Bei durchwachsenem Wetter wurde Greta Thunberg am Mittwoch von 17 Segelbooten der Vereinten Nationen auf der Wasserfläche vor der Skyline der von Manhattan begrüsst. (Bild: Twitter/antonioguterres)

International

Greta Thunberg vor Freiheitsstatue in New York eingetroffen

Zwei Wochen nach ihrem Aufbruch über den Atlantik per Rennjacht hat Klimaaktivistin Greta Thunberg die Freiheitsstatue in New York erreicht.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zwei Wochen nach dem Start ihrer Segelreise über den Atlantik an ihrem Zielort New York angekommen. Die 16-Jährige betrat am Mittwochnachmittag (Ortszeit) zum ersten Mal in ihrem Leben US-Boden.

In der Hand hielt sie ihr berühmt gewordenes Protestschild mit der Aufschrift «Skolstrejk för klimatet» (Schulstreik fürs Klima). «All das hier ist sehr überwältigend. Der Boden wackelt noch», sagte die junge Schwedin unmittelbar nach ihrer Ankunft im Hafen North Cove Marina in Manhattan. Der Transatlantik-Törn sei überraschend gut gewesen. «Ich habe mich nicht ein Mal seekrank gefühlt», sagte sie. Vom norddeutschen Segelprofi Boris Herrmann, der seinen prominenten Gast an Bord der Rennjacht «Malizia» gemeinsam mit seinem Co-Skipper Pierre Casiraghi über den Ozean gebracht hatte, gab es Lob. «Sehr wenige Menschen hätten das geschafft», sagte er.

Thunberg kündigte an, bereits am Freitag an einem Klimaprotest vor dem Gebäude der Vereinten Nationen teilnehmen zu wollen. Das wird nur einer von vielen Protesten und weiteren Terminen der Aktivistin in den USA sein. Der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York startet am 21. September, ihm folgt zwei Tage später der Uno-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der Uno-Generalversammlung. Rundherum gibt es international koordinierte Klimaproteste der Fridays-for-Future-Bewegung. Thunberg will ausserdem andere Aktivisten, Entscheidungsträger und Betroffene des Klimawandels treffen.

Kein Gespräch mit Trump

Aus Thunbergs Umfeld verlautete auch, dass sie zu politischen Gesprächen nach Washington fahren wolle. Ein Treffen mit US-Präsident Trump, der eine klimafeindliche Politik betreibt, scheint aber ausgeschlossen. Nach ihrer Ankunft wiederholte Thunberg ihren Standpunkt, es bringe nichts, Trump überzeugen zu wollen, wenn er nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaft hören wolle.

«Wenn es niemand geschafft hat, ihn zu überzeugen, warum sollte ich dann dazu bereit sein?» Sie werde sich vielmehr darauf konzentrieren, auf die Dringlichkeit der Klimakrise aufmerksam zu machen. Auch auf See seien die Nachrichten von den Bränden im Amazonasgebiet nicht an ihr vorbeigegangen, sagte Thunberg. Die Lage im Amazonas sei niederschmetternd. «Unser Krieg gegen die Natur muss aufhören.»

Mit Bus und Bahn nach Chile

Thunberg versicherte, ihr Plan sei weiterhin, im Dezember auch an der Weltklimakonferenz in Santiago de Chile teilzunehmen. Die Konferenz müsse einen entscheidenden Wendepunkt im Kampf fürs Klima darstellen, sagte sie. Wie sie dorthin komme, wisse sie noch nicht genau. Auf das Fliegen werde sie aber wieder verzichten.

Stattdessen werde sie vermutlich in einer Menge Zügen und Bussen sitzen, auch eine weitere Reise per Segelboot schloss sie nicht aus. Die Hauptstadt von Chile liegt rund 8500 Kilometer südlich von New York.  Thunberg, Herrmann, Casiraghi sowie Thunbergs Vater Svante und ein Filmemacher waren am 14. August gemeinsam im südenglischen Plymouth mit der «Malizia» in See gestochen.

Die Klimaaktivistin verzichtet auf Flugreisen, weil auf diesen besonders viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestossen werden. Deshalb entschied sie sich dazu, den Weg über den Atlantik per Hochsee-Segeljacht auf sich zu nehmen. In Übersee will sie ihren Kampf gegen die Klimakrise nun auf eine neue Ebene heben. Dafür hat sie ein Jahr Auszeit von der Schule genommen. In ihrer vorerst letzten Nacht auf dem Meer hatte Thunberg am frühen Mittwochmorgen auf Twitter geschrieben: «Land!! Die Lichter von Long Island und New York City voraus.»

17 Uno Segelboote begrüssten Thunberg

Bei durchwachsenem Wetter und gelegentlichem Nieselregen ankerte die «Malizia» im Laufe des Tages zur Zoll- und Passkontrolle vorübergehend vor Coney Island, bevor es auf die Wasserfläche vor Manhattan einfuhr und dort von 17 Segelbooten der Vereinten Nationen begrüsst wurde – jedes stand dabei für eines der Uno-Nachhaltigkeitsziele.

Die Nachhaltigkeitsziele gelten als die globalen Vorsätze der Vereinten Nationen (Uno) und seiner Mitgliedsstaaten. Zu ihnen gehören neben dem verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auch, dass kein Mensch mehr in Armut leben oder Hunger leiden darf, dass der Zugang zu Bildung und der Gesundheitszustand verbessert werden oder die Diskriminierung von Frauen beseitigt werden soll.

Die Ziele sollen bis 2030 erreicht werden. Im September wollen die Staats- und Regierungschefs am Uno-Hauptsitz in New York eine Zwischenbilanz über das bislang Erreichte ziehen.

Schulstreiks und Fridays for Future

Als damals noch 15-Jährige hatte Thunberg sich vor gut einem Jahr vor das Parlament in Stockholm gesetzt, um für einen beherzteren Einsatz ihres Landes für das Klima zu protestieren.

Aus ihrem einst einsamen «Schulstreik fürs Klima» ist die internationale Klimaschutzbewegung Fridays for Future entstanden, mit der auch in mehreren Schweizer Städten etliche Schüler freitags statt in den Unterricht zum Protest auf die Strasse gehen.

Die Klimaproteste beeinflussen die Debatten über die Klimakrise und machen Druck auf Regierungen für entschiedenere politische Ansätze.

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