Ein Besucher durfte nicht auf die Schweizer Bobbahn und verklagte darum den Europa-Park. (Bild: Europa-Park)

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Contergan-Opfer erzwingt Anpassung der Bahnen im Europa-Park

Einem körperlich beeinträchtigten Besucher wurde das Bahnenfahren im Europa-Park verboten. Er ging vor Gericht. Jetzt muss der Park nachrüsten.

Ein Besucher wurde 2014 bei der Schweizer Bobbahn im Europa-Park abgewiesen. Der Grund: Er könne sich nicht festhalten oder stabilisieren, weil er durch Contergan-Folgen stark verkürzte Arme hat. Nebst der Bobbahn wurde ihm die Fahrt auf weiteren 19 Bahnen verwehrt.

Nach einem Rechtsstreit mit dem Vergnügungspark darf er nun fast alle Bahnen wieder fahren und der Park rüstet nach, um so vielen Besuchern wie möglich eine Fahrt zu ermöglichen.

Vier Jahre Rechtsstreit

Durch die Abweisung fühlte sich der Besucher vor seiner Familie und den anderen Besuchern so stark gedemütigt, dass er vor Gericht zog, schreiben die «Stuttgarter Nachrichten». Der Rechtsfall zog sich über vier Jahre lang hin. Ein technischer Gutachter bestätigte schliesslich, dass ein Mitfahren problemlos möglich sei, wenn es Rennfahrergurte oder Extra-Bügel gäbe.

Vor Gericht einigten sich die Parteien auf einen Vergleich. Darin sei verfügt, dass der abgewiesene Fahrgast die Bahn entweder grundsätzlich fahren dürfe oder sie mit einem Zusatz-Gurt für ihn nachgerüstet werden müsse.

Nachrüstung bis Pfingsten 2021

Der Europa-Park muss nun bis spätestens Pfingsten 2021 alle Bahnen nachrüsten. Der damals abgewiesene Fahrgast darf in der Zwischenzeit 17 der 20 «verbotenen» Bahnen wieder fahren.

Auch der Freizeitpark sieht das Ergebnis positiv: «Das ist für uns keinesfalls eine Niederlage. Stattdessen denken wir mehr denn je über Inklusion nach und wollen bei dem Thema auch eine Vorreiterrolle einnehmen», sagt Volker Klaiber, in der Geschäftsleitung des Europaparks für die Bereiche Operation und Service zuständiger Direktor, gegenüber der Zeitung.

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