, er habe gestoppt und von diesen Aufnahmen gemacht. Als sie versucht hätten, Khan das Handy zu entreissen, sei es zu einem Gerangel gekommen. Die Männer konnten den Berichten zufolge fliehen, wurden aber von der Polizei ausfindig gemacht und vorübergehend festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nötigung und Drohung. Wie die Zeitungen schreiben, waren die Männer von Khans Ex-Arbeitgeberin Credit Suisse beauftragt, den früheren Chef der Vermögensverwaltung zu beschatten. Demnach ging es darum, herauszufinden, ob Khan verbotenerweise Mitarbeiter abwirbt, um sie zu seiner neuen Arbeitgeberin – der Credit-Suisse-Hauptkonkurrentin UBS – zu locken. Dort wird er ab Anfang Oktober in der Konzernleitung sitzen. Pikant: Der Sicherheitschef der Credit Suisse bot Khan nach dem Vorfall den Berichten zufolge Personenschutz und technische Ausrüstung an, unter anderem einen Handsender, mit dem der Verfolgte Alarm schlagen kann. Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» hatte bereits am Freitag berichtet, die Credit Suisse soll den Starbanker beschattet haben. Die Credit Suisse erklärte die Sache zu einer «Privatangelegenheit» und wollte sich nicht äussern.

Putsch am Bundesstrafgericht

Am Bundesstrafgericht in Bellinzona ist es bei internen Wahlen um den Vorsitz der drei Gerichtskammern zu einem Putsch gekommen. Dabei wurden vor vier Wochen zwei Vorsitzende abgewählt, die auch an mehreren umstrittenen Entscheiden gegen Bundesanwalt Michael Lauber im Zuge der Fifa-Ermittlungen beteiligt gewesen waren, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Am Samstag hatte bereits die «Neue Zürcher Zeitung» über eine Abwahl berichtet. Betroffen sind dem jüngsten Bericht zufolge die Vorsitzende der neu geschaffenen Berufungskammer, Claudia Solcà, und der Präsident der Beschwerdekammer, Giorgio Bomio.

Beide bleiben nun ordentliche Richter in Bellinzona. Die Zeitung schreibt, dass zumindest bei Solcà Führungsmängel ausschlaggebend für die Nichtwiederwahl gewesen seien. Alle acht nebenamtlichen Richterinnen und Richter brachten demnach in einem Brief eine ganze Liste von Vorwürfen vor. Darin werfen sie die Frage auf, ob die «Basis für einen funktionierenden Gerichtsbetrieb» vorhanden sei. Beide umstrittenen Vorsitzenden geben die Schuld an ihrer Abwahl dem Gericht. Laut Bomio habe es nichts mit der Causa Lauber zu tun. Er habe zuvor Kritik am Gesamtgericht geübt, weil es bei der Besetzung der Verwaltungskommission die politische Vielfalt nicht berücksichtigt habe. Solcà erklärte, sie sei abgewählt worden, weil sie sich für die Unabhängigkeit der Berufungskammer eingesetzt habe, was von der Leitung des Bundesstrafgerichts erschwert worden sei.

Bundesanwalt Lauber in der Kritik

Die Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche» zieht eine schlechte Bilanz über die Arbeit von Bundesanwalt Michael Lauber seit Amtsantritt im Jahr 2012. Die Zeitung analysierte die 46 wichtigsten Fälle, die zwischen 2013 und 2019 vor Gericht landeten. Nach Angaben der Zeitung fielen die dabei erhobenen Strafen mit durchschnittlich weniger als vier Jahren Gefängnis mild aus. Wirtschaftsverfahren seien oft sehr langwierig ausgefallen und hätten im Durchschnitt mehr als sechs Jahre gedauert. Darüber hinaus habe die Bundesanwaltschaft in Fällen, die öffentliche Aufmerksamkeit erregten, wie etwa die Ermittlungen wegen mutmasslicher Korruption beim Fussballverband Fifa, wenig erreicht. Die Zeitung schreibt, dass ihre Analyse unvollständig ist, da sie rund 4000 Strafbefehle und 100 Anklagen nicht berücksichtigte. Die Bundesanwaltschaft ist der Ansicht, dass die Bilanz den Umfang der geleisteten Arbeit nicht genau widerspiegelt. «Einstellungsbeschlüsse oder Nicht-Eintretensentscheide können keineswegs als Misserfolge angesehen werden», teilte die Behörde der Zeitung mit. Lauber tritt am Mittwoch in der Bundesversammlung zur Wahl für eine dritte Amtszeit an. Der Schweizer Chefankläger steht unter anderem wegen nicht protokollierter Treffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino in der Kritik und hat ein Disziplinarverfahren am Hals. Die vorberatende Gerichtskommission empfiehlt Laubers Abwahl.

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