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Der Telebasel Report vom 28. August 2019.

Region

Report: Umweltsünde Kunstrasen

SBR-Granulate in Kunstrasen sind verpönt. Gemäss Experten werden sie seit zehn Jahren nicht mehr verwendet. Das stimmt aber nicht ganz.

«Das ist ein absolutes No-Go», sagt Eric Hardman. Der Basler war 23 Jahre lang für sämtliche Sportanlagen in Basel verantwortlich. Heute berät der Kunst- und Naturrasenexperte Vereine und Gemeinden bei Infrastruktur-Projekten. Ein «No-Go», das sei die heutige Verwendung von schwarzem Gummi-Granulat aus rezyklierten Autoreifen. Dieses würde nämlich möglicherweise fortpflanzungs-gefährdende, gar krebserregende Stoffe und Schwermetalle enthalten. In der Szene seien sogenannte SBR-Granulate deshalb tabu.

Kunstrasen-Granulat im Vergleich. Die Umstrittenen SBR-Granulate wurden von künstlichen EPDM oder TPE-Granulaten abgelöst. Die natürliche Alternative Kork konnte sich aus diversen Gründen nicht durchsetzen. (Grafik: Telebasel)

SBR-Granulate in Liestal und auf der Schützenmatte

Wie Recherchen des Telebasel Reports zeigen, wurden trotz des schlechten Rufs in der Region kürzlich gleich zwei Kunstrasen-Felder mit SBR-Granulaten ausgestattet. 2018 beim Ersatz des alten Kunstrases auf der Schützenmatte – und auch gerade in diesen Tagen in Liestal.

Für Experte Eric Hardman völlig inakzeptabel: «Es gibt längst Granulat, das bezüglich Inhaltsstoffe völlig unproblematisch ist. Das ist halt teurer. Aber Geld darf bei einer möglichen Gesundheitsschädigung doch keine Rolle spielen».

Viele Kunstrasen der ersten Generation wurden mit schwarzem SBR-Granulat verfüllt. (Bild: Telebasel)

Sportamt stützt sich auf Faktenblatt des Bundes

Beim Sportamt ist man sich keiner Verfehlung bewusst. Gemäss Florian Mathys, Leiter Planung, Bau und Unterhalt der Basler Sportanlagen, habe man sich sowohl an die Richtlinien des Bundesamts für Sport sowie an jene des Bundesamts für Gesundheit gehalten: «Gemäss Bund besteht bezüglich SBR-Granulat kein spezielles Risiko für Sportler. Zum Zeitpunkt der Beschaffung war SBR-Granulat unproblematisch».

Tatsächlich kommt der Bund bei einer Untersuchung 2017 zu genau diesem Schluss. Von «unproblematisch» kann aber nicht die Rede sein. Der Bund weist durchaus auf mögliche Probleme hin:

Keine Rechtsverletzung durch Sportamt

Am Ende ist der Einsatz von SBR-Granulat auf Kunstrasen gesetzlich erlaubt. Das Sportamt hat also die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten. Auch die in der Ausschreibung festgelegten Kriterien wurden eingehalten. Kein Wunder: In der Ausschreibung gab es beispielsweise gar keine Umweltkriterien. Mögliche, gemäss Eric Hardman in der Szene längst üblichen, höheren Anforderungen an das Granulat hätte die Stadt Basel freiwillig in die Ausschreibung aufnehmen müssen.

Weitere Hintergründe zum Umweltsünder Kunstrasen sowie Beispiele, wie man Kunstrasen auch ohne problematisches Granulat einsetzen kann gibt es im Report (Video oben).

Der Telebasel News Beitrag vom 28. August 2019:

(Video: Telebasel)

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