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Der Telebasel News Beitrag vom 4. September 2019.

Region

Mit Spitallisten gegen medizinische Überversorgung

Die beiden Basel wollen mit gleichlautenden Spitallisten der medizinischen Überversorgung auf gewissen Gebieten entgegentreten.

Ausgangspunkt für die gemeinsame Gesundheitsplanung ist der Staatsvertrag von Basel-Stadt und Baselland für eine bikantonale Gesundheitsversorgung, der im Februar 2019 in einer Volksabstimmung in beiden Kantonen klar abgesegnet worden ist. Eines der Ziele der ist es, das Kostenwachstum zu dämpfen, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Bericht zur gemeinsamen Gesundheitsregion hervorgeht.

Zentrales Anliegen der Gesundheitsbehörden ist der Abbau von Überangeboten. Im Gesundheitsraum beider Basel werden bestimmte Spitalbehandlungen nämlich «deutlich häufiger» in Anspruch genommen als in der übrigen Schweiz, hält der Bericht fest. Dieser stützt sich auf eine Analyse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan).

Die Gesundheitsdirektoren gehen davon aus, dass zumindest ein Teil der hohen Inanspruchnahme nicht medizinisch begründbar ist. Sie liessen deshalb die Nachfrage der Bevölkerung nach stationären Spitalleistungen – bereinigt durch demografische und sozioökonomische Variablen – einschätzen.

Überangebot in fast in allen Bereichen

Das Fazit ist auffällig: In fast allen 31 Spitalleistungsbereichen lag die Inanspruchnahme im Jahr 2016 über dem nach den Abklärungen zu erwartenden Wert. Nur gerade bei der Geburtshilfe , der Gynäkologie, der Herzchirurgie, der Radiologie und den Transplantationen kam es zu leichten Unterschreitungen. «Eine deutliche absolute und unerklärte Überschreitung» fand sich in den Bereichen Bewegungsapparat (Orthopädie), Hals-Nasen-Ohren, Kardiologie und Urologie, hält der Bericht fest.

Dass es auf den Gebieten Orthopädie und Kardiologie in der Region Basel Überangebote gibt, hat die Verantwortlichen des Berichts nicht überrascht, wie sie an der Medienkonferenz sagten. Jetzt seien die Annahmen aber klar bestätigt worden.

Jürg Sommer, Leiter des Gesundheitsamts in der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, bezifferte die Zahl der«beim besten Willen” medizinisch nicht erklärbaren Fällen mit 4000. Bei einer Gesamtzahl von 86’400 Fällen in der Akutsomatik im Jahr 2016 sei das ein relativ hoher Anteil.

80 Millionen für nicht erklärbare Fälle

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger nannte Kosten von 80 Millionen Franken, die sich durch diese nicht nachvollziehbaren Fälle ergeben. «Wenn wir das Überangebot in einem vorsichtigen Schritt um 50 Prozent abbauen, dann bleiben theoretisch Einsparungen in der Höhe von 40 Millionen Franken übrig», sagte er.

Die Regierungen beider Basel möchten nun das Angebot über die Spitallisten anpassen und «das Volumen künftig aktiver steuern». Dies soll aber «nicht im Hauruckverfahren” geschehen, sondern «schrittweise und gemeinsam mit den Spitälern». Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber bezeichnete das Vorgehen als «schweizweiten Meilenstein».

Aufgrund der demografischen Entwicklung und des Bevölkerungswachstums ist unter dem Strich nicht mit einer Abnahme der absoluten Fallzahlen zu rechnen. Aber das Wachstum könne gebremst werden, hiess es. Ein Bedarfsszenario geht demnach von einem gesteuerten Wachstum von 86’000 auf 88’000 Fälle im Jahr 2028 aus. Ohne aktive Steuerung würden die Fallzahlen auf 97’000 anwachsen. Mit eingerechnet ist in diesen Zahlen, dass künftig mehr stationäre Spitalaufenthalte durch ambulante Eingriffe ersetzt werden.

Das Bewerbungsverfahren für die rund 25 Spitäler oder Leistungsanbieter startet sofort und dauert bis 31. Oktober 2019. Das Inkrafttreten der Spitallisten ist auf 1. Januar 2021 terminiert.

Die Bedarfsprognose betrifft vorerst nur die Spitäler der akutstationären Versorgung. Die Bereiche Rehabilitation und Psychiatrie sollen 2021 folgen.

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