Featured Video Play Icon
FCB-CEO Roland Heri und Erni Maissen diskutieren in FCB Total die Situation der Schweizer Vereine im Europacup. (Video: Telebasel)

Basel

«Die Mannschaft hätte ein volles Stadion verdient»

Der FCB kehrt am Donnerstag gegen Krasnodar auf die europäische Bühne zurück. Allerdings ohne die zahlreiche Unterstützung der Basler Fans.

Weit mehr als 20’000 Tickets pro Spiel hat der BSC Young Boys für die bevorstehende Europa League-Gruppenphase im Vorverkauf abgesetzt. Von solchen Zahlen kann der FC Basel momentan nur träumen. Nur rund 11’000 Ticket-Pakete konnte Rotblau bislang an die Fans bringen.

Nachtragende FCB-Anhänger?

Das hat, im Gegensatz zu den Bernern, einerseits mit der vermeintlichen Unattraktivität der Basler Gegner zu tun. YB spielt gegen Porto, Feyenoord und die Glasgow Rangers. Andererseits aber auch mit der mangelnden Euphorie vieler Basler Fans, die trotz Cup-Titel im Frühling scheinbar immer noch nicht richtig auflebt.

Trotz Tabellenführung in der Liga und der Qualifikation für die Europa League fühlt sich eine grosse Zahl der Basler Fans weiterhin nicht ermutigt, die Spiele von Rotblau zu besuchen. FCB-CEO Roland Heri versteht das. Er ist aber trotzdem der Meinung: «Die Mannschaft hätte ein volles Stadion verdient. Auch, dass die Freude um Rotblau endlich wieder zurückkommt. Und somit die Unterstützung der Fans.»

Erfolg kommt nur mit den Fans

Die FCB-Legende Erni Maissen versteht die Gemütslage der Fans ebenfalls. Aber er richtet auch einen Appell an die rotblaue Anhängerschaft: «Die letzten beiden Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Die Leute müssen sich halt auch bewusst werden, dass man nicht 50 Jahre am Stück Meister wird. Wenn man FCB-Fan ist, dann muss die Mannschaft genau jetzt unterstützen. Man will ja, dass der Verein Erfolg hat – auch europäisch. Das geht wiederum aber nur mit den Fans im Rücken.»

Wie lang man generell noch Schweizer Teams in europäischen Wettbewerben verfolgen kann, ist fraglich. Durch die Änderungen der UEFA wird es künftig für kleinere Ligen wie die Schweiz immer schwieriger, sich für den Europacup zu qualifizieren. Eine Saison wie die aktuelle, in der mit dem FCB, den Young Boys und Lugano gleich drei Teams europäisch spielen, wird es kaum mehr geben.

Europa bald ohne Schweizer?

Dieser Tatsache sieht auch Heri ins Auge: «Die Anzeichen stehen nicht gut. Es wird nicht einfacher für den Schweizer Fussball, sich international ausmessen zu lassen», sagt FCB-CEO Roland Heri. Das hat alles seine Konsequenzen. Die Marktwerte von Spielern lassen sich nur auf europäischer Ebene steigern. Genauso wird die Chance kleiner für Mehreinnahmen im Falle einer Qualifikation.

Auf lange Sicht ist das ein Problem für den FCB: «Es kann nicht im Sinne des internationalen Klubfussballs sein, dass immer die Gleichen gegeneinander spielen. Auch das wird irgendwann langweilig. Im Voraus bereits die Kleinen aussen vor zu lassen, finde ich nicht korrekt», so Erni Maissen.

Erwartungen herunterschrauben

Was im Fussball geschieht, ist ein Spiegelbild der marktwirtschaftlichen Situation in Europa. Immer neue Einnahme-Limiten knacken, so das Motto. «Ich glaube nicht, dass das eine gesunde Entwicklung ist», meint Heri. Dass jede Liga Europas irgendwo vertreten sein darf, das sei nur aus Fussballromantiker-Sicht interessant.

Dessen müssen sich auch die Fans der Schweizer Vereine und insbesondere des FC Basel klar werden. Die magischen Nächte in der Champions League, wo man sich regelmässig in den letzten 15 Jahren mit den besten Teams Europas messen durfte, wird es nicht mehr geben. Man muss die Erwartungen runterschrauben: «Die Chancen sind inzwischen derart minimal, dass man sich auch als Fan damit abfinden muss, dass der FCB in nächster Zeit nicht mehr da dabei sein wird. Generell wird der Schweizer Fussball mit diesen Voraussetzungen international kaum mehr eine grosse Rolle spielen», meint Maissen.

Freude an der Aktualität haben

Zwar wird von Seiten der UEFA die Einführung eines dritten europäischen Wettbewerbs unter der Europa League anvisiert. Aber auch damit wird sich die finanzielle Kluft zwischen den einzelnen Wettbewerben nicht verringern. «Am Ende sind es sechs Millionen Franken haben oder nicht haben. Für Schweizer Verhältnisse eine Zahl, die man nicht ausser Acht lassen sollte», so Heri.

Andererseits sollte man sich in erster Linie daran erfreuen, dass man aus Basler Sicht europäisch dabei ist. Man habe gesehen gegen den PSV Eindhoven, was möglich ist, wenn die Spieler und die Zuschauer am gleichen Strang ziehen. Heri: «Man muss nicht immer gleich darüber sprechen, was noch mehr möglich wäre. Wenn wir gut arbeiten, kommt das Mehr automatisch».

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*