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Ein kleiner Einblick ins Lichtshow-Spektakel. (Video: Thomas Glaser/movepics.ch)

Baselland

Liestal findet (ein bisschen) Stadt

Das Liestaler Stadtfest wird in den höchsten Tönen gelobt. Das überrascht. Und zeigt: in Liestal ist man schnell zufrieden. Ein Kommentar.

Ein Beispiel: Im Festprogramm zum Liestaler Stadtfest wird mitten in der Rathausstrasse ein «Skihütten-Gaudi» angekündigt. Man stelle sich vor: Donnernde Aprés-Ski-Hits in einer heimeligen Holz-Schüre, vielleicht ein Feuerchen fürs Ambiente – und wenn nicht, dann brennt wenigstens das Shot-Glas. Und sowas mitten im verschlafenen Stedtli? Für das junge Liestal wie Weihnachten und Ostern zusammen! Nur: Wer am Wochenende mit der Skimütze auf dem Kopf erwartungsvoll durchs Stedtli zog, wurde schnell enttäuscht. Die angekündigte Ski-Hütte? Ein aufblasbares Gumpi-Schloss in Holzoptik. Skihütten-Ambiente? Fehlanzeige.

Fehlender Charme durch und durch

Die Erfahrungen aus der Rathausstrasse ziehen sich dann leider durchs ganze Stedtli: Es dominieren einfache Standard-Pavillons, darunter ein paar beim grossen Bierproduzenten der Region angemietete Aluminium-Barelemente und fertig ist der Getränkestand. Klar: Mehr braucht es auch nicht, um Getränke auszuschenken. Einladend ist es trotzdem nicht. Oder anders gesagt: Wenn das einzige, was den mexikanischen «CARAMBA»-Stand optisch vom simplen «Lupsi-Grill» unterscheidet ein billiges, angeklebtes Mexiko-«Fläggli» ist, dann kann irgendetwas nicht stimmen.

Itingen, Lausen und Gelterkinden zeigen, wie man’s richtig macht

Dass ein Stadtfest (oder eben Dorffest) durchaus etwas Einzigartiges sein kann, haben in der Vergangenheit mehrere Dörfer in der Region gezeigt. Man erinnere sich nur an die sagenhafte Holzkonstruktion des Musikvereins Lausen am letztjährigen Dorffest. Ein Holzdach, angelehnt an die Oper in Sydney, pink beleuchtet bei Nacht – wahnsinn! Oder das Walddorf am gleichen Event: eine liebevoll eingerichtete Holzlandschaft samt imposanter Event-Halle. Selbst gebaut, extra fürs Dorffest.

(Video: Youtube)

In Itingen wurden ganze Schüren in heimelige Racelette-Stuben umfunktioniert. Zu jederzeit war klar: Das hier ist einmalig – hier steckt Herzblut drin!

Fehlende Vereinskultur in Liestal

Warum schaffen vergleichbar kleine Dörfer wie Itingen und Lausen, was dem Kantonshauptort nicht gelingt? Der Grund liegt in der fehlenden Vereinskultur. Die Vereine in Lausen, Itingen oder Gelterkinden sind sich ihrer Verantwortung bewusst, sind stolz darauf, an solchen Tagen über sich hinaus zu wachsen. Erfährt die legendäre «Wildsäu»-Clique aus Lausen, dass ein Dorffest ansteht, ist sofort klar: Jetzt hauen wir einen raus! In Bubendorf sind es der FC oder die Guggenmusik «Fränkeschränzer», die sich kaum lumpen lassen.

In Liestal jedoch fehlt diese Fest-Kultur. Die Vereine sind anonymer. Kühler. Wo unter dem Jahr kaum jemand in der Clubbeiz sitzen bleibt, da fehlt auch der Zusammenhalt, das Feuer, welches es braucht, um verrückte Ideen umzusetzen. Tausende von Franken und Arbeitsstunden in eine Holzkonstruktion für gerade mal drei Tage zu investieren, ist bei Lichte betrachtet natürlich idiotisch. «Na und?», sagt man sich an den Itinger, Gelterkindner oder Lausner Stammtischen.

Stedtli-Parade? Naja…

Dann lese ich in den hiesigen Zeitungen von einer «grossartigen» Stedtli-Parade. Mit Verlaub: 24 Formationen haben die 700 Meter lange Rauthausstrasse durchlaufen. Ein roter Faden war beim besten Willen nicht erkennbar. Da folgten ein paar Drehorgelspieler auf einen Fanfarenzug aus Waldkirch, später fahren ein paar Bademeister des Sportbads Gitterli auf einem Wagen durchs Stedtli, auf dem zwei Kinder auf Spinning-Velos eine Art Fitness-Stunde absolvieren.

