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Der Telebasel News-Beitrag vom 4. September 2019.
Basel

Streit im Sex-Milieu: Behörden sollen geschlampt haben

Im Herbst letzten Jahres soll eine Sex-Arbeiterin einer Konkurrentin einen Teil der Unterlippe abgebissen haben. Am Mittwoch stand sie deswegen vor Gericht.

Es ist der 26. Oktober 2018 kurz vor 18 Uhr, als Schreie die Liegenschaft an der Webergasse 9 in Basel durchdringen. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gerieten zwei Sex-Arbeiterinnen aneinander. Die Bilanz: Eine der beiden Frauen liegt daraufhin mit einer abgerissenen Unterlippe im Spital.

Die abgerissene Unterlippe ist denn auch der Hauptanklagepunkt vor Gericht. Diese sei dem Opfer von ihrer Konkurrentin abgebissen worden. Hintergrund soll Eifersucht wegen eines Freiers gewesen sein.

Vor der Richterin sitzt eine Frau aus Äquatorialguinea mit einem schwierigen Leben auf dem Buckel. Alleinerziehende Mutter mit einem Sohn in Spanien ist sie illegal in die Schweiz eingereist, um sich hier zu prostituieren.

Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Gefängnis

Das Opfer, eine Landsfrau aus Spanien, soll sie verletzt und provoziert haben. Daraufhin habe die 26-Jährige einen Aschenbecher genommen, diesen zerschlagen und ihrer Opponentin damit ins Gesicht geschlagen. So habe das Opfer die Unterlippe verloren und nicht durch den Biss, gibt die Angeklagte zu Protokoll.

Das Problem an der Sache: Es gibt keine Zeugen, nur einen Freier, der den Vorfall aber nur gehört und nicht gesehen hat. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Gefängnis und zehn Jahre Landesverweis für die 26-Jährige.

Fehlendes Beweismaterial

Für Stefan Kunz, den Anwalt der Beschuldigten, ist der Sachverhalt nicht klar. Die Behörden hätten bei der Beweisaufnahme nämlich geschlampt «Ein grosser Fehler, der passierte, war, dass die Polizei es versäumte, Videomaterial sicherzustellen. Oder auch andere Zeugen zu eruieren, die Aussagen zum Vorfall hätter nachen können. Bis man das merkte, hat es die Daten nicht mehr gegeben und die Leute waren nicht mehr auffindbar.»

Auch laut anderen Anwälten sei dies kein Einzelfall. Weil im Kanton Basel-Stadt die Beweisaufnahme nur selten vom prozessführenden Staatsanwalt durchgeführt werde, seien die Beweise oft fehlend oder unzulässig. Die Staatsanwaltschaft wollte sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht zum aktuellen Fall äussern.

Das Urteil wird am Donnerstag gesprochen, bis dann gilt die Unschuldsvermutung.

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