Was wollte uns diese Parade sagen? Was war die Idee dahinter? Wollte man die reiche Liestaler Tradition präsentieren? Wollte man die lokalen Vereine ehren? Sollten die vielen Kinder in den Liestaler Schulen einen tollen Auftritt bekommen? Ganz ehrlich: Ich weiss es bis heute nicht. Auch eine Parade darf eine Geschichte erzählen, muss gar inszeniert werden. Man denke nur an die Tattoo-Parade in Basel oder Ähnliches.

In Liestal ist man schnell zufrieden

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Die Lichtshow am Liestaler Törli war sensationell (siehe Video oben). Dass es tatsächlich möglich war, am Samstagabend einen DJ bis spät in die Morgenstunden hinein Bässe durchs Stedtli wummern zu lassen, grenzt angesichts der ansonsten so lärmempfindlichen Anwohnerschaft nahezu an ein Wunder. Tausende junge Liestaler dankten es im Regen tanzend. Auch einige Formationen der Parade waren für sich gesehen toll – man denke nur an die herzigen, «yfflenden» Kinder des Jugendfestvereins. Aber die wenigen Glanzpunkte konnten am Ende auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass vieles an diesem Stadtfest eben durchschnittlich war. Ohne Charm. Einer solchen Ausgangslage (Das erste Stadtfest seit 30 Jahren!) kaum würdig.

Ein altes Liestaler Problem wurde an diesem Wochenende einmal mehr manifest: Liestal ist einfach zu gross, um klein zu sein. Denn vielleicht ist es gerade dieses Kleine, Enge, das ein Dorffest in einem kleinen Dorf so heimelig macht. Was Liestal aber eben gleichzeitig auch ist: Zu klein, um gross zu sein.

11 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Bieri
    Ihr Kommentar zum Stadtfest Liestal finde ich, wie viele andere in meinem Freundeskreis, äusserst geschmacklos! Als Journalist von Telebasel hätte ich eine offenere Haltung erwartet. Normalerweise liest man solche Kommentare nur in Boulevardzeitungen…Report

  2. Ich finde solche aussagen nicht Korrekt. Den die Vereine von Liestal gaben sich mühe das beste daraus zu geben.
    Ausserdem hatten wir eine sensationell Lichtershow!
    Man sollte nicht immer nur das Negative schreiben sondern auch die schönen und Positiven Dinge.
    Aber das zeigt wieder mal das der Mensch nur schlechtes schreiben kann!Report

  3. Fehlender Charme durch und durch
    Ja, das Städtli-Dorffest war tatsächlich auch ein Spiegel der Stadt und der Fisch stinkt bekanntlich am Kopf.
    Das ganze hat ja bereits im Vorfeld mit viel negativer Presse begonnen und diese ist in der Verantwortung des OK Präsidenten.Report

  4. Da hat wohl der Journalist nicht das ganze Städrli angeschaut, aber wie soll er auch.. Telebasel war ja schon am Donnerstag Abend vor Ort wo die meistens noch nicht fertig mit aufbauen waren. Es gab durchaus Vereine die Geld investiert haben und ein gemütliches Ambiente zauberten.. Und auch der DJ hat bestimmt nicht nur für 20 Personen gespielt.. Der obere Rathausstrasse teil war voll mit Leuten.. Und das bis spät in die Nacht.. Aber es wundert mich nicht das die Anwohner schon wieder motzen betreff Lärm oder Privatgrund… Typisch…Report

  5. Sehr geehrter herr bieri
    Bei dieser berichterstattung muss ich mir doch anmassen, an ihrem urteilsvermögen zu zweifeln. Die wahrnehmung ihrerseits und die art und weise, wie sie das vergangene wochenende beschreiben, ist meiner meinung nach höchstens unterdurchschnittlich. Als liestaler, festbesucher, am fest mitwirkendes vereinsmitglied und bandmitglied habe ich über die ganzen zwei tage am fest nur tolle rückmeldungen aus allen schichten sowie alters- und herkunftsgruppen gehört. Auch 1 tag nach dem fest hallen die positiven voten nach. Ich für meinen teil erachte es als überflüssig, an dieser stelle auf die vielen schönen momente und darbietungen des stadtfests einzugehen, da bekanntlich die geschmäcker verschieden sind. Für mich steht fest, dass das ok einen super job gemacht hat und die von ihnen genannten dorffeste nicht mit dem stadtfest vergleichbar sind, da die grundstruktur der organisation per se auf einer anderen basis beruht. Jedes fest hat schwachpunkte – diese wurden entgegen ihrer negativen berichterstattung aber von vielen ereignisreichen und schönen momenten mehr als wettgemacht.Report

